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Kleiner, bunter, magaziniger

Wer ist die schönste in ganz Europa? Mehr als 500 Medienmacher kommen im April nach Wien, um Zeitungen zu prämieren, die mit Design und Konzept überzeugen. Zeitungsgestalter Norbert Küpper hat den "European Newspaper Award" gegründet. Im Medien Monitor-Interview spricht er über Zeitungstrends in Krisenzeiten.

Zeitungsdesigner Norbert Küpper

Medien Monitor: Herr Küpper, ist die Wirtschafts- und Zeitungskrise auch eine Flaute für Sie als Zeitungsdesigner?

Norbert Küpper: Im Moment bin ich in einigen Jobs eingespannt. Wie das am Ende des Jahres aussieht, weiß natürlich niemand. Krisenzeit ist aber immer auch Veränderungszeit. Möglicherweise nehmen einige Verlage die Krise als Anlass, auf kleinere Formate umzustellen.

Würden Sie das auch empfehlen?

Ja. Generell ist die Verkleinerung der Zeitungsformate richtig. Wir versuchen seit Jahrzehnten, die Zeitungen leserfreundlicher zu gestalten. Dazu gehört eine gute Handhabung. Es muss ja nicht Tabloid sein. Das Berliner Format halte ich für eine gute Lösung. Die gewohnte Buchstruktur bleibt erhalten, gleichzeitig kann man die Zeitung auch bequem im Zug oder im Flugzeug lesen.

Zeitungsformate im Überblick

Nordisches Format: etwa 570 x 440 mm
Rheinisches Format: etwa 510 x 365 mm
Berliner Format: etwa 470 x 315 mm
Halbnordisches Format ("Tabloid"): 400 x 285 oder kleiner

Sie haben 2008 gesagt: "Der Trend zum Tabloid ist übermächtig." Warum hat sich das Format in Deutschland noch nicht durchgesetzt – bis auf Ausnahmen wie die Frankfurter Rundschau?

Tabloid ja oder nein – das war bislang vor allem eine wirtschaftliche Frage. Die meisten Zeitungen, die in der Vergangenheit auf Tabloid umgestellt haben, waren in großer wirtschaftlicher Not. Dazu gehört die FR. Auch im Ausland soll Tabloid für viele Medienhäuser der Rettungsanker sein.

Preisgekrönt: Eine Schwerpunktseite der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet"

Seit 1998 verleihen Sie mit Partnern den European Newspaper Award. Gibt es Länder, die im Zeitungsgeschäft die Trends vorgeben?

Das ist gemischt, was man gut an den aktuellen Entwicklungen sehen kann. Der Trend zu großen Bildern, viel Farbe und extremen Bildschnitten kommt aus Skandinavien. Das Portionieren von Information macht der Corriere della Sera aus Italien vorbildlich. In jedem Land gibt es eine gute Idee, aus der man mit den richtigen technischen Voraussetzungen eine geniale Zeitung machen könnte.

Sie haben Farbe als Gestaltungselement angesprochen. Fast alle Zeitungen drucken heute durchgehend vierfarbig. Vermisst eigentlich niemand das Schwarz-Weiß-Foto?

Ich glaube nicht. Es gibt in Deutschland noch einige Zeitungen, die überwiegend schwarz-weiß drucken. Die haben allerdings oft keine Konkurrenz. Schwarz-Weiß-Bilder haben einen sehr dokumentarischen Charakter, wirken ähnlich altmodisch wie ein Schwarz-Weiß-Film.

Norbert Küpper über seine Traumzeitung (38 Sek.):

Bislang gingen nur wenige Hauptpreise beim Newspaper Award nach Deutschland. Hinken unsere Zeitungen hinterher?

Bei den Hauptpreisen haben die deutschen Zeitungen nicht so gut abgeschnitten, das stimmt. Das liegt womöglich daran, dass viele deutsche Zeitungen keine oder nur kleine Layoutabteilungen haben – oder keinen Art-Direktor. Die Skandinavier und Briten haben viele von diesen Spezialisten, sind deshalb oft etwas kreativer.

Der European Newspaper Award (ENA) gilt als wichtigster europäischer Wettbewerb für Tages- und Wochenzeitungen. Die Gewinner beim zehnten ENA werden vom 26. bis 28. April 2009 in Wien vorgestellt. Dann kommen mehr als 500 Medienmacher zum European Newspaper Congress (ENC) nach Österreich.

Müssten deutsche Verlage hier mehr investieren?

Man braucht nicht unbedingt sofort mehr Personal, um etwas zu verändern. Durch andere Bildschnitte erreicht man einen großen Effekt, lässt die Zeitung peppiger aussehen. Als Faustregel gilt: Unwichtiges sollte weggeschnitten werden. Durch interessante Bildformate holt man aus normalen Bildern viel raus.

Es gibt eine große Frage, die alle Zeitungsmacher beschäftigt: Wie soll die Zeitung der Zukunft aussehen, um die Web-2.0-Generation zu erreichen?

Die Zeitungen werden magaziniger, das sieht man deutlich in Skandinavien. Das Layout wird lockerer. Ein Beispiel: Auf einer Doppelseite steht nur ein großer Artikel mit einem freigestellten Bild, dazu kleinere Info-Kästen. Das Internet bietet die aktuellen Nachrichten. Zeitungsmacher sollten sich deshalb vom Dokumentationszwang lösen, freier sein und auf andere Inhalte setzen. Das können Hintergrundberichte zu den Themen des Tages sein, aber auch leichtere Inhalte wie Lifestyle-Themen.

Norbert Küpper hat etwa 80 Zeitungen in Europa neu gestaltet. Bevor er sich 1984 selbständig machte, hat Küpper eine Ausbildung zum Schriftsetzer absolviert und Grafikdesign in Düsseldorf studiert. Heute ist er auch Lehrbeauftragter für Typografie und Layout an der Fachhochschule Düsseldorf. Küpper lebt in Meerbusch.

Was können die Zeitungen von Internetmedien lernen?

Seiten wie Spiegel Online haben eine simple Sortierung, eine deutliche Hierarchie. Da haben wir bei Zeitungen Nachholbedarf. Bei manchen Blättern fängt der Sportteil auf einer linken Seite an, der "Sport"-Titelkopf steht dann rechts. Oder die Fernsehseite wechselt jeden Tag die Position. Da ist das Internet manchmal leserfreundlicher.

Norbert Küpper über Veränderungen in seinem Geschäft (37 Sek.):

Sie gestalten seit 25 Jahren Zeitungen. Stoßen Sie heute auf mehr Widerstand in den Redaktionen als früher?

Nein, im Gegenteil. Als ich anfing, hatte ich manchmal den Eindruck, für viele Redakteure bricht mit einem Relaunch eine Welt zusammen. Das hat sich geändert, heute ist der Prozess viel offener. Die Redakteure begrüßen Veränderungen.

Blattkritik mit Norbert Küpper

Titelseite der Süddeutschen Zeitung.

Herr Küpper, hier liegen drei Tageszeitungen: Was würden Sie anders gestalten, wenn Sie freie Hand hätten?

(Küpper nimmt sich die Süddeutsche Zeitung) Die SZ würde ich aufs Berliner Format verkleinern. Die Dachzeilen kämen raus, genauso wie die Spaltenlinien in den Artikeln. Den Kopf lasse ich lieber so, man ist ja vorsichtig. Auf den Innenseiten wirkt die "Helvetica" als Überschrift etwas müde. Die Grundschrift ist die "Excelsior" aus dem Jahr 1931, wirkt auch etwas veraltet. Insgesamt fehlen mir kleine Informationseinheiten wie zum Beispiel Fakten-Boxen.

Nächster Kandidat ist die Westfälische Rundschau.

Die ist ganz hervorragend, die habe ich ja mal gestaltet (lacht). Jeder Aufmacher hat eine Ergänzungsbox, das wird systematisch eingehalten. Die Zeitung ist recht kleinteilig, wie die übrigen Ruhrgebietszeitungen auch. Auf den Stadtteilseiten sind sehr viele Bilder platziert, das macht diesen Teil etwas unübersichtlich.

Was halten Sie vom Design beim Kölner Express?

Schön ist, dass auf Seite eins über dem Bruch ein komplettes Thema mit Foto angerissen wird. Das macht übrigens die Zeit mit ihrer Titelseite genauso. (Blättert weiter.) Die Überschrift wird oft ins Bild gesetzt. Jede Seite hat einen klaren Aufmacher, das ist gut. Was das Design angeht, findet man hier einige Ansätze, die auch für Regionalzeitungen interessant sein können.

Text: Andreas Block
Teaserfoto: Andreas Block
Fotos: Andreas Block, Svenska Dagbladet, Süddeutsche Zeitung
Audio: Andreas Block

Veröffentlicht: 03.04.2009
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