Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Kirche im Internet

Der Evangelische Kirchentag in Bremen war nicht nur Treffpunkt vieler Gläubiger aus Deutschland und der Welt, sondern auch ein mediales Großereignis. Damit Religion darüber hinaus in den Medien präsent bleibt, soll ab September das Internetportal evangelisch.de die Aktivitäten der Evangelischen Kirche im Web bündeln. Die Kirche wird also ein Stück moderner - zumindest in ihrem Auftritt.

Kirche im Internet

Die Evangelische Kirche plant ein neues Internetportal. Mit evangelisch.de sollen möglichst viele User in Sachen Glaubensfragen gewonnen werden. Im September geht die Internetseite online. Auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen gab es schon einmal einen Vorgeschmack.

Bald soll die Bibel im Twitterformat erscheinen.

Bremen. Beim Gang über die Medienmeile auf dem Kirchentag in Bremen wird deutlich, wie viele kirchliche Medien es in Deutschland eigentlich gibt. Bibel.TV mit dem zusätzlichen Jugendsender [Tru:] oder Radio.Paradiso präsentieren sich hier, um nur die größten zu nennen. In einem ganztägigen Programm beleuchten sie Themen aus einem religiösen Blickwinkel. Die Spartenprogramme führen ein Nischendasein - mit evangelisch.de soll sich das ändern. Das Ziel: Religionsthemen für ein breites Publikum.

Mehr User durch Zusammenarbeit

Kirchenmedien präsentierten sich in Bremen auf der Medienmeile.

"Die Evangelische Kirche will alle Aktivitäten, die es schon im Web gibt, auf einer Seite bündeln. So wollen wir eine größere Reichweite erzielen", sagt Portalleiterin Melanie Huber. Auf der Seite werden alle evangelischen Medien eine Verlinkung bekommen. Auch ein zentraler Videoserver ist geplant, auf dem alle Landeskirchen ihren Content kostenlos tauschen können. Durch die Kooperation sollen mehr User erreicht werden.

Kirche im Fernsehen

Öffentlich-rechtliche Formate:

  • Das "Wort zum Sonntag" ist die zweitälteste Sendung der ARD: Sie wird seit Mai 1954 ausgestrahlt. Mit über eineinhalb Millionen Zuschauern pro Sendung gehört sie zu den quotenstärksten kirchlichen Sendungen in Deutschland.
  • Seit nunmehr 30 Jahren strahlt das ZDF regelmäßig Gottesdienste am Sonntagmorgen aus. Katholische und evangelische wechseln sich wöchentlich ab.
  • Die evangelische Talkshow "Tacheles - Die 10 Gebote" ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und Phoenix. Die jetzt zu Ende gegangene Serie wurde von der stellvertretenden Chefredakteurin des evangelischen Magazins "chrismon", Ursula Ott, moderiert. Im Oktober startet eine neue Staffel mit einem neuen Moderator.
  • Im deutschen Auslandsrundfunk Deutsche Welle werden "Glaubensfragen", so der Name der Fernsehsendung, aus deutscher Sicht und mit Blick aufs Ausland beleuchtet.

Private Formate:

  • Auf "Um Gottes Willen - N24-Ethik" diskutiert Moderatorin Julia Scherf jeden zweiten Sonntag mit ihren Gästen über aktuelle ethische Fragen.
  • Bei Sat.1 wird jeden Samstag in der 60 sekündigen Sendung über "Gott und die Welt" nachgedacht. Außerdem gibt es die Sendung "Montag früh".
  • Der Filmtipp bei ProSieben klopft jeden Samstag einen Pro-Sieben-Spielfilm auf seine ethisch-religiöse Dimension ab.
  • Jeden Sonntag verbindet der "Bibel-Clip" auf RTL aktuelle Nachrichtenbilder mit einem Bibelzitat.
  • Zudem gibt es zahlreiche religiöse Spartenprogramme.

Alles, was das Internet hergibt

Portalleiterin Melanie Huber.

Mit einem Weltrekord will evangelisch.de an den Start gehen: Dafür wurde die Bibel in 3.000 Abschnitte aufgeteilt, jeder Abschnitt soll von einem User in 140 Zeichen beim Internet-Dienst Twitter zusammengefasst werden. Bis zum 1. Juni soll die Bibel fertiggetwittert sein. Doch Twitter ist nicht die einzige technische Finesse, die sich die evangelisch.de-Macher überlegt haben. Die neue Internetseite soll alles bieten, was das Mitmachinternet Web 2.0 so hergibt, sagt Huber. Die User sollen die Möglichkeit haben, miteinander in Blogs und Foren zu kommunizieren, Kontakte zu knüpfen und zu diskutieren.

So stellt sich Melanie Huber die Community bei evangelisch.de vor... (0:33 min.)

Die Kernzielgruppe sind Menschen über 30. Aber auch junge Menschen sollen durch das neue Webangebot für Glaubensfragen interessiert werden. "Das Twitterangebot zum Beispiel ist ein Angebot für die Jugendlichen, spielerisch mit dem Inhalt vom Alten und Neuen Testament umzugehen", so Markus Bräuer, Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Bereits jetzt besteht die evangelisch.de-Redaktion aus 15 Mitarbeitern, darunter viele freie. Etwa zehn feste Redakteure soll das Portal haben, wenn es am 24. September eröffnet.

Die Medienarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Lesen Sie mehr darüber im Interview mit Markus Bräuer.

Text: Evgenij Haperskij
Fotos: Evgenij Haperskij, DBlechner, flickr.com/Piotr Milecki
Audios: Evgenij Haperskij

Veröffentlicht: 28.05.2009
Bitte gib hier die rechts gezeigte Zahl ein. Dies dient zur Abwehr automatisierter Einträge. CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn du die Zahl nicht lesen kannst, hier klicken.
Hinweis: Kommentare werden moderiert.


Pflichtlektüre

Eldoradio

DO1 TV

Journalistik Journal

Köpfe & Karrieren | Trends & Technik | Kritik & Kurioses | Spezial | News | Blog
 Suche | Newsfeeds | Redaktion | Impressum