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Kilometerhohe Wasserfälle

Frank Weinreich mit seinen zwei neuesten Büchern. Foto: Katja Reich
Frank Weinreich mit seinen zwei neuesten Büchern. Foto: K. Reich

Es gibt in Deutschland nur wenige Sachbücher zum Genre Fantasy. Eins davon hat der Bochumer Autor Frank Weinreich (45) geschrieben. Der Doktor der Philosophie sprach mit der Autorin über die Geschichte der Fantasy, die Sehnsüchte des modernen Menschen und darüber, was Platon und Elke Heidenreich mit phantastischer Literatur zu tun haben.

Sie haben ein Buch geschrieben: "Fantasy. Eine Einführung.", also einen wissenschaftlichen Text zur Fantasy. Das klingt erstmal merkwürdig.

Das finde ich nicht. Die Fantasy ist ein Genre, ein sehr altes Genre sogar in gewisser Hinsicht. Es ist sehr populär, spätestens seit "Harry Potter". Viele Millionen Leute lesen es. Die große Mehrheit liest es nicht, aber ist vielleicht auch interessiert: Was könnte das denn sein? Was steckt dahinter? Gerade Eltern werden sich vielleicht fragen: Hmm, was machen die Kids da? Gerade, wenn diese auch noch anfangen, auf Conventions wie die "RingCon" zum Thema "Herr der Ringe" zu fahren, wo das Wochenende 180 Euro kostet und die Kids die ganze Nacht mit irgendwelchen Filmstars rumhängen. Da will man vielleicht auch ein bisschen Hintergrundwissen zur Fantasy haben. Deshalb richtet sich das Buch nicht nur an Studenten oder das akademische Milieu, sondern an jeden Interessierten.

Sie sagten gerade, Fantasy sei sehr alt. Wie alt genau?

Das kommt darauf an, was für eine Definition Sie anlegen. Da gibt es 30, 40 verschiedene. Die meisten stimmen darin überein, dass es sich bei Fantasy zumindest auch um Geschichten handeln muss. Also um Erzählungen, die bewusst erfunden werden. Und nach dieser Definition ist das Genre nicht so alt, etwas mehr als 100 Jahre. Es hat natürlich Wurzeln, die zurückgehen bis zu den Lagerfeuern der Steinzeitmenschen. Auch damals werden die Leute sich schon Geschichten erzählt haben – auch mit Rückgriff auf Sachen, die jenseits der physischen Welt liegen, auf metaphysische Gehalte. Die Steinzeitmenschen werden über Götter gesprochen haben, über Halbgötter und Dämonen, vor denen sie sich fürchteten. Das sind natürlich typische Fantasy-Elemente. Aber ich würde sagen, es sind nur die Wurzeln. Denn diese Mythen sollten der Welt und dem Leben einen Sinn geben, und man kann den Sinn nur annehmen, wenn man die Geschichten in gewisser Weise glaubt. Und die meisten Fantasy-Definitionen gehen wie gesagt davon aus, dass Fantasy erfundene Geschichten sind.

Frank Weinreich über Mythen (45 Sek., 714 KB)

Wann entstand denn dann die erste "echte" Fantasy?

Es gibt Rittergeschichten aus dem Mittelalter mit phantastischen Elementen. Da ist es nicht ganz klar, ob das geglaubte Mythen sind oder nicht. Es ist sicherlich auch viel Welterklärung dabei. Klar erfundene Geschichten begegnen uns eigentlich erst im 18. Jahrhundert, oft verbunden mit dem Namen Horace Walpole und seinem Buch "Die Burg von Otranto" (1764). Es ist die erste Gothic Novel, eine Gespenstergeschichte. Warpole wird heute nicht direkt zur Fantasy gezählt, aber zu den Urvätern. Genau wie in der Folge Lord Byron und Mary Shelley. Die Schriften von William Morris sind die erste echte Fantasy laut Definition. Er hat Nacherzählungen von Rittergeschichten geschrieben, die phantastische Elemente enthalten. Das erste berühmt gewordene Fantasybuch ist Morris’ "Der Brunnen am Ende der Welt" aus dem Jahr 1896.

Wird es denn in Zukunft an Universitäten regelmäßig Seminare zur Fantasy geben, in denen dann Ihr Buch verwendet werden wird?

Ich hoffe natürlich, dass das Buch in Seminaren Verwendung finden wird. Jetzt im August ist es seit einem Jahr raus. Und, so viel Eitelkeit sei mir hoffentlich gestattet (lacht), ich googel natürlich auch danach, wo man das Buch finden kann. Es steht in sehr vielen öffentlichen Bibliotheken, auch in Universitätsbibliotheken. Und es ist mir als Literaturangabe für Seminare schon ein paarmal begegnet. Inwieweit es da genutzt wird, weiß ich nicht. Ich will jetzt als Autor nicht selbst etwas über die Qualität des Buches sagen. Aber fest steht: Ein Standardwerk zur Fantasy gibt es noch nicht. Im deutschsprachigen Bereich gibt es nur zwei allgemein die Fantasy abhandelnde Bücher: Zum einen "Fantasy. Theorie und Geschichte einer literarischen Gattung" von Helmut W. Pesch. Das Buch hat Helmut allerdings schon 1981 geschrieben, es war seine Dissertation. Und jetzt nach 27 Jahren ist mein Buch das nächste, das herausgekommen ist.

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Veröffentlicht: 30.07.2008
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