Keine Gesichter - keine Geschichte
Die Entscheidungen der Europäischen Union beeinflussen das tägliche Leben vieler Bürger beträchtlich - doch die EU erreicht selten die Köpfe der Menschen. Das liegt zum einen an einer oft negativen und unzureichenden Berichterstattung, aber auch an der fehlenden Bekanntheit der EU-Politiker. Denn: Keine Geschichte ohne Gesichter - Politik wird erst über Personen identifizierbar und interessant.
Brüssel. Ralf Walter redet sich in Rage. Der sozialdemokratische Abgeordnete des Europäischen Parlaments ist eigentlich ein besonnener Mensch, Pfälzer eben. Doch hört er den Vorwurf, die europäische Politik sei zu kompliziert und unübersichtlich, dann bricht es aus ihm heraus: "Was ist denn daran kompliziert?", fragt Walter scharf. Und weiter: "Erläutern Sie mir doch mal die konkurrierende Gesetzgebung von Bund und Ländern in Deutschland, dann wissen Sie was kompliziert ist. Europa ist auf keinen Fall zu komplex, um es journalistisch zu verarbeiten." Für Walter ist die EU nicht per se intransparent, es werden nur falsche Bilder in die nationale Öffentlichkeit transportiert: "Wir haben eindeutig ein Vermittlungsproblem."
Dabei ist die politische Bedeutung der Europäischen Union seit ihrer Gründung durch den Vertrag von Maastricht (1993) enorm gestiegen. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten haben ihre Souveränität kontinuierlich auf die supranationale Ebene der Gemeinschaft übertragen. Die Gesetze, Verordnungen und Richtlinien aus Brüssel wirken stärker auf das Leben der Menschen in Deutschland als die Politik in Berlin: "Über 70 Prozent der Entscheidungen auf europäischer Ebene werden von den nationalen Parlamenten nur noch umgesetzt. Trotzdem werden die nationalen Politiker in der Öffentlichkeit als die Initiatoren wahrgenommen", sagt Ralf Walter. Unabhängig von ihrem sinkenden Einfluss ständen die nationalen Regierungen im Fokus der medialen Berichterstattung – im Kampf um Schlagzeilen und Sendeminuten kommt Brüssel in der Regel zu kurz: "Es besteht eine große Kluft zwischen tatsächlicher politischer Wichtigkeit der EU-Politik und ihrer öffentlichen Wahrnehmung."
Diese öffentliche Wahrnehmung wird in Deutschland und den anderen Mitgliedsländern in erster Linie von den nationalen Massenmedien geprägt. Ihnen obliegt es über Ereignisse zu berichten, Hintergründe deutlich zu machen und Relevantes von Unwichtigem zu trennen. Stimmen Qualität und Quantität der Berichterstattung über die Europäische Union nicht mit deren tatsächlicher Bedeutung im politischen Prozess überein, so sind die Gründe für die Vermittlungsprobleme der EU auch bei den nationalen Medien zu suchen. Bleibt die Frage: Inwieweit trägt die EU-Berichterstattung deutscher Journalisten dazu bei, dass das Bild der Europäischen Union in der Heimat so verzerrt gesehen wird?
Brüsseler Elfenbeintürme
Diese Frage greifen deutsche Medien selten auf. Wird erörtert, warum die Beteiligung an der Europawahl niedrig ausfällt und warum die Europäische Union ihr schlechtes Image nicht ablegen kann, sind die Schuldigen schnell gefunden: Die Bürger sind schuld, da sie sich lieber kleingeistig in Nationalismus flüchten, ihnen das Verständnis von einer gemeinsamen "Europäischen Idee" fehlt und sie die Zusammenhänge der europäischen Politik nicht durchschauen. Und die Europäische Union ist schuld, da sie sich praktisch per se als ein kompliziertes Konstrukt gebärdet – ein für Normalsterbliche undurchdringbares Gestrüpp aus Institutionen und Ebenen.
Was Ralf Walter von dem Vorwurf einer zu komplizierten EU hält, ist eingangs erwähnt. Doch wie steht es um das Wissen der Bürger in Fragen der Europäischen Union? Fehlt es den Menschen – polemisch gefragt – am Ende gar an Intelligenz, um die EU zu verstehen? Ralf Walter lässt das nicht gelten: "Ich glaube, dass das Wissen rein intellektuell schon vorhanden ist. Allerdings ist die Konsequenz noch nicht im Bewusstsein der Bürger angekommen." Diese Konsequenzen für den Bürger aufzuzeigen und zu vermitteln, wäre auch Aufgabe der Medien. Doch wo liegen die Schwierigkeiten einer angemessenen EU-Berichterstattung?
"Die EU ist in deutschen Medien sicherlich unterrepräsentiert", sagt Ralf Walter. Das erzeuge auch eine falsche Vorstellung von ihrer Wichtigkeit. Dabei bemüht sich die Europäische Union, selbst ein umfangreiches Informationsangebot über ihre Arbeit zu liefern. Neben den zahlreichen Anlaufstellen für Journalisten möchte die EU aber auch den Normalbürger aus erster Hand informieren: Die meisten Dokumente sind auf der Seite des Europäischen Parlaments öffentlich einsehbar. Dazu trägt die Seite Europarl TV zahlreiche Debatten aus den europäischen Institutionen zusammen. In alle Sprachen übersetzt, kann man hier die Plenarsitzungen des Parlaments im Web-TV verfolgen oder Hintergrundberichte über aktuelle Themen ansehen. "Das Informationsangebot ist sehr groß", weiß Ralf Walter. Allerdings werde es nicht ausreichend in der Öffentlichkeit beworben: "Die bunten Bilderbroschüren über die EU sind doch einfach nur ineffektiv."
Viele der zuständigen Journalisten, die Korrespondenten in Brüssel und die Redakteure der Heimatredaktionen schieben den "Schwarzen Peter" weiter: EU-Themen seien oft sperrig, aufwändig zu visualisieren und daher nur schwer an die Heimatredaktionen zu verkaufen, klagen viele EU-Korrespondenten laut einer Studie des Projekts Adequate Information Management in Europe (AIM). Aus den EU-Institutionen dringen kaum interne Konflikte und Kontroversen heraus, die weichgespülten Medieninformationen bieten wenige Ansatzpunkte für eine interessante Geschichte: "Gerade das macht die Kommission zu einer langweiligen Institution. Schließlich sind Kontroversen und Konflikte ein wichtiger Anreiz für Leser und Zuschauer", erklärt Gerd Kopper, Professor emeritus am Dortmunder Institut für Journalistik. Nach der AIM-Studie sind die Journalisten in Brüssel darüber hinaus einem regelrechten "Information Overload" ausgesetzt, die Pressetexte seien in einem nur für Experten und Eingeweihte verständlichen "EU-Jargon" verfasst und überhaupt könne man die komplexen und langwierigen politischen Prozesse der EU kaum dem Publikum vermitteln. Nachrichten aus Washington, Bagdad und Moskau treten in einen Konkurrenzkampf mit den Berichten aus Brüssel. Ein französicher EU-Korrespondent hat seine Strategie angepasst, um EU-Themen in der Heimat zu platzieren: "Ich verschweige komplizierte Aspekte und erzähle ihnen eine Geschichte."
Spezielle Seiten oder Sendeplätze halten nach der AIM-Studie "Regionalzeitungen zeigen kaum Interesse an der EU" nur die großen nationalen Zeitungen und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bereit. Diese Kritikpunkte spiegeln sich auch in der EU-Berichterstattung wider: In Deutschland nehmen EU-Themen nur einen kleinen Teil der politischen Berichterstattung ein, wobei die überregionalen Qualitätszeitungen wie SZ und FAZ noch den größten Anteil haben. Die Hälfte aller Beiträge wird darüber hinaus in der Heimatredaktion verfasst, oft ohne direkten Draht nach Brüssel. Nur etwa jeder siebte Beitrag stammt aus der Feder eines Korrespondeten. Die meisten kleineren Regionalzeitungen können sich ohnehin keinen eigenen Korrespondenten in Brüssel leisten, der exklusiv für sie berichtet. Lieber unterhält man zusammen mit anderen Zeitungshäusern einen einzigen Reporter vor Ort, der dann für alle Mitglieder des "Pools" berichtet – meist einheitlich und ohne einen spezifischen regionalen Bezug. Dadurch verlieren viele EU-Themen ihre zwei wichtigsten Nachrichtenfaktoren: Nähe und Betroffenheit. Dem Leser oder Zuschauer wird nicht klar, wie persönlich er durch manche EU-Entscheidung betroffen ist. Das verbreitete Vorurteil von den Europapolitikern in ihren Brüsseler Elfenbeintürmen, die losgelöst von den Bedürfnissen der europäischen Bürger agieren, hält sich hartnäckig.
Das AIM-Projekt kommt in einer weiteren Studie über die Probleme der EU-Kommunikation zu einem ernüchternden Fazit: "Wenn in europäischen Medien über die Europäische Union berichtet wird, dann vor allem in überregionalen Zeitungen. Insbesondere in regionalen Tageszeitungen – die zusammengenommen in Deutschland die meisten Leser haben – und im Privatfernsehen spielt die EU weiterhin nur eine Nebenrolle – trotz wachsendem Einfluss der Institutionen in Brüssel. Den Redaktionen fehlt es an Personal und Wissen für die EU-Berichterstattung."
Wenn Straßburg zu "Strapsburg" wird
Die deutsche Berichterstattung über die Europäische Union ist also nicht umfangreich genug, um die Wichtigkeit der Brüsseler Politik in die Öffentlichkeit zu transportieren. Doch wie steht es um die Qualität, mit der EU-Themen journalistisch umgesetzt werden?
Julia Lönnendonker vom Dortmunder Institut für Journalistik kommt im Journalistik Journal zu einem harten Urteil: "In der Tat ist die EU-Berichterstattung oftmals nur punktuell, lückenhaft, wenig hintergründig und außerdem fremdbestimmt durch den Terminkalender der Brüsseler Institutionen." Ein Grund für die oft "unzureichende und negative" Berichterstattung über die Europäische Union sei oft "unzureichendes Wissen in den Heimatredaktionen und daraus resultierend mangelndes Bewusstsein für die Bedeutung von EU-Themen."
Auch der europäische Abgeordnete Ralf Walter spart nicht mit Kritik an den Medien: "Die seriöse Sacharbeit wird von Journalisten kaum wahrgenommen. Nur die abstrusen Themen der EU-Politik finden ein mediales Echo." Themen wie die "Bananen-Richtlinie" oder der Skandal um Straßburg – als der Sitz des Europäischen Parlaments medial zu Strapsburg mutierte, da die hohe Dichte von Bordellen und Prostituierten als Reaktion auf die Bedürfnisse lüsterner EU-Abgeordneter interpretiert wurde – hätten einen starken Widerhall in Zeitung, Fernsehen und Radio erfahren. Das Problem der "Skandalisierung" würde durch das Verhalten einiger Abgeordneter jedoch noch verstärkt. Viele versuchten die Skandale für ihre eigene Popularität zu nutzen und mit einer Wortmeldung öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen: "Für jedes noch so kleine Ei, was noch nicht gelegt ist, wird laut gegackert", ärgert sich Ralf Walter: "Dann wird immer wieder Privates nach außen gekehrt. Die Menschen lesen eben gerne Konfliktträchtiges oder Persönliches. Davon bietet unser oft knochentrockener Job nur nicht allzu viel."
Die Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl 2009 hat etwas geschafft, was den meisten EU-Abgeordneten verwehrt bleibt: Sie ist bekannt. Vielen Wählern war das Wahlplakat-Lächeln der gebürtigen Wuppertalerin sympathisch – man behielt sie in Erinnerung. Dafür sorgte Koch-Mehrin auch selbst: Die 39-Jährige tingelte durch die Talkshows, machte Wahlkampf, besitzt eine umfangreiche Homepage und meldete sich in vielen öffentlichen Debatten zu Wort. Einige Abgeordnete sehen den Medienrummel um ihre Person kritisch – Koch-Mehrin vernachlässige ihre Arbeit in Brüssel, um sich medial zu inszenieren: "Tatsache ist, dass Frau Koch-Mehrin im Europaparlament mit Abwesenheit und Arbeitsscheu glänzt", kritisierte der Vorsitzende der CDU/CSU-Abgeordneten im Europaparlament, Werner Langen.
Viele Leser empfinden die EU-Themen als ebenso trocken. Oft erregt eine EU-Gesetzesvorlage kurz die Gemüter, bis zur Verabschiedung vergehen dann oft Jahre. Kaum ein Medium macht sich die Mühe, diesen komplizierten Prozess dauerhaft zu begleiten – die Masse an neuen Informationen und Entwicklungen lässt den Korrespondenten oft keine Zeit, sich in ein Thema einzuarbeiten. Steht besagtes Thema dann wieder auf der politischen Agenda, sind viele Journalisten mit einer sachgerechten Einordnung überfordert: "Für eine angemessene Berichterstattung sind gute Kenntnisse über den Sachverhalt notwenig", sagt Ralf Walter: "Journalisten sind leider oft nicht gut in die Themen eingearbeitet." Der SPD-Abgeordnete äußert jedoch auch Verständnis für die Nöte der Korrespondenten und die Probleme der Heimatredaktionen mit den oft sperrigen EU-Themen: "Ein lokaler Bezug lässt sich eben selten herstellen."
Und ganz wichtig: "Viele Menschen kennen die Protagonisten gar nicht." Walter geht in diesem Punkt sogar noch weiter: Im Konkurrenzkampf um Schlagzeilen und Sendeminuten seien "die nationalen Poltiker durch ihren höheren Bekanntheitsgrad strukturell im Vorteil" gegenüber ihren Kollegen auf europäischer Ebene. Im Klartext: Hetzt Roland Koch in Hessen gegen Ausländer, streiten Steinbrück und zu Guttenberg über die Frage einer Opel-Insolvenz oder hat Horst Seehofer eine Geliebte, ist ihnen die mediale Aufmerksamkeit sicher. Egal wie nichtig der Anlass, wie gestellt der Streit oder wie gespielt die Empörung bei näherer Betrachtung auch sein mögen – in der politischen Arena bekommt eine Bühne, wer sich inszeniert und wessen Gesicht die Leute kennen.
Politik wird erst durch Personen identifizierbar
An diesem Punkt wird ein Hauptproblem der EU-Berichterstattung deutlich: "Politik identifiziert sich immer über Personen", betont Ralf Walter. Man müsse Gesichter mit der Politik verbinden, erst dann werde sie interessant. Doch die EU-Politik lässt sich nur schwer personalisieren, weil die verantwortlichen Personen der breiten Masse oft unbekannt bleiben. Den Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso kennen vielleicht noch die meisten. Javier Solana, EU-Generalsekretär und Hoher Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), ist auch manchen ein Begriff. Beim deutschen Kommissar Günther Verheugen und EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering wird es schon schwieriger. Und dann? Dann kommt lange nichts.
Julia Lönnendonker führt die Missstände auch auf Fehler in der journalistischen Ausbildung zurück: "Obwohl Journalisten natürlich nicht allein das Kommunikationsproblem der EU verantworten, deutet das fehlende Bewusstsein für EU-Themen bei Journalisten auf Ausbildungsdefizite hin. Dies ist ganz besonders dramatisch, wenn man sich die außerordentliche Komplexität der EU-Institutionen, ihrer Entscheidungsprozesse und Informationsangebote vor Augen hält."
Liegt das an fehlenden Charakterköpfen in der EU-Politik? Ralf Walter wird wütend: "Ich kann ihnen Kollegen von mir zeigen, die haben Charakter für drei." Trotzdem erkennt auch er die Probleme der fehlenden Personalisierung europäischer Politik: "Viele Bürger kennen nicht einmal ihren eigenen Europaabgeordneten", sagt Ralf Walter. Keine Gesichter – keine Geschichte. Brüssel ist für viele Deutsche weit weg, Berlin ist ihnen näher. Vertraute Gesichter, verantwortliche Personen, bekannte Charaktere, die Gewissheit, wenigstens den ungefähren Standpunkt eines Politikers zu kennen – all das schafft Nähe. Volksnähe sogar. Doch wie soll ein Brüsseler Abgeordneter sich in seinem Wahlkreis angemessen präsentieren? Wie den Bürgern erklären, dass seine Arbeit einen entscheidenden Einfluss auf ihr tägliches Leben hat, wo man ihn doch so wenig spürt? "Ich bekomme oft die Frage gestellt: Was bringt Ihre Arbeit für Rheinland-Pfalz?", erzählt der pfälzische Abgeordnete. "Dann kann ich auf landwirtschaftliche Förderungsprogramme verweisen oder auf unsere Industriepolitik unter Berücksichtung von Umweltstandards, die den Menschen in der Region nützt." Alles wichtige Themen, aber viele Wähler erreicht man damit nicht – wie die niedrige Beteiligung bei der vergangenen Europawahl zeigte. "Europäische Politik kommt noch nicht in den Köpfen der Menschen an", sagt Walter. Dabei sei das Vermittlungsproblem nicht bei den einzelnen Journalisten, "sondern in den Köpfen der Chefredakteure" zu suchen: "Europa wird immer wichtiger – davor kann man den Blick nicht verschließen." Und er betont, dass er damit nichts Unmögliches fordere: "Europa ist auf keinen Fall zu komplex, um es journalistisch zu verarbeiten."
Unbemerkt, unbekannt und unverstanden
Komplexität. Das ist der Grund für das Vermittlungsproblem von EU-Politik. Zwei Parteien wirken aufeinander ein: Auf der einen Seite die Europäische Union als zentraler politischer Akteur, dessen Bedeutung für seine Mitgliedstaaten in keinem Verhälnis zu Umfang und Qualität der Berichterstattung in den nationalen Medien steht. Auf der anderen Seite die nationalen Medien, die um Quote und Auflage konkurrieren und die bei der Berichterstattung aus Brüssel auf viele Probleme stoßen.
Durch ihr Mehrebenensystem und die zahlreichen Institutionen wirkt die Union schnell unübersichtlich. Journalisten, denen es oft an detaillierten Kenntnissen über die EU fehlt, fällt es teilweise schwer, Nachrichten aus Brüssel angemessen zu beurteilen. Obwohl die Informationen im Überfluss vorhanden sind, können die Journalisten sie kaum einordnen. Da ihnen so gleichsam die Machete fehlt, um das institutionelle Dickicht zu durchtrennen, kommt ihr Unwissen ungefiltert beim Leser und Zuschauer an. So ensteht das Vorurteil einer intransparenten EU, was wiederem dazu führt, dass sich zahlreiche Bürger enttäuscht und desinteressiert abwenden - das Ergebnis schlug sich in der Beteilung bei der Europawahl 2009 nieder.
Was die Leser nicht lesen und die Zuschauer nicht sehen wollen, das taugt nicht zur Schlagzeile und läuft nicht zur besten Sendezeit. So finden EU-Themen selten ein mediales Echo. Die Politik der Union bleibt unbemerkt – abgesehen von einigen Aufregern und Skandalen - und oft auch unverstanden. Ihre Initiatoren, die EU-Politiker, bleiben in den meisten Fällen unbekannt. Ein großes Problem, denn Politik lässt sich fast ausschließlich über Personen verkaufen. So machen viele Medien lieber einen nichtigen Streit nationaler Politiker zum Aufmacher, anstatt an gleicher Stelle über eine wichtige EU-Entscheidung zu berichten, mit der sich kein bekanntes Gesicht verbinden und somit auch keine spanndende Geschichte erzählen lässt...
Dieses Szenario läuft immer auf das selbe hinaus: Die Defizite der EU-Berichterstattung, seien sie journalistischer Natur oder im Wesen der Union angelegt, greifen ineinander, wirken selbstreferenziell, potenzieren sich und führen schlussendlich dazu, dass keine der beiden Seiten mit dem Status quo zufrieden sein kann.
Hydra ohne Köpfe - Ein Kommentar zur Europawahl
Europawahlen: Wen interessiert's?
"EU-Korrespondenten werden nicht ernst genommen" – Interview mit Prof. Roland Schröder vom AIM-Projekt
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Externe Links
Die große Unbekannte - Journalisten wissen nur wenig über die EU – Julia Lönnendonker im Journalistik Journal
Warum vesteht niemand die EU? – Tagesschau-Interview mit dem Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren
Text: Janis Brinkmann
Teaserbild: flickr.com/Werner Schnell Images
Bilder: flickr.com/Werner Schnell Images; flickr.com/nylance_ch; flickr.com/European Parliament





