Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Karl, 25 Jahre, Priester Drefan

Betreuer in einer Rehaklinik

Spielt seit:

2 Tage nach Release, 13. Februar 2005.

Spielzeit: 194 Tage mit dem Priester

Wie viel spielst du?

Priester sind vielseitige Heiler, die mit ihrer heiligen Magie ganze Gruppen am Leben halten können. Durch Schattenzauber können sie das Mana ihrer Gruppenmitglieder erneuern.

Jetzt wo das Addon raus gekommen ist habe ich extrem viel gezockt. Ich bin Instanzen gelaufen wie ein Verrückter. In den vergangenen zwei Wochen hab ich wohl nicht unter 12 Stunden am Tag gespielt, 14 wenn ich am Wochenende frei hatte. Aber normal war das nicht. Eigentlich spiele ich eher so eine Stunde am Tag, ein bisschen PVP, ein bisschen mit den Leuten reden. Bei mir verfliegt die Lust immer wieder ziemlich schnell.

Warum hast du damals mit dem Spiel angefangen?

Ich hab eigentlich schon immer alle Blizard Spiele gezockt. Warcraft, Diablo, Starcraft. Irgendwann gab’s dann bei uns in der Gegend DSL, also hab ich online gespielt. Und da hab ich dann gehört dass es ein Rollenspiel geben soll, auf Warcraft Basis, so wie Ultima Online, das war damals noch neu. Und da hab ich mir dann gleich einen neuen PC gekauft und mich wirklich drauf gefreut. Ich hab keine Sekunde daran gedacht in ein anderes Spiel einzusteigen. WoW allein verschlingt schon ziemlich viel Zeit, und da ist mir das wahre Leben dann doch noch wichtiger.

WoW ist...?

Eine gute Möglichkeit um sozialen Kontakten nachzugehen ohne das Haus verlassen zu müsse *lacht* Ein Hobby, so wie andere Leute bowlen gehen oder in irgendwelchen Fußballmannschaften sind. Alle sozialen Aktivitäten dienen ja eigentlich demselben Zweck, mit Leuten in Kontakt zu kommen, egal ob ich jetzt in die Disko gehe oder WoW spiele.

Was motiviert dich, zu raiden?

Die Herausforderung, die Bosse zu schaffen. Es gibt natürlich auch diesen Sammeltrieb, diesen Ansporn sein Gear zu verbessern. Aber ich wollte eigentlich immer sehen wie die Geschichte weitergeht. Natürlich ist es auch nett mit einer großen Gruppe was zu erreichen. Dieses Erfolgsgefühl, diese E-Fame-Komponente ist schon nicht unwesentlich. Es ist schon cool mit einem Titel herumzulaufen von dem du weißt "Den haben die andern alle nicht". Ich muss mich nicht über WoW profilieren, aber mir ist es schon wichtig, im Spiel jemand zu sein den man kennt.

Wie wichtig sind die anderen Spieler für dich?

Es gibt ein paar Leute, mit denen ich eigentlich immer spiele. Die könnten auch im "wahren Leben" gute Kumpel von mir sein. In der Gilde gibt’s ein paar Leute die ich respektiere weil sie dieses Miteinander schaffen, weil sie etwas für die Gilde tun. Oder die sich geistig einfach abheben von der Masse. Es gibt immer Leute die mag man, und Leute mit denen spielt man halt, obwohl man sich nicht auf sie einlassen will. Sie gehören halt zum Raid, das ist wie ein Arbeitsverhältnis. Seit ich die Gildenleitung übernommen habe, hat sich mein Spielleben auch deutlich verändert. Ich schaue auf der Arbeit ins Forum, mach mit Gedanken, das ist ein ziemlicher zeitlicher Aufwand.

Welchen Stellenwert hat das Spiel in deinem Leben?

Abgesehen von meiner Freundin die das mitgekriegt hat, dass ich da jetzt diesen Posten hab weiß das eigentlich keiner. Einem Arbeitskollegen hab ich es erzählt, aber der spielt selber auch. Mit spielfremden Leuten rede ich eigentlich nicht über dieses Thema. Ich will auch nicht, dass irgendwelche Leute wissen, dass ich teilweise 12 Stunden vor dem PC hänge, das wäre mir dann doch eine Spur zu peinlich. In meinem echten Leben spielt es also kaum eine Rolle. Im Spiel ist es allerdings schon eine ziemliche Verantwortung. Ich hab diese Gilde mit aufgebaut und schon viel Energie und Herzblut rein gesteckt. Und wenn es um wichtige Entscheidungen geht, dann beschäftigt mich das schon auch außerhalb des Spiels.

Wie gehen deine Freundin und Familie mit dem Spiel um?

Meine Freundin hat es akzeptiert. Die musste jetzt zum Addon-Release schon sehr zurückstecken. Aber des relativiert sich ja immer mit der Zeit. Ich hab eigentlich immer schnell wieder den Stecker gezogen und gesagt "Das wird mir jetzt zu viel", weil es auch ihr dann zu viel geworden ist. Da stecke ich lieber von selbst zurück. Wenn ich mich aber zu einem Raid angemeldet habe und weiß, der kommt ohne mich nicht zu Stande, dann vertröste ich auch schon mal Freunde die mich spontan anrufen. Aber wenn es klar ist das was ansteht dann melde ich mich natürlich auch einfach ab.

Ohne das Spiel würde ich/hätte ich...?

Ohne WoW würde ich vermutlich einfach mehr Fernsehen. Dabei habe ich nicht mal einen Fernseher.

Was wäre ein Grund, aufzuhören?

Wenn sich mein Leben jetzt so verändern würde, dass ich für das Spiel einfach keine Zeit mehr hätte, dann würde ich natürlich aufhören. Aber ich hab mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Es gibt Leute, die hören auf und löschen ihren Charakter weil es ihnen einfach zu viel wird, weil sie nicht anders loskommen. Mir fällt es eigentlich ziemlich leicht mich vom Spiel zu distanzieren wenn es mir zu viel wird.

Das Interview wurde am Freitag, den 12. Dezember 2008, per Teamspeak aufgezeichnet.

Veröffentlicht: 12.01.2009
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