Tagung
Kampf mit Happy End
Hipper Blogger versus Chefetage: Zum Abschluss des 18. Forums Lokaljournalismus ging es heiß her. Lobo verlangte größeres Engagement der Tageszeitungen im Netz und mehr Freiräume für die Kreativität der Mitarbeiter. Dass die Lokalchefs immer wieder auf die schwierigen Finanzen verwiesen, wollte der Berliner Lobo nicht durchgehen lassen. Dennoch hisste er schließlich die weiße Fahne.
Dortmund. Lobo schwenkt die weiße Fahne. "Wir müssen die Begeisterung von Zeitungen und Bloggern für eine bestimmte Region zusammenführen", reichte der Online-Experte Sascha Lobo verbal die schlichtende Hand. Sein "Friedensangebot" richtet sich offensichtlich an die Chefredakteure der Lokalzeitungen. Mit zwei von ihnen - Michael Reinhard (Main-Post) und Malte Hinz (Westfälische Rundschau) - hatte er sich zuvor ein erhitztes Wortgefecht geliefert. Beim 18. Forum Lokaljournalismus diskutierten Lobo, Hinz und Reinhard gemeinsam mit Klaus Meier, Professor am Dortmunder Institut für Journalistik, Stephan A. Weichert, Professor an der Berliner Hochschule für Medien und Kommunikation und dem Medienwissenschaftler Horst Röper die Zukunft der Lokalzeitungen.
Dass ausgerechnet Sascha Lobo dem Publikum der bewegten Podiumsdiskussion zum Thema "Lokalzeitung 2020 - Leitmedium oder Auslaufmodell?" am Ende "doch noch Konsens zumuten" würde, hatte wohl niemand erwartet. Schließlich stellt der hippe Berliner als einer der bekanntesten Blogger und Twitterer Deutschlands die Lokalzeitung als Leitmedium durch seinen eigenen Erfolg infrage. Doch er habe den Veränderungswillen innerhalb vieler Printmedien erkannt. "Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan und davon bin ich positiv überrascht", erklärt Lobo seinen Schmusekurs trotz anfänglicher Fausthiebe.
Was wir brauchen? Verleger im Netz!
Dass der Aufholprozess in vielen Printhäusern dennoch schleichend verläuft, erklärte mancher Chefredakteur damit, dass man Rücksicht auf ältere Redakteure nehmen müsse, die ihr Leben lang nur Zeitung gemacht hätten: "Wenn wir lauter Lobos in unserer Redaktion sitzen hätten, sähe das sicher anders aus." Diese Erklärung wollte Lobo jedoch nicht durchgehen lassen. "Leute, die nach vorne gehen wollen, werden in vielen Redaktionen nicht ausreichend unterstützt, weil es in jedem Büro Leute gibt, die gar keine Lust auf Neuerungen haben. Daher ist die Frage ‚Kann ich das lernen?’ gar keine Frage des Alters", konterte Lobo.
Auch das Argument der Rentabilität ließ der Berliner Blogger nicht gelten. Zwar wisse noch niemand, wie Zeitungen mit ihren Online-Angeboten Geld verdienen könnten, doch "die Frage der Ökonomie blockiert in gewisser Weise auch den Innovationswillen", so Lobo. Seine Forderung: "Es fehlt mir ein Verleger im Netz. Im Print wird es als gegeben gesehen, dass sich jemand um die Frage kümmert: 'Rentiert sich das in zehn Jahren?'. Das vermisse ich Online."
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Text: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis
Foto: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis

