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Netzwerk-Check

Kampf der Giganten

Mit dem offiziellen Start von Google+ ist der Kampf um die Userzahlen mit Marktführer Facebook nun endgültig eröffnet. Googles neues Social Network wird schon länger als heißer Konkurrent für Mark Zuckerbergs Plattform gehandelt. Aber hat Google ernsthaft Chancen gegen das Netzwerk, bei dem ohnehin schon jeder ist? Ein erstes Fazit nach dem Ende der Beta-Phase.

Facebook kann als beliebtestes Netzwerk der Deutschen seit seinem Start im Februar 2004 mittlerweile rund 750 Millionen aktive Nutzer weltweit verbuchen. Zu Google+ gibt es bisher keine offiziellen Nutzerzahlen, in Presse und Blogs ist momentan aber oft von Größenordnungen um die 20 Millionen die Rede.

Konkurrenz für Facebook: Google+

Fest steht jedenfalls: Wenn Google+ mit seinem Konkurrenten Facebook auf Dauer mithalten will, wird es wohl in ziemlich große Fußstapfen treten müssen. In der fast dreimonatigen Beta-Phase, die am 28. Juni 2011 begann, testete und bearbeitete Google+ im begrenzten Nutzerkreis bereits alle Funktionen der Seite. Das Ergebnis am Ende: Die Ähnlichkeit mit Facebook lässt sich nicht leugnen, wer genauer hinsieht, erkennt jedoch, dass Google an vielen Stellen wesentlich plattformenübergreifender denkt als die Konkurrenz.

Plus eins

Wer Google auch als Suchmaschine nutzt, dem düfte seit Ende Juni bereits aufgefallen sein, dass hier ein kleiner bunter Button namens "+1" Einzug erhalten hat. Ist das Design von Google+ ansonsten sehr schlicht und minimalistisch, sticht dieser Button jedoch sofort ins Auge.

Mit +1 die Lieblingsseiten im Netz markieren.

+1 ist eine erweiterte Version der "Like"-Funktion von Facebook. So können bei Google+ die Beiträge und auch Internetseiten gekennzeichnet werden, die einem besonders gut gefallen. Dank der Implementierung von +1 direkt in der Suchmaschiene Google entfällt das lästige Suchen nach dem Button auf der Website selbst. Suchen Freunde mithilfe von Google nach einer der markierten Seiten, wird ihnen unter den Suchergebnissen direkt angezeigt, wer dafür sein +1 gegeben hat.

Circles

Ähnlich wie bei Facebook gibt es auch bei Google+ einen Stream, über den man seine Freunde stets auf dem Laufenden halten kann. Das Schöne daran: Auch wen man über seine momentanen Aktivitäten informieren will, kann man sich bei Google aussuchen. Hier kommt nämlich die größte Neuerung im Vergleich zu Facebook ins Spiel: die viel umjubelten "Circles".

Freunde in Circles einordnen

Bei Google+ kann man nicht nur Freunde um sich scharen, man kann sie auch in Gruppen einteilen, für die man sehr differenzierte Einstellungen festlegen kann. So kann man bei jeder Nachricht, die man über den Stream verbreitet, ganz genau aussuchen, welche Personen oder Circles sie lesen dürfen. In der Praxis ein durchaus hilfreiches Feature, denn seien wir mal ehrlich: Wer will schon ernsthaft seine Urlaubspläne oder seinen Beziehungsstress mit dem Chef oder entfernten Bekannten teilen?

Was im Übrigen im Gegensatz zu Facebook auch möglich ist: E-Mail-Kontakte zu seinen Circles hinzufügen, auch wenn diese selbst nicht bei Google+ sind. Die können dann natürlich nichts posten, man selbst kann aber seine Neuigkeiten direkt via E-Mail mit ihnen teilen.

Video- und Sprachchat

Auch in Sachen Chat denkt Google globaler als Facebook: Google+ verwendet nämlich den gleichen Chat, der auch auf anderen Google-Plattformen wie iGoogle oder GoogleMail implementiert ist. So kann man nicht nur mit seinen Bekanntschaften bei Google+ chatten, sondern auch mit allen anderen Freunden, die ein Google-Konto in irgendeiner Form besitzen. Während Facebook immer noch an seinem Chat bastelt und jüngst seinen Videochat vorgestellt hat, hat Google diese Funktionen bereits eingebunden. Video- und Sprachchat sind über die sogenannten "Hangouts" mit bis zu zehn Personen verfügbar. Die Qualität der Videokonferenz kann allerdings bis zuletzt noch nicht ganz überzeugen. Die Verbindung ist häufig relativ schlecht und man sieht sein Gegenüber sich nur ruckartig bewegen.

Datenschutz

In puncto Datenschutz haben sich sowohl Facebook als auch Google in den letzten Jahren kein sonderlich gutes Image aufgebaut. Während Facebook als Alptraum aller Datenschützer gehandelt wird, hat Google in der Presse häufig den uncharmanten Beinamen "Datenkrake" bekommen. Facebook verdankt seinen schlechten Ruf in Hinsicht auf seine Datenpolitik vor allem den komplizierten und wenig durchsichtigen Privatsphäre-Einstellungen der Seite, Google machte sich in der Vergangenheit vor allem durch Tools wie "Google Analytics" unbeliebt, die das Surfverhalten von Nutzern haarklein aufzeichnen.

Schaut man sich die Datenschutzbestimmungen von Google+ an, wird schnell klar, dass das Projekt nun die Möglichkeit für den Konzern sein soll, sich von seinem ungeliebten Image zu trennen und außerdem noch der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Inwieweit dieser Plan tatsächlich aufgeht, lässt sich momentan aber nur schwer sagen.

Nicht alles mit jedem teilen bei Google+.

Fakt ist: Durch das Einbinden der Circles können Nutzer bei Google+ ihre Datenströme besser kontrollieren. Auch funktionieren die Privatsphäre-Einstellungen der Plattform deutlich intuitiver als etwa bei Facebook. So kann man für jede Angabe, die man über sich selbst auf der Seite macht, wie beispielsweise Beruf, Wohnort oder Interessen, direkt festlegen, für welche Personen sie sichtbar sein soll. Andererseits wird von Kritikern oft angeführt, dass einem auf Google+ ähnlich wie bei Twitter jeder folgen kann, ohne dass man es erlauben oder unterbinden könnte. Bei Facebook dagegen beruht das Kontaktsystem auf der gegenseitigen Bestätigung, dass man jemanden kennt und mit ihm befreundet sein möchte.

Auch die Experten sind sich in diesem Punkt uneinig. Einige, wie Rebecca Jeschke von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation, loben Google+ :"Google+ sichert den Datenschutz der Nutzer viel besser als manch anderes Angebot." Andere dagegen betrachten das Thema nach wie vor kritisch: "Google+ schneidet nur besser ab als etwa Facebook, weil die Konkurrenz in dieser Hinsicht so katastrophal ist", sagt Chris Soghoian, Doktorand am Center for Applied Cybersecurity Research an der Indiana University im Gespräch mit dem stern.

Zugeständnisse von der Konkurrenz

Auch wenn Google und Facebook sich einmal mehr als Konkurrenten auf dem Markt gegenüberstehen, ganz so spurlos ist das neue Netzwerk auch an Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern nicht vorbeigegangen. Facebook hat bereits in Anlehnung an Google+ einige Zugeständnisse auf der eigenen Plattform gemacht. So passte Facebook etwa zwei Monate nach dem Start der Beta die Privatsphäreeinstellungen an und vereinfachte sie nach dem Modell von Google+. Die neueste Veränderung bei Facebook, die erst seit kurzem für die meisten User verfügbar ist, erlaubt nun auch, die Kontakte in Gruppen einzuordnen und selektiv Inhalte mit ihnen zu teilen, ähnlich wie in den Circles von Google. So zeigt sich: Zumindest Facebook nimmt Google+ als Konkurrenz ernst.

Prognose für die Zukunft

Nachdem Google+ nun offiziell an den Start gegangen ist, wird sich zeigen, ob es sich dauerhaft auf dem Markt der Social Networks etablieren kann. Google+ hat nach Einschätzung vieler Experten vor allem den Vorteil des ungemeinen Bekanntheitsgrades, über den die Marke Google an sich verfügt. Außerdem scheint Google+ offener und globaler angelegt zu sein als andere Netzwerke, wie die Beispiele Chat, Stream und +1 zeigen. Wo Facebook nach wie vor eher auf seine eigene Plattform beschränkt ist, macht sich Google die unzähligen anderen Produkte des Konzerns zu Nutze und verknüpft Google+ geschickt damit. Dem Fan-Blog "gpluseins" zufolge gibt es sogar bereits Erweiterungen für den googleeigenen Browser Chrome, die beispielsweise zusätzliche Funktionen für Google+ einbinden oder sogar Einfluss auf das Design des Portals nehmen. Außerdem rührt der Konzern seit dem offiziellen Start um einiges kräftiger die Werbetrommel, als noch zuvor. Auf der Seite der Google-Suchmaschine weißt nun ein dicker blauer Pfeil auf den Link zur neuen Plattform hin.

Klar ist: Google fährt derzeit alles auf, was es zu bieten hat, um Google+ zu vermarkten. Ob das Netzwerk wirklich Erfolg hat, darüber entscheiden am Ende aber wohl ohnehin alleine die User.

Veröffentlicht: 23.09.2011
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