"Jeder trägt zur Gemeinschaft bei"
Sie unterrichten "Muggelkunde", "Zauberschach" oder "Verteidigung gegen die Dunklen Künste", bewerten die Hausaufgaben und verteilen Hauspunkte: Ohne die vielen Lehrer, die sich jedes Schuljahr erneut Lektionen und Hausaufgaben ausdenken und ins Internet stellen, würde das virtuelle Hogwarts gar nicht funktionieren. Kurz vor Schuljahresende sprach ich mit Prof. Rose Wallaby, meiner Lehrerin in "Harry Potter Allgemein" über ihre Arbeit im HP-FC, die Unterschiede zu einer normalen Schule und ihre wahre Identität.
Mareike Aden: Prof. Wallaby, vor einigen Wochen haben Sie mich gebeten, meine direkten Links zu gelösten Hausaufgaben aus meinen Texten zu entfernen. Wie haben Sie die überhaupt gefunden?
Rose Wallaby: Wie auf jeder anderen Schule wird auch im HP-FC gemogelt. Ich habe mir daher angewöhnt ab und zu im Internet zu schauen, ob jemand so "frech" war Lösungen zum Unterricht bereitzustellen. So bin ich auf Ihren Artikel gestoßen.
Was fasziniert Ihrer Meinung nach die Mitglieder und Schüler am HP-FC? Da wird ja oft viel Zeit und Mühe für Aufgaben und Projekte aufgewandt – und offensichtlich auch geschummelt.
Am Anfang steht natürlich immer die Begeisterung für die Harry Potter-Bücher. Dieses Interesse wird sehr schnell durch die starke Community ergänzt. Ich empfinde die meisten Schüler und Mitarbeiter als sehr offen, herzlich und geduldig. Erst danach kommt vermutlich das Punktefieber. Außerdem kann jeder Schüler frei wählen, welche Hausaufgaben er macht und an welchen Projekten er teilnimmt. Schüler, die besser zeichnen, können sich auf diese Aufgaben stürzen und beispielsweise die mathematischen auslassen. Der größte Unterschied zu einer normalen Schule ist jedoch, dass hier immer anerkannt wird, wenn man sich Mühe gegeben hat. Auch wenn nicht alles richtig war, hat man etwas zur Gemeinschaft beigetragen.
Sie unterrichten die Fächer "Muggelkunde" und "Harry Potter Allgemein". Warum sind Sie Lehrerin im HP-FC geworden?
Warum ich das gemacht habe, frage ich mich auch oft - besonders dann, wenn ich mit den Korrekturen kaum noch nachkomme. Aber im Ernst: Als ich mir das allererste Mal die Aufgaben im Fach "HP-Allgemein" ansah, gab es eine Hausaufgabe, in der man einen Aufsatz über die Tugenden und Platon schreiben musste. Mich hat es völlig fasziniert, dass sich Menschen zwischen zehn und 40 Jahren in Ihrer Freizeit damit auseinandersetzen. Wenn man Menschen auf der Straße fragen würde, ob sie das mal eben für ein paar imaginäre Punkte machen würden, stieße man wohl nur auf ein müdes Kopfschütteln. Das war es, was mich am Unterricht so begeisterte und davon wollte ich ein Teil sein.
Das Schuljahr ist nun bald zu Ende. Müssen Sie im nächsten Jahr neue Unterrichtsstunden online stellen?
Die Unterrichtsinhalte bleiben im Grundgerüst meist bestehen. Natürlich werden sie aktualisiert oder hier und da ergänzt, allerdings sollten die Hausaufgaben schon regelmäßig erneuert werden.
Gerade das Fach "HP Allgemein" wird von sehr vielen Schülern, zum Beispiel von Neulingen wie mir, belegt. Wie viel Zeit verbringen Sie durchschnittlich pro Woche mit Korrekturen?
Zu Beginn und gegen Ende des Schuljahrs kommen manchmal bis 20 Mails an einem Tag. Es kommt aber auch auf die Aufgabenstellungen an. Manche Hausaufgaben korrigiere ich in zehn Minuten. Aber neulich bekam ich eine Geschichte auf vier DIN A4-Seiten in Schriftgröße 12, das dauert dann natürlich bedeutend länger. Ich habe in diesem Schuljahr bis jetzt 420 Hausaufgaben korrigiert und habe noch etwa 80 im Postfach. In Zeit möchte ich das gar nicht umrechnen.
Im HP-FC sind Sie laut Profil eine Hexe und am 26.03.1922 geboren. Würden Sie mir verraten in welchem Jahr Sie tatsächlich geboren sind und was Sie im richtigen Leben arbeiten?
Das Geburtsjahr von Rose Wallaby ist dasselbe, wie das meiner Großmutter und irgendwie sind die Beiden sich auch sonst recht ähnlich. Ich bin 1972 geboren und habe Sozialwissenschaften studiert. Danach habe ich längere Zeit im sozialen Bereich gearbeitet und seit Anfang des Jahres meinen eigenen Secondhandladen für Kinder- und Jugendbücher eröffnet.
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