Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Sie sind hier:
Spezial > Schichtwechsel

Blog

ImPuls

"Macht der jetzt das Licht an?"

::Von Ulrike Sommerfeld

am 15.11.2009 um 19:47 Uhr

Am Wochenende besuchte mich mein dreijähriger Neffe mit seinen Eltern. Trotzdem das Wetter am Samstag ziemlich regnerisch war, machten wir einen kleinen Spaziergang durch das Kaiserviertel in Dortmund. Es wurde den ganzen Tag nicht wirklich hell, der Himmel war durch und durch dunkelgrau. Plötzlich blieb mein Neffe stehen, schaute den "Mann" an und sagte: "Macht der jetzt endlich mal das Licht an?!"

Die Kleingartenanlage in meinem Hinterhof

::Von Ulrike Sommerfeld

am 15.11.2009 um 19:33 Uhr

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die ihre Fenster zu zwei verschiedenen Seiten haben. Das ist vielleicht etwas altbacken (meine Großeltern sind auch ihrer Wohnung ausgezogen, weil sie nur zu einer Seite gucken konnten), aber irgendwie ist es doch nett, wenn man die Wahl hat. Meine Auswahl: Rüber gucken zum Mann vom Autocenter (der jetzt übrigens eine Dauerwelle hat und Atze Schröder ähnelt) oder runter uns Grüne gucken. In meinem Hinterhof ist nämlich eine Mini-Kleingartenanlage mit vier Parzellen. Diese sind umringt von Wohnhäusern. Schon irre wie man hier im Ruhrgebiet versucht, jedes freie Fleckchen als persönliche grüne Oase zu nutzen...

Das Revier der Gegensätze

::Von Katharina Bons

am 25.10.2009 um 11:04 Uhr

Industriehallen mit schickem Glasfußboden, Kunst im Kohlenschacht, Currywurst mit Champagner - dass im Ruhrgebiet Gegensätze aufeinander prallen und trotzdem stimmig nebeneinander existieren, ist zum Markenzeichen des Reviers geworden. Auch Marielis Langehenke und Manfred Glatzel bringen Gegensätze zusammen. Sie kreieren feinste Pralinen und versehen sie mit Motiven aus dem alten und dem neuen Kohlenpott. Das Konterfei eines Bergmannes, das Gasometer aus Oberhausen, die Dortmunder Oper und alte Industriehallen zieren die kleinen Köstlichkeiten aus dunkler und heller Schokolade. Im Februar 2008 eröffneten die gebürtige Dortmunderin und ihr Partner die Pralinerie in der Dortmunder Innenstadt. "Pott au Chocolat" haben sie ihr kleines Geschäft genannt. Den Förderturm haben sie als Erklärung ins Logo miteingebaut. Doch wenn die beiden an das Ruhrgebiet denken, haben sie eher moderne Wahrzeichen und Symbole im Kopf. Die umgestaltete Zeche Zollverein, die Jahrhunderthalle in Bochum und die Ruhrtrienale gehören für sie genauso zum Pott wie Kohle und Kumpels. Mit dem Ruhrgebiet sollte man es also am besten so halten, wie die beiden Schokoladenliebhaber es auf ihren Ruhrgebiets-Schokoladentafeln empfehlen: Schicht für Schicht neu entdecken ...

Sprachregeln im Pott II - Käffchen und watt zum Schlabbern

::Von Natalie Helka

am 15.10.2009 um 13:56 Uhr

Vor einiger Zeit war ich im Ruhrgebietsstädtchen Witten unterwegs, als ich an einer kleinen Kneipe mit dem Namen "Kulturschock" vorbeikam. Ich ging herein und sah eine lange Theke aus Holz, an der ein paar Männer saßen. Alles wirkte sehr gemütlich. An der Wand hingen viele schwarz-weiß Fotos, die an das Ruhrgebiet erinnerten und an der Garderobe wurde ich mit typischem Ruhrgebietscharme begrüßt: "Auffe Klamotten passte selbst auf", stand auf einer Tafel über der Garderobe - Heimat.

Der Gedanke kam mir auch beim Blick in die Speisekarte: Da gab es "Reibeplätzkes bisse platzt" und was "für Vatta sein Sohn". Ich musste schmunzeln, denn natürlich war die Ruhrpott-Sprache in der Karte überspitzt.

Doch obwohl ich niemanden in der Kneipe kannte und zum ersten Mal dort war, fühlte ich mich nicht fremd: Sprache verbindet…

Begegnungen bewegen

::Von Katharina Bons

am 21.09.2009 um 18:42 Uhr

100 Prozent authentisches Ruhrgebiet - mit diesem Prädikat könnte Rainer Müller für seine kleine Trinkhalle in Mülheim werben. Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben, Formalitäten wie Nachnamen haben hingegen keinen Platz, es wird viel gelacht, geraucht und offen gesprochen. Nur eine Ansicht des freundlichen Budenbesitzers verstört mich. Deutsche Kunden wären ihm lieber, erzählt er mir. Eine verstörrende, nicht nachvollziehbare Ansicht. Was an dem freundlichen Türken, der gerade höflich eine Flasche Cola gekauft hat, auszusetzen ist, erschließt sich nicht. Vielleicht ist es Angst vor dem Fremden, der falsche Vorwurf, dass der Mann mit den türkischen Wurzeln einem Deutschen die Arbeit wegnimmt, die gerade im Revier in vielen Stadtteilen knapp ist. Eine latente Ausländerfeindlichkeit begegnet einem auch im Ruhrgebiet, das als Schmelztiegel verschiedener Kulturen bekannt ist. Denn häufig verschmelzen die Kulturen nicht, sie leben nebeneinander her. Da spricht der Mann auf der Straße im Ruhrgebietsdialekt über Farbige als "Schwatte" und auch ein gerauntes "dass die dann auch noch ihre ganze Familie nachholen mussten" schnappt man immer wieder auf. Vorurteile gegen Menschen mit türkischen, polnischen oder anderen Wurzeln haben auch Deutsche aus der bürgerlichen Mitte. Anderseits bleiben einige Migranten auch in der dritten Generation lieber unter sich: Die viel beschriebenen und kommentierten Parallelgesellschaften gibt es auch zwischen Dortmund und Duisburg. Beheben kann man solche Anfeindungen und Vorurteile nur durch Begegnungen, Austausch. Zwischenmenschliche Erlebnisse bewirken viel, auch diese Szene ist hoffentlich nicht nur mir in Erinnerung geblieben: In einer Dortmunder U-Bahn-Station steht eine deutsche Seniorin verzweifelt vor dem Ticketautomaten. Ihr fehlen ein paar Cent, um eine Fahrkarte zu lösen. Wen spricht sie an, um Hilfe zu bekommen? Einen deutschen Herren im blauen Hemd. Doch er gibt ihr kein Geld. Eine dunkelhäutige Frau, zwei kleine Kinder an den Händen, verfolgt die Szene und gibt der Dame das fehlende Kleingeld. Einem verdutzten Gesichtsausdruck folgt ein freundliches Dankeschön.


< vorherige 1-5 6-10 11-14 nächste >


Weitere Einträge


WIR | Impressum