Kritik
"Ich bin ein Verfechter des kritischen Journalimus"
Die Digitalisierung ist angekommen. Auch in der Politik. Und so eröffnete der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) die öffentliche Tagung "Journalismus in einer digitalen Welt - Prognosen, Erwartungen, Fragen" mit einigen kritischen Worten zum Thema Journalismus.

- Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD)
Dortmund. Auch ich bin Zeitungsforscher - ich durchforste jeden Morgen die Zeitung und denke mir - wieder nüscht", sagte Sierau in Anspielung auf die teilweise sinkende Qualität von lokalen Printmedien. Zwar wisse er, dass das Internet die Welt und somit auch den Journalismus auf den Kopf gestellt habe: "Alles ist unglaublich schnell geworden. Was wir früher in einem Jahr gemacht haben, geht heute in einem Vierteljahr von statten." Dennoch betonte er: "Ich bin ein Verfechter von kritischem Journalismus. Wodurch Journalismus bedroht ist? - Teilweise durch sich selbst und durch das, was so als Journalismus bezeichnet wird."
Der SPD-Politiker erkannte zwar an, dass es - nicht allein aufgrund der wirtschaftlichen Lage - vielen Journalisten inzwischen auch an den entsprechenden Grundlagen mangele, um ausreichend zu recherchieren. Dennoch brauche es dringend "einen Journalismus, der ernst genommen wird von den Menschen" - unabhängig, verlässlich, kritisch und transparent müsse dieser sein. Er warnte in diesem Zusammenhang davor, alles schön zu reden: "Nicht jede Krise ist eine Chance, manche Krise ist auch eine Gefahr." Dieser Herausforderung gelte es sich zu stellen.
Politik und Transparenz im Netz
Dass sich viele Menschen ins Internet zurückziehen und dort ihre Informationen sammeln, diese Entwicklung hat Sierau bereits am eigenen Leib erfahren: "Die Jusos haben zum Beispiel verschiedene Podcasts für das Netz gedreht und mich an verschiedenen Orten interviewt. Das ist eine neue Form der Ansprache der Bürger und Bürgerinnen. Aber viele erreicht man anders gar nicht mehr." Der Oberbürger weiß, wie wichtig Transparenz und die eigene Präsenz im Internet geworden sind. Er selbst stellt sich den Fragen von Usern im Netz auf der Plattform agbeordnetenwatch.de und findet: "Alle Mitglieder im Stadtrat sollten dort in Zukunft vertreten sein."
Nichtsdestotrotz bevorzuge der Politiker den realen Kontakt mit Menschen. Denn: "Die digitale Welt ergänzt unsere bisherige Welt und ersetzt sie nicht." Genau das sei auch die Herausforderung für die Journalisten. "Sie müssen dafür sorgen, dass die digitale Welt die reale nicht ersetzt." Ein qualitativer Journalismus könne eine Art Wegweiser sein, "denn für den Nutzer wird es immer schwieriger, die wichtigen Informationen aus dieser Masse herauszufiltern und zu erkennen, was ist fake und was ist echt".
Text: Christin Otto
Foto: Thomas Kampmann, ART & carl funkel
