Harrys Welt
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"Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie an der Hogwarts-Schule für Zauberei und Hexerei aufgenommen worden sind." Durch einen Brief mit diesen Zeilen erfährt der junge Harry Potter in Band eins von seinen bis dahin unentdeckten magischen Fähigkeiten. Die gleichen Zeilen liest, wer sich auf den Seiten des größten, inoffiziellen Harry Potter-Fanclubs Europas dem Aufnahmetest fürs virtuelle Hogwarts stellt. Über 200.000 User aus aller Welt im Alter von sechs bis 60 Jahren gehen dort zur Schule – eine davon bin nun ich.
So ähnlich wie möglich soll das virtuelle Hogwarts der von der Britin Joanne K. Rowling geschaffenen Schule sein. An seinem ersten Tag wird jeder Neuling einem Haus zugeordnet – Gryffindore, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin – für das er fortan Punkte sammelt oder verliert. Wie im Buch gibt es auch im Internet zehn Schulfächer, darunter Wahrsagen, Käuterkunde oder Arithmantik. Auch Hausaufgaben und Versetzungstest gehören zum Schulalltag. Die Lehrer sind weder Zentauren, Riesen oder Zauberer mit langen weißen Bärten, sondern ganz normale Erwachsene, manche davon tatsächlich Lehrer oder fortgeschrittene Mitschüler. Sie sind also Muggel, wie die magisch nicht begabten Menschen von den Zauberern und Hexen genannt werden.
Ein Zauber umgeben von Links und Usern?

- Groß, mystisch, begehrt: die Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry.
Aber inwieweit lässt es sich wirklich eintauchen in Harrys Welt? Tröstet die virtuelle Schule darüber hinweg, dass man niemals im Dunkeln durch den Verbotenen Wald gleich neben dem Hogwarts-Schloss streifen kann, um dort Zentauren, Einhörnern oder seelenlose Dementoren aufzuspüren? Kann man sich damit abfinden, dass Botschaften digital versandt und nicht in den Klauen einer weißen Schleiereule herbeischweben? Mag sein, dass der Zauber umgeben von Links, User-Namen und Administrator-Nachrichten schnell verschwindet – oder aber er tritt ins eigene Leben ein und rettet das Harry Potter-Lebensgefühl in den Muggelalltag hinüber. Als Trost, wenn auch der neue Film vorbei und das letzte Buch gelesen ist.
An dieser Stelle berichte ich von nun über meine Erfahrungen als Hogwarts-Schülerin. Ich schildere den Eingangstest und die Hauszuweisung durch den alten braunen Schlapphut, werde verraten wie oft und wie gut ich meine Hausaufgaben gemacht habe und wie ich mich mit meinen Mitschülern verstehe. Außerdem kommen die Gründerinnen der Internet-Zauberschule zu Wort: zwei Schwestern aus Berlin, die für ihr Werk im Jahr 2001 den Digi Globe, eine Art Multimedia-Oscar, gewonnen haben.
Text: Mareike Aden; Fotos: Warner Bros., Emily Eppolite
Kontakt: mythenleben(at)medien-monitor.com
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