Empor, empor –
Wie lockst du, starkes Wort!
Und sind wir nun endlich dort.
Drängst du noch stärker als zuvor!
Richard Dehmel (1863 – 1920)
Bergsteiger werden von der Sehnsucht geleitet, den Gipfel zu erklimmen. Es ist ihr Bedürfnis, den Alltag hinter sich zu lassen und die Grenzen des Selbst zu erkennen, sowohl die körperlichen als auch die geistigen. Doch es geht um mehr noch. Nämlich darum, diese Grenzen zu überwinden, den Körper noch ein bisschen weiter zu belasten, den Willen noch etwas zu vergrößern und somit nach der Spitze des Berges zu greifen. Denn "ein fester Wille kann bekanntlich Berge versetzen. Warum sollten sie sich damit nicht auch besteigen lassen?" meint Alpinist Frank Meutzner.
Die Frage ist jedoch, ob es tatsächlich das Ziel ist, den Gipfel zu erreichen oder ob es vielmehr wichtig ist, den NÄCHSTEN Gipfel zu erreichen. Wird die Sehnsucht gestillt, wenn der Berg erklommen, die Spitze berührt ist? Hält die Zufriedenheit, die Freude über den errungenen Erfolg an oder ruft immer schon der nächste Berg?
Und noch eine andere Frage stellt sich. Macht die Sehnsucht süchtig? Muss man immer weiter machen? Erfolgt das Aufhören erst dann, wenn man körperlich dazu gezwungen wird oder ist es auch aus freien Stücken möglich?
Vielleicht ist es nur wichtig, in Bewegung zu bleiben, überhaupt etwas zu tun. Handeln im Gegensatz zum Nicht-Handeln. Rausgehen im Gegensatz zum Drinnenbleiben. "Das beständige Leben im Zimmer wird bald zur kränkelnden Vegetation. Wer Kraft und Mut und Licht mehren will, gehe hinaus in die Elemente!", wie Johann Gottfried Seume es bezeichnet. Und das tun sie. Jeder auf seine eigene Weise.
Text: Katrin Obenauf
Fotos: Bernard Vidalenche


