Gespannt erwartet - Geheim gestartet
Heimlich, still und leise: Die ARD-Mediathek ist online. Obwohl sie nicht lautstark ankündigten, blieb der Start des öffentlich-rechtlichen Portals nicht unbemerkt: Journalistische Kollegen sparen nicht mit Kritik an Inhalt und Umsetzung.
Stuttgart. Vor sieben Monaten präsentierte die ARD auf der Internationalen Funkausstellung 2007 in Berlin ihre neue Mediathek in einer ersten Betaversion:
Die Kollegen kritisieren
Bei der aktuellen Mediathek handelt es sich nur um eine Testversion, die mit Hilfe von Anregungen und Vorschlägen der Nutzer in den nächsten Wochen weiter optimiert werden soll. Handlungsbedarf besteht offenkundig: Diverse Medienportale, User-Seiten und Online-Journalisten begrüßten das neue crossmediale Archiv der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sehr kritisch. "Nach der schweren Geburt" prophezeit die Süddeutsche Zeitung der Mediathek "keine leichte Kindheit". Der "schwer zu durchschauende Wust aus Clips, Videos, Podcasts und TV-Schnipseln" sei benutzerunfreundlich und technisch unausgereift. Im Vergleich mit der Mediathek des ZDF, seit 2005 online, schneide die Version des großen Bruders ARD in allen Belangen schlechter ab. Das Internet-Medienmaganzin DWDL.de stellt sogar "ein mediales Armutszeugnis" aus und macht dieses Urteil vor allem an den veralteten Beiträgen fest. Aktuelle Sendungen wie Hart aber fair oder Schmidt und Pocher ließen sich auf dem ARD-Portal nicht finden, falsche Zeitangaben verwirrten und die Bildqualität im Vollbild-Modus ließe zu wünschen übrig. Umständlich zu bedienen, wenig aktuell und qualitativ schlecht, so präsentiert sich die Mediathek aus der Sicht vieler Kollegen und Kunden.
Ungeklärte Rechtslage: ARD schafft Fakten
Neben den technischen Schwächen erregte vor allem das publizistische Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Unmut der Journalisten. Inwieweit und in welcher Form die ARD, das ZDF und das Deutschlandradio in Zukunft das Netz als Plattform nutzen dürfen, ist rechtlich nicht abschließend geregelt. Erst der 12. Rundfunkstaatsvertrag wird festlegen, was den gebührenfinanzierten Sendern im Internet
erlaubt bleibt und was verboten wird. Daniel Bouhs von der Frankfurter Rundschau moniert den "frechen" Start im Geheimen als Missachtung von Regelungen, die "private Konkurrenz schützen und einen fairen Wettbewerb sichern" sollen. Die ARD kommentierte ihr Vorpreschen lakonisch: Notfalls nehme man die Mediathek wieder teilweise aus dem Netz.
Was bleibt ist Verwirrung und die Frage, warum sich im Netz gleich zwei Mediatheken - ARD und Das Erste - finden lassen, die sich nur marginal unterscheiden. Dazu die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: "Beide Angebote beruhen auf einer gemeinsamen technischen Infrastruktur und Datenbasis". Also zwei identische Portale? Nicht ganz. In Thomas Lückeraths Rezension auf DWDL.de heißt es: "So bleibt die Mediathek des Ersten hinter dem ZDF-Angebot zurück. Optisch und inhaltlich. Aber sie ist wenigstens nicht so furchtbar dilletantisch wie die ARD-Mediathek, die neben technischen Mängeln insbesondere den in manchen Belangen völlig unsinnigen Föderalismus der ARD entlarvt."
Text: Janis Brinkmann
Fotos: rrb/Anna-Katharina Schulz, Janis Brinkmann
Teaserfoto: rrb/Anna-Katharina Schulz




