Medien Monitor

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DruckenGespannt erwartet - Geheim gestartet

Foto: rrb/Anna-Katharina Schulz
Auf der Internationalen Funkausstellung 2007 präsentierte die ARD erstmals ihre Mediathek

Heimlich, still und leise: Die ARD-Mediathek ist online. Obwohl sie nicht lautstark ankündigten, blieb der Start des öffentlich-rechtlichen Portals nicht unbemerkt: Journalistische Kollegen sparen nicht mit Kritik an Inhalt und Umsetzung.

Stuttgart. Vor sieben Monaten präsentierte die ARD auf der Internationalen Funkausstellung 2007 in Berlin ihre neue Mediathek in einer ersten Betaversion:

"Um den Internet-Usern einen einfachen und übersichtlichen Zugriff auf alle Radio- und Fernsehinhalte zu geben, wird die ARD ein Medienportal starten. Die nutzerfreundlich gestaltete ARD Mediathek ist als virtuelles Portal konzipiert, das einen komfortablen Zugang zu den Audio- und Videoangeboten der ARD bietet. Nach und nach sollen alle im Netz verfügbaren multimedialen Inhalte der Landesrundfunkanstalten und des Ersten Deutschen Fernsehens darüber erreichbar sein."

Die Kollegen kritisieren

Foto: rrb/Anna-Katharina Schulz
Wer zu spät kommt...: Aktuelle Folgen von "Hart aber fair" sind noch nicht zu finden

Bei der aktuellen Mediathek handelt es sich nur um eine Testversion, die mit Hilfe von Anregungen und Vorschlägen der Nutzer in den nächsten Wochen weiter optimiert werden soll. Handlungsbedarf besteht offenkundig: Diverse Medienportale, User-Seiten und Online-Journalisten begrüßten das neue crossmediale Archiv der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sehr kritisch. "Nach der schweren Geburt" prophezeit die Süddeutsche Zeitung der Mediathek "keine leichte Kindheit". Der "schwer zu durchschauende Wust aus Clips, Videos, Podcasts und TV-Schnipseln" sei benutzerunfreundlich und technisch unausgereift. Im Vergleich mit der Mediathek des ZDF, seit 2005 online, schneide die Version des großen Bruders ARD in allen Belangen schlechter ab. Das Internet-Medienmaganzin DWDL.de stellt sogar "ein mediales Armutszeugnis" aus und macht dieses Urteil vor allem an den veralteten Beiträgen fest. Aktuelle Sendungen wie Hart aber fair oder Schmidt und Pocher ließen sich auf dem ARD-Portal nicht finden, falsche Zeitangaben verwirrten und die Bildqualität im Vollbild-Modus ließe zu wünschen übrig. Umständlich zu bedienen, wenig aktuell und qualitativ schlecht, so präsentiert sich die Mediathek aus der Sicht vieler Kollegen und Kunden.

Ungeklärte Rechtslage: ARD schafft Fakten

Foto: Janis Brinkmann
Ein Screenshot der Mediathek: „Unübersichtliches Menü"

Neben den technischen Schwächen erregte vor allem das publizistische Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Unmut der Journalisten. Inwieweit und in welcher Form die ARD, das ZDF und das Deutschlandradio in Zukunft das Netz als Plattform nutzen dürfen, ist rechtlich nicht abschließend geregelt. Erst der 12. Rundfunkstaatsvertrag wird festlegen, was den gebührenfinanzierten Sendern im Internet

Seit 2002 gingen beim Europäischen Gerichtshof zahlreiche Beschwerden privater Sender ein. Streitpunkt war die Internetnutzung durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die durch den Einsatz von Gebührengeldern aus Sicht der Privaten den Wettbewerb verzerren. Eine verbindliche Regelung soll im 12. Rundfunkstaatsvertrag ab 2009 erfolgen.

erlaubt bleibt und was verboten wird. Daniel Bouhs von der Frankfurter Rundschau moniert den "frechen" Start im Geheimen als Missachtung von Regelungen, die "private Konkurrenz schützen und einen fairen Wettbewerb sichern" sollen. Die ARD kommentierte ihr Vorpreschen lakonisch: Notfalls nehme man die Mediathek wieder teilweise aus dem Netz.

Was bleibt ist Verwirrung und die Frage, warum sich im Netz gleich zwei Mediatheken - ARD und Das Erste - finden lassen, die sich nur marginal unterscheiden. Dazu die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: "Beide Angebote beruhen auf einer gemeinsamen technischen Infrastruktur und Datenbasis". Also zwei identische Portale? Nicht ganz. In Thomas Lückeraths Rezension auf DWDL.de heißt es: "So bleibt die Mediathek des Ersten hinter dem ZDF-Angebot zurück. Optisch und inhaltlich. Aber sie ist wenigstens nicht so furchtbar dilletantisch wie die ARD-Mediathek, die neben technischen Mängeln insbesondere den in manchen Belangen völlig unsinnigen Föderalismus der ARD entlarvt."

Text: Janis Brinkmann
Fotos: rrb/Anna-Katharina Schulz, Janis Brinkmann
Teaserfoto: rrb/Anna-Katharina Schulz

Erstellt am: 26.05.2008, 15:18 Uhr
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