Gazelle: Ein Magazin für alle Frauen in Deutschland
Partnerschaft, Kultur, Mode: Diese Rubriken kennt man aus Frauenzeitschriften. Aber ein Magazin, das auch in Deutschland lebende Migrantinnen ansprechen soll, muss mehr bieten. Mit Themen wie "Leben in Deutschland", "In fremden Töpfen" oder "Feiertage der Weltreligionen" will Gazelle alle Frauen in Deutschland erreichen.
Dortmund. Vom Cover lächelt nicht etwa eine blonde Schönheit aus Mitteleuropa, sondern eine Iranerin. Die Botschaft ist deutlich: Frauen mit Migrationshintergrund sollen sich angesprochen fühlen. Schon mit dem Titelbild der ersten Ausgabe setzt Gazelle optisch ein Zeichen. Herausgeberin Sineb El Masrar geht sogar noch weiter: "Ich könnte mir vorstellen, dass demnächst auch mal eine Muslima mit Kopftuch auf dem Titel zu sehen sein wird."
Sineb El Masrar hält bei Gazelle die Fäden in der Hand. Die 25-jährige Deutsche, deren Eltern aus Marokko stammen, fand schon lange, dass es in Deutschland einfach keine Frauenzeitschrift gibt, die sie anspricht. Doch es brauchte Jahre, bis ihre Idee von einem Magazin für Deutsche und in Deutschland lebende Migrantinnen endlich Form annahm. Schon mit 16 schrieb sie einen 600-Seiten-Krimi, der in Marokko spielt. Er wurde allerdings nie veröffentlicht. Daraufhin beschloss sie, ein Sachbuch über die Palästina-Frage zu verfassen. Auch dieses Projekt scheiterte. Doch Sineb El Masrar gab nicht auf: Sie notierte weitere Ideen zu Drehbüchern, Kurzgeschichten und Essays. Nebenbei entwickelte sie das Konzept für Gazelle. Als sie 2003 auf eine französische Frauenzeitschrift für Migrantinnen stieß, merkte sie, dass diese Zeitschrift das ist, wonach sie immer gesucht hatte. Und nachdem eine Karriere in ihrem erlernten Beruf gescheitert war - ihr befristeter Vertrag als Lehrerin an einer katholischen Grundschule wurde nicht verlängert - beschloss sie schließlich, ihren Traum zu verwirklichen.
Sie begeistert Freundinnen und Bekannte von ihrem Projekt und sucht in Internet-Foren nach Gleichgesinnten. So kommen nach und nach die neun jetzigen Redakteurinnen zusammen. "Ich war gerade in New York, als ich Sinebs Anzeige im Internet las", erzählt Ella Bangol. "Ich habe ihr dann spontan eine E-Mail geschrieben, weil ich ihre Idee sehr interessant fand." Ähnlich wie Ella Bangol ergeht es ihrer Kollegin Danica Bensmail: Auch sie wird durch eine Internet-Anzeige auf das Projekt aufmerksam.
Den Ausländern in Deutschland Gehör verschaffen
Sieben der insgesamt neun Redakteurinnen haben einen Migrationshintergrund. Danica Bensmails Vater ist z. B. Marokkaner, ihre Mutter kommt aus dem Kosovo. "Aufgewachsen bin ich aber bei einer deutschen Familie, die mich mit drei Monaten adoptiert hat", sagt sie. Ella Bangol kam mit zehn Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.
Doch nicht nur ihre Herkunft, auch die Lebenswege der neun Gazelle-Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein. Die eine macht zur Zeit ihr Examen in Islamwissenschaften und Amerikanistik. Eine andere kommt gerade von einem längeren Auslandsaufenthalt in Nordamerika zurück. Die nächste fühlt sich aktuell in Gambia am wohlsten und will erst einmal nicht nach Deutschland zurück. Trotzdem gibt es etwas, das diese neun Frauen verbindet: der Wunsch nach Veränderung. "In Deutschland leben immer mehr Ausländer, die keine eigene Stimme haben", sagt Gazelle-Redakteurin Ella Bangol. "Wir wollen nun ihr Sprachrohr sein und ihnen damit Gehör verschaffen." Ihre Kollegin Danica Bensmail hat außerdem festgestellt, dass "Leute mit Migrationshintergrund als aktive Kraft in den deutschen Medien total unterrepräsentiert" sind. "In Großbritannien oder Frankreich sitzen so viele Migranten im Fernsehen. Warum gibt es aber in Deutschland immer noch keinen türkisch-stämmigen Tagesschau-Sprecher?"
Das passende Konzept: 13 Rubriken entstehen
Sineb El Masrar wurde 1981 in Hannover geboren; heute lebt sie in Dortmund. Ihre Eltern stammen aus Marokko. Nach einer kaufmännischen und einer sozialpädagogischen Ausbildung arbeitete sie jeweils ein Jahr als Erzieherin an einer Grundschule für Hörgeschädigte in Bochum und an einer katholischen Grundschule in Düsseldorf. Als ihr Vertrag auslief, gründete sie das Frauen-Magazin Gazelle, das sie seit Juli 2006 im Eigenverlag (Tingis Verlag) herausgibt.
Das endgültige Konzept für Gazelle entwickelten die neun Frauen gemeinsam. Zunächst knüpften sie sich zahlreiche andere Frauenzeitschriften vor und stellten fest, dass der Anspruch vieler Beiträge entweder zu hoch oder zu niedrig ist. "Wir waren auf der Suche nach Themen, die gebildete Frauen interessieren könnten", sagt Ella Bangol, "Frauen, die etwas erfahren wollen." So entstanden insgesamt 13 Rubriken mit typischen Themen wie "Familie und Partnerschaft" oder "Mode und Schönheit". Neu dagegen sind Bereiche wie "In fremden Töpfen" oder "Feiertage der Weltreligionen". Und genau diese Mischung macht Gazelle so einzigartig.
Juli 2006: Die erste Ausgabe erscheint
Im Juli 2006 erschien die erste Ausgabe von Gazelle. Die Herausgeberin und ihre Redakteurinnen freuten sich, waren die letzten drei Tage vor Erscheinen doch Stress pur. "Wir waren 24 Stunden online und hingen ständig am Telefon", erinnert sich Ella Bangol. Eine klassische Gazelle-Redaktion gibt es nämlich nicht. Die Redakteurinnen leben verteilt in ganz Deutschland. Die Redaktionskonferenzen laufen über Chat.
Die anfängliche Euphorie verflog allerdings schnell. Unerwartet traten Probleme auf. Erste Leserinnen meldeten sich: Ob sie vielleicht noch irgendwo eine Gazelle-Ausgabe bekommen könnten? Die Zeitschrift sei ja schon ausverkauft. Sineb El Masrar wunderte sich. Eigentlich müssten die Händler noch genügend Exemplare vorrätig haben. Testversuche ergaben dann: Viele Händler hatten die Zeitschrift entweder gar nicht erst aus dem Lager geholt oder völlig falsch platziert. Einer hatte sie z. B. zu den Pornoheften gelegt. Das ist vertragswidrig. Doch für die erste Ausgabe war es bereits zu spät. Und auch die zweite, die eigentlich im September erscheinen sollte, wurde verschoben. Die Redakteurinnen brauchten eine Pause, denn sie waren finanziell völlig am Ende. Sie hatten die erste Ausgabe komplett selbst finanziert. Sineb El Masrar hatte sogar ihre Eltern um Unterstützung gebeten. "Wir waren an einem Tiefpunkt angelangt und mussten uns erst einmal wieder hochrappeln", erzählt Ella Bangol.
Nach fast einem Jahr haben sie es nun aber geschafft. Mit Hilfe von Nebenjobs konnten die neun Gazelle-Frauen ihre finanziellen Ressourcen wieder aufstocken und blicken jetzt positiv in die Zukunft. "Die zweite Ausgabe steht - und wir mussten keinen Kredit aufnehmen", erzählt Ella Bangol stolz. "Wir haben neue Händler angeworben und mit den alten neue Verträge abgeschlossen." So kann die Gazelle Mitte April wieder erscheinen. Sie beschäftigt sich u. a. mit dem Schönheitswandel in China. Außerdem gibt es Literatur- und Filmtipps. Vorgestellt wird z. B. "Yes I am", ein Dokumentarfilm, der einen Blick hinter die Kulissen des Musikprojekts "Brothers Keepers" wirft und sich dabei vor allem mit den drei Musikern D-Flame, Adé und Mamadee beschäftigt. Und wenn jetzt mit dieser Ausgabe alles gut läuft, erscheint die dritte Gazelle bereits Anfang Juni.
Gazelle-Magazin
Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland
Lebens- und Arbeitsverhältnisse von MigrantInnen in Deutschland
Text: Uta Baier
Fotos: Gazelle Magazin




Sehr geehrte Frau Sineb El Masrar und Team!
Ich habe heute im Zeitmagazin zum ersten Mal über Gazelle gelesen.
Gibt es so etwas wie ein Probe Abo zum Testen - ich denke nicht an kostenlos!!!
Ich bin sehr an arabischer Kultur interessiert, lerne seit einigen Jahren an der VHS arabisch, liebe Kalligraphie, korrigiere manchmal für Donata Kinzelbach Maghreb Literatur. Ich mag es nicht, wie wir westlichen Menschen über die Medien informiert werden. So z.B. jetzt die Sache im Jemen ist hochkomplex und Mitbürgern nur schreckliche Auskünfte über den Jemen zu geben, ist ein Verbrechen. Ich habe dort so viele liebenswerte Menschen kennengelernt.
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen
mit besten Grüßen Ursula Schneider
Sehr geehrte Frau Sineb El Masrar und Team!
Ich habe heute im Zeitmagazin zum ersten Mal über Gazelle gelesen.
Gibt es so etwas wie ein Probe Abo zum Testen - ich denke nicht an kostenlos!!!
Ich bin sehr an arabischer Kultur interessiert, lerne seit einigen Jahren an der VHS arabisch, liebe Kalligraphie, korrigiere manchmal für Donata Kinzelbach Maghreb Literatur. Ich mag es nicht, wie wir westlichen Menschen über die Medien informiert werden. So z.B. jetzt die Sache im Jemen ist hochkomplex und Mitbürgern nur schreckliche Auskünfte über den Jemen zu geben, ist ein Verbrechen. Ich habe dort so viele liebenswerte Menschen kennengelernt.
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen
mit besten Grüßen Ursula Schneider
Ich wollte Kontakt herstellen, aber ETWAS funktioniert nicht.mhG U. Schneider
Liebe Frau Schneider,
vielen Dank für Ihr Interesse.
Bitte schauen Sie doch mal auf unserer Internetseite vorbei www.gazelle-magazin.de Dort finden Sie u.A. etwaige Abo-Möglichkeiten.
Herzlichen Dank und liebe Grüße,
Ihre Gazelle