"Ich will mich auf die Mails am Abend freuen"
Neben den beiden "Typen" von Nutzern, nämlich den Liebessuchern und den Abenteurern, gibt es auch noch die, die völlig im virtuellen Raum bleiben, um ihre Sehnsucht nach Zuneigung und Aufmerksamkeit zu stillen.
Mike ist so ein Online-Sucher. Er ist 37 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder. Was er sich von friendscout erhofft?
Gesprochen: Martin Gehr (0:51 Min., 808 KB)
"In meiner Ehe ist gerade die pure Langeweile eingezogen und so bin ich hier gelandet. Aber ich suche nichts sexuelles oder gar einen ONS. Sondern nur nett mailen oder chatten. Denn wenn ich was fürs Bett suche, gibt es für Männer weiß Gott andere Orte als friendscout. Und erfolgreichere. Außerdem stehe ich nicht auf Blind-Dates, da ist die Enttäuschung meistens sehr, sehr groß. Da mailst du wochenlang und man ist sich super sympathisch und dann kommt das Date und dann lügt man sich nur an. So wie "Du siehst toll aus und deine tollen Haare." und in Wirklichkeit denkt man: ,,Bor, ist die blöde und hässlich." Und da hab ich keinen Nerv drauf. Oder es werden Fotos verschickt mit Modellbildern und dann ist die gute Frau genauso breit wie sie groß ist. Na ja, und da dachte ich mir, hier kann man sich vielleicht etwas unterhalten, was zuhause fast nicht möglich ist."
Das Mailen und Chatten ist für ihn die Abwechslung zum Ehealltag. "Ich will mich abends auf die Mails freuen können", sagt er. Bisher hat er kaum Frauen gefunden, doch mit den wenigen kann er gut schreiben. "Mit den meisten Frauen maile ich über meine oder ihre Beziehungen", erzählt Mike. "Wir reden über unsere Träume oder was ihnen oder mir in ihrer Beziehung fehlt. Ansonsten schreiben wir über alles mögliche."
Doch es gibt neben den Nutzern, die sich auf einer sehr persönlichen Ebene austauschen und ihre Probleme besprechen, auch diejenigen, die im Netz den Austausch von erotischen Chats oder Mails suchen. Für Mike kommt dies nicht in Frage – doch bei meinem eigenen Profil kamen häufiger solche Anfragen.
Bei den erotischen Gesprächen befriedigen Menschen ihre Lust – ohne dabei irgendwelche Konsequenzen zu fürchten. Für den Sexualforscher Jakob Pastötter ist die Verfügbarkeit im Internet der besondere Reiz. Der Weg zu einer Videothek, in der man sich entsprechende Filme ausleihen kann, ist wesentlich aufwändiger, als die Lust von zu Hause am Computer zu befriedigen. Das Virtuelle verlangt weniger Anstrengung, so Pastötter. Die Männer fühlen sich geschützt vor etwaigen Konsequenzen, und die Frauen schätzen die Anonymität verbunden mit der Gewissheit, jederzeit das Modem ausschalten zu können.


