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Fair and Balanced

Nachrichten in den USA sind Emotionen pur. Anchormen brechen hier schon mal in Tränen aus, wenn ein Mädchen entführt wird - echte Herzschmerz-News, Themen zum Anfassen und Mitfiebern. Besonders die Fox News, unser neues Fundstück des Tages, sind nah am Menschen. Mies nur, dass der Rupert-Murdoch-Sender die öffentliche Meinung mitbestimmt.

Diesmal kommt unser Fundstück aus den USA.

Qua definitionem soll ein Fundstück der Woche etwas Unbekanntes ans Licht bringen. Es soll ein Medienprodukt präsentieren, das der Masse fremd, aber wert ist, um darüber zu berichten. Fox News? Nun, wer schon einmal in den USA war, mag diese berechtigte Frage stellen und unsere Rubrik schmunzelnd altbacken nennen. Für die aber, die das "land of the free and the home of the brave" lediglich aus dem Fernsehen kennen, wird das amerikanische Fernsehprogramm weitgehend unbekannt sein.

Appell an die Gefühle

Ich zumindest kannte die US-Nachrichten bisher lediglich aus Parodien wie den Simpsons. Dort präsentiert Kent Brockman Nachrichten in einer absolut unseriösen Art. Vollkommen überzeichnet und übertrieben? Nicht, wenn man ihn mit Glenn Beck von den Fox News vergleicht:

In den USA gilt der Nachrichtenkommentator Glenn Beck als der König der Tränen. Ob es um Eugenik im Nazideutschland geht, um die Sicherheit der USA oder um ein kleines Mädchen, das im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko entführt wurde, immer wieder ringt Glenn Beck um Fassung, kann die Tränen aber nicht zurückhalten. Echt oder geheuchelt, das bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Lustig ist es allemal.

Harte Meinungsmache

Ein anderer Anchorman im Spannungsfeld von Information, Meinung und Trash ist Bill O´Reilly, ebenfalls beim Sender Fox unter Vertrag. Ein echtes Multitalent, das nicht nur eine eigene Fernseh- und Radioshow hat, sondern bereits fünf Bestseller fabriziert hat. Kein Wunder bei dem Unterhaltungswert:

Ein zorniger Mensch, dieser O´Reilly. Das kriegen auch die Gäste in seiner täglich laufenden Show, "The O´Reilly Factor", zu spüren. Immer wieder greift er sie an, versucht ihre Meinung als lächerlich darzustellen.

Glenn Beck dagegen sieht aus wie ein freundlicher Nachbar aus irgendeiner Sitcom. Doch trotz der äußeren Differenzen gleichen sie sich in ihren konservativen Ansichten und beeinflussen die Meinung der amerikanischen Fernsehnation. Und nicht gerade wenige Amerikaner schauen sich ihre Sendungen an. Glenn Becks Show lockt wochentags über zwei Millionen Zuschauer, "The O´Reilly Factor" ist die meistgesehene US-Nachrichtensendung.

Fair and Balanced?

Ne Menge Einfluss, der gefährlich werden kann. Gefährlich, zumal Beck in einer Show in seiner flapsigen Art behauptet hat, er checke keine Fakten. Überhaupt nimmt´s Fox mit der Wahrheit nicht immer sehr genau. Immer wieder werden Fakten verdreht, Menschen verunglimpft, die Weltlage bis zur Falschheit vereinfacht. In der Dokumentation, "Outfoxed: Rupert Murdoch's War on Journalism", werden die Lügen des von Rupert Murdoch geführten Senders aufgedeckt. Die Internetseite Foxattacks berichtet über die aktuellen Foxfalschberichte - eine Art amerikanischer Bildblog.de.

In den USA ist der FoxNewsChannel, der mit dem Slogan "fair and balanced" für sich wirbt, der Marktführer unter den Nachrichtensendern. Das mag man traurig finden, für mich als Ausländer ist das einfach nur lustig - zumindest das Programm.

Text: Evgenij Haperskij
Teaserfoto: Evgenij Haperskij
Videos: Youtube

Veröffentlicht: 10.09.2009
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