Zeitschriften
Es ist ein Mädchen!
Das "Magazin für Fußballkultur" hat Familienzuwachs bekommen. Seit Oktober vergangenen Jahres liegt der 11 Freunde alle drei Monate eine neue Zeitschrift bei: 11 Freundinnen. Nun also noch ein Magazin für Frauenfußball. Und das in Zeiten von Wirtschaftskrise und Anzeigenrückgang.
Dortmund. Magazine wie Brand Eins und Landlust haben es vorgemacht: Trotz eher schwieriger Zeiten können Zeitschriften erfolgreich sein. Gerade aus kleinen Verlagen. Auch wenn die Auflagen der anderen Magazine deutlich höher sind: Die 11 Freunde ist ein ähnliches Erfolgskonzept. Im Jahr 2000 gegründet, veröffentlicht das Magazin abseits von Spielberichterstattung Geschichten über das runde Leder. Die Verkaufszahlen sind dabei laut IVW steigend: 78.839 im ersten Quartal 2010 im Vergleich zu 63.917 im ersten Quartal 2009. Von Wirtschaftskrise nichts zu spüren? "Wir leben auf einer kleinen Scholle. Wir verstehen es selber nicht, warum wir nicht betroffen sind", sagt Jens Kirschneck, Chef vom Dienst bei 11 Freunde und redaktioneller Leiter des neuen Magazins.
Euphorie ohne mediale Entsprechung
Erfolg hin oder her: Warum jetzt noch ein Heft über die Randsportart Frauenfußball? "Wir haben gemerkt, dass es durch die Nationalmannschaft und die anstehende Weltmeisterschaft doch eine gewisse Euphorie gibt, aber im Grunde keine mediale Entsprechung dafür", berichtet der Redakteur. "Wir haben uns natürlich gefragt, was man da machen kann und sind schließlich auf die Idee gekommen, diese Beilage herauszugeben."
Herausgekommen ist die kleine Schwester von 11 Freunde. Ähnlich wie beim "großen Bruder" gibt es feste Rubriken, darunter "Laufsteg" mit besonderen Fotos und ein großes Interview. Betreut wird die Zeitschrift hauptsächlich von einem fest angestellten Mitarbeiter und einer Mitarbeiterin auf Praktikantenbasis. Weitere Texte werden von freien Journalisten eingekauft. An Themen ist dabei "alles denkbar, was die Emotionen des Spiels transportiert", so Jens Kirschneck.
11 Freundinnen alle zwei Monate?
Während die erste Ausgabe der 11 Freundinnen noch einen Umfang von 36 Seiten hatte, wurden beim zweiten und dritten Heft bereits 52 benötigt. Das Konzept scheint also zu gefallen. Zumindest den Anzeigenkunden, denn durch die finanziert sich das Magazin. "Wenn wir in den ersten Heften keine Anzeigen verkauft hätten, hätten wir es auch wieder sein gelassen", sagt Kirschneck.
Wie erfolgreich das Magazin hingegen beim Leser ist, lässt sich in bloßen Zahlen nur schwer feststellen. Bisher erscheint es eben nur als Beilage und wird kostenlos an Vereine und Verbände verteilt, um es "in die Szene" zu bringen, wie Jens Kirschneck erklärt. Zusätzlich ist die aktuelle Ausgabe auch im Internet zu finden.
Reaktionen hingegen gab es genügend. "Die Frauenfußballszene selbst ist größtenteils entzückt, dass wir an die Sportart anders herangehen, sie als selbstverständlich ansehen", erzählt Jens Kirschneck. Auch die 11 Freunde-Leser seien zum Teil begeistert. Doch nicht alle teilen diese Meinung: "Einige haben das Heft auch zerschnitten und mit der Anmerkung zurückgeschickt, wir sollen den Regenwald nicht weiter vernichten."
Trotzdem wird beim Verlag im Moment überlegt, das Heft alle zwei Monate zu veröffentlichen. Dies werde aber frühestens ab Oktober geschehen. Auch die Abnabelung vom "großen Bruder" ist nicht utopisch: "Wir würden es gerne einzeln verkaufen, aber wir müssen das Gefühl haben, dass die Zeit reif dafür ist. Ein möglicher Zeitpunkt wäre die WM 2011. Entweder, es wird vorher allein auf den Markt gebracht oder gar nicht."
Text: Birte Penshorn
Fotos: Birte Penshorn; 11 Freunde
Teaserfoto: Birte Penshorn


