Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

"Ergänzen, nicht ersetzen"

Wird journalistische Ausbildung in Zukunft überflüssig oder ist sie gar schon überholt? Medien Monitor sprach mit Pawel Nowacki, Chefredakteur von wiadomosci24.pl, über die zukünftige Beziehung zwischen Laienjournalismus und professionellen Schreibern.

Pawel Nowacki

Medien Monitor: Herr Nowacki, Sie bezeichnen den Bürgerjournalismus als "die Zukunft des Journalismus". Ist für ausgebildete Journalisten in Zukunft kein Platz mehr in den Redaktionen?

Pawel Nowacki: Meiner Meinung nach wird der Bürgerjournalismus den professionellen Journalismus lediglich ergänzen, nicht ersetzen. Niemand kann den Platz eines Berufsjournalisten einnehmen, der gute Kontakte zur Regierung hat und wichtige Informanten kennt.

Also gibt es gar keine "Bedrohung"?

An Ort und Stelle eines Ereignisses kann heute jeder mit dem Handy Fotos machen oder filmen und das Material sofort online stellen. Das ist das Problem, mit dem sich der Journalismus in Zukunft auseinandersetzen muss. Für professionelle Journalisten, die dieses Material redigieren und prüfen, gibt es bei unserem Service auf jeden Fall immer einen Platz.

Gibt es denn Themen, die Ihre Schreiber nicht abdecken können oder wollen? Was ist mit politischer Berichterstattung?

Anfangs hat die Redaktion noch Themen vergeben. Jetzt schreiben die Autoren, worüber sie selbst lesen wollen. Sie können natürlich weiterhin Themen vorschlagen, die dann über ein E-Mail-System anderen Mitgliedern angeboten werden. Ihre Themen finden unsere Autoren jedoch meist in ihrem engeren Umfeld. Politikberichterstattung, etwa aus den Ministerien, kann unsere Seite nicht leisten. Für politische Kommentare gibt es jedoch die Rubrik "Meine Meinung".

Wird Bürgerjournalismus verstärkt zur Einstiegsmöglichkeit in den journalistischen Beruf werden? Einige Ihrer Schreiber haben den Sprung in die Professionalität sicherlich geschafft.

Ja, das sind diejenigen, die an unserer Sommerschule vom Journalistischen Institut teilgenommen haben. Dort werden sie in journalistischen Grundlagen geschult. Nach einem Praktikum bei unserer Regionalzeitung Polska arbeiten sie dort nun als freie Mitarbeiter.

Interview: Christine Kirchhoff, Caroline Lindekamp, Antonia Röder
Bild: Christoph Schmidt

Veröffentlicht: 15.08.2009
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