Tagung
Eine eigene Marke für die neue Generation
Ein Medium, in dem sich Teenager ernst genommen und angesprochen fühlen - das soll Yourzz.fm sein. Vielmehr sind es drei Medien in einem. Denn die neue Jugendmarke der Verlagsgruppe Ippen verknüpft nicht nur Internet und Radio miteinander, sondern findet auch in der Zeitung ihren eigenen Platz.
Dortmund. So manchem Verfechter der deutschen Sprache würde es beim Anblick der Internet-Plattform Yourzz.fm wohl die Fußnägel rollen: Anglizismen soweit das Auge reicht und dann auch noch falsch geschrieben - weil es eben so schön zum Sendernamen des jungen Internetradios passt. "Chartzz", "Eventzz", "Fotozz", "Moviezz". Das ist cool. Soll es zumindest sein. Und weil das bei der Jugend wohl ankommt, heißt es statt Volksmusik eben "Schlagermucke".
24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche sendet das Webradio im giftgrünen Layout und unter dem Slogan "Your Life - Your Music". Für alle Hörer, die der englischen Sprache doch nicht mächtig sind, übersetzen die auf jung getrimmten Moderatoren gerne immer wieder: "Dein Leben - deine Musik".
Das Motto ist Programm. Mitten im Leben der Teenager. Die Musik: die aktuellsten Hits aus den Charts - von Alicia Keys bis hin zu Nickelback läuft hier alles. Hauptsache, es ist gerade angesagt und steht garantiert nicht in Papas Plattensammlung. Wer mit der Auswahl nicht zufrieden ist, hat auch hier Mitspracherecht - die Moderatoren erfüllen die Musikwünsche der jungen Hörer.
Ganz nah dran
Yourzz.fm ist da, wo auch die Jugendlichen sind. Kaum eine Abi-Party, bei der kein Fotograf vor Ort war, um die pubertäre Masse abzulichten. Das steigert die Zugriffszahlen. Schließlich ist die Regel, jeden Leser mindestens einmal im Blatt gehabt zu haben, eine alte. Das gilt auch für Jugendliche und das Internet. Praktisch: Online ist der Platz für die Bilder der feuchtfröhlichen Feten grenzenlos. Zugriff nur für registrierte Nutzer. Die Moderatoren geben anschließend mit Hilfe von Hörern "mit Expertise" passend dazu Tipps für die Organisation der perfekten Party: Wie gestalte ich meinen eigenen Flyer, welche "Beats" lege ich am besten auf, damit das ganze auch wirklich "fett" wird?
Ohne Frage: Yourzz.fm ist anders. Gewöhnungsbedürftig irgendwie. Zumindest für Hörer jenseits der 20. Der betont lässige Jargon der Moderatoren verursacht hin und wieder Fremdscham. Doch das ist wohl gewollt. Schließlich ist die Zielgruppe klar definiert: Jugendliche aus Teilen NRWs zwischen zehn und 20 Jahren.
Den anderen voraus
Seit rund neun Monaten ist das multimediale Projekt der westfälischen Verlagsgruppe Ippen on air und soll auch einem neuen Trend vorgreifen. Sobald Flatrates zum Surfen für Handy, IPod & Co. noch günstiger werden, wird eine Vielzahl junger Menschen sich den Wunschradiosender aufs mobile Endgerät holen - und zwar aus dem Internet. Dann will auch Yourzz.fm zu den Favoriten der jungen Generation gehören und sie auf diese Weise an sich binden.
Mit dem Radio aus dem Netz ist der Ippen-Verlag längst nicht mehr allein auf weiter Flur. Wer sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und die jungen Hörer davon überzeugen will, dass der eigene Sender besser ist als die gespeicherte Playlist auf dem Mp3-Player, muss durch mehr als nur gute Musik überzeugen. Ein Alleinstellungsmerkmal also. Yourzz.fm setzt hierbei auf den lokalen Bezug. Um die Plattform mit Themen aus dem Umkreis zu bestücken, arbeiten 15 Lokalausgaben von Regionalzeitungen zusammen. Mit im Boot sind die Lokalausgaben des Westfälischen Anzeigers, der Soester Anzeiger, die Mendener Zeitung, das Südländer Tageblatt und der Märkische Zeitungsverlag sowie die beiden Lokalradiostationen Radio Lippewelle Hamm und Radio MK. Neben dem 24-Stunden-Web-Radio gibt es die Live-Sendung an jedem Freitag und Samstag, zwischen 15 und 20 Uhr. Gesendet wird aus dem Studio von Radio MK in Iserlohn.
Auf mehreren Wellen mitschwimmen
Die Bezeichnung als multimediales Projekt hat sich Yourzz.fm verdient. Der Grund: Der Sender ist nicht nur im Internet vertreten. Die beiden involvierten Lokalradios senden jeweils freitags und samstags ab 22 Uhr die interaktive Partyshow von Yourzz.fm auf ihren UKW-Frequenzen. Außerdem gibt es im Print täglich eine Jugendseite von Yourzz.fm im Lokalteil - im bekannten Giftgrün versteht sich. Dort finden sich Themen, die die Jugendlichen interessieren, Veranstaltungstipps und einen Rückblick auf die vorangegangene Yourzz.fm-Sendung. Verantwortlich für den Inhalt sind drei festangestellte Yourzz.fm-Redaktionsmitglieder, aber auch sogenannte "Juniorreporter". Dabei handelt es sich um junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren, die innerhalb der Zeitungsstandorte Hamm, Lüdenscheid und Soest für Geschichten direkt aus der "Szene" sorgen.
Aufwand übersteigt den Profit
Bei der Umsetzung des Projekts setzt der Verlag vor allem auf Synergie-Effekte. Will heißen: Die Kompetenzen aus Lokal, Online und Print werden gebündelt und miteinander verknüpft. Da ein solches Projekt mit viel Arbeit verbunden ist, werden auch Volontäre verstärkt integriert. Die Mühe scheint Früchte zu tragen: Inzwischen zählt Yourzz.fm 13.000 registrierte Nutzer. Der finanzielle Profit hält sich bisher jedoch in Grenzen. "Wir verdienen ein wenig Geld, aber es deckt sich noch nicht mit dem Aufwand", gesteht Andreas Heine, Chefredakteur von Radio MK. Abschrecken lassen wolle man sich davon jedoch nicht: "Wir werden das durchziehen. In einem Verlag darf man eben nicht nur daran denken, ob wir damit unsere Rente finanzieren können, sondern auch daran, ob es den Verlag in 20 Jahren noch gibt - und da spielt die junge Generation eine wichtige Rolle", sagt er.
Auf die Zielgruppe bezogen scheint Yourzz.fm ein gelungenes Konzept, das Zukunft haben könnte. Dennoch muss an der einen oder anderen Stelle sicher noch gefeilt werden: Online-Meldungen ohne Teaser-Bild oder ein Eventkalender, der den jungen Usern tatsächlich einen Besuch des Musikantenstadels vorschlägt - all das sind kleine Mäkel, die noch nicht so recht ins Bild der hippen Jugendmarke passen wollen.
Text: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis
Fotos, Audio & Video: Yourzz.fm



