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Medien Monitor

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DruckenEin brüchiger Deal

Während die EM Fußball-Deutschland dominiert, muss sich die Bundesliga Sorgen um ihren neuen TV-Vertrag machen. Das Bundeskartellamt hat Probleme mit der Doppelrolle des Rechteverwerters Leo Kirch. Zudem stößt ein eigener Bundesliga-Kanal auf Kritik. Gerüchte über eine Trennung der Liga von Kirch machen in der Branche die Runde.

Logo: DFL.
Die Bundesliga: der Deutschen liebstes Kind.

Frankfurt. Spiel, Spaß und Spannung: Die Fußball-Europameisterschaft läuft und sorgt für Begeisterung. Ob beim Public Viewing, in Nachbars Garten oder auf der heimischen Couch – überall ist der Fan live dabei. In Deutschland übertragen ARD und ZDF die EM, zeigen alle Spiele im Free-TV.

Abseits des europäischen Nationen-Cups läuft dagegen eine ganz andere Partie. Nur ist diese momentan auf den Mattscheiben der Republik nicht so ganz präsent. Dort heißen die Spieler auch nicht Michael Ballack, Jens Lehmann oder Lukas Podolski. Das Bundeskartellamt, die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Firma Sirius und der Pay-TV Sender Premiere stehen auf dem Spielfeld. Es geht um die Fernseh-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga ab 2009.



500 Millionen Euro pro Saison

Im Oktober letzten Jahres ging die Deutsche Fußball-Liga mit ihrem bisher größten Deal an die Öffentlichkeit: Mit der Firma Sirius hatte sie soeben einen Verwertungsvertrag abgeschlossen. Von Mitte 2009 bis Mitte 2015 soll der DFL dieser Vertrag satte 500 Millionen Euro pro Saison einbringen. Die TV-Rechte für die Bundesliga gehen dafür an Sirius, die diese wiederum weiterverkaufen wird. Ein guter Deal, möchte man meinen, bringt der alte TV-Vertrag bis 2009 der Liga doch "nur" 420 Millionen pro Spielzeit ein.

Doch der Aufschrei war groß. Schließlich gehört Sirius dem Medienmogul Leo Kirch, der die Bundesliga 2002 durch seine Pleite bereits fast vor die Wand gefahren hätte. "Kirch ist wieder da und die Liga fällt wieder auf ihn herein", war der Tenor in Fußball-Deutschland. Den ersten Druck aus der Öffentlichkeit und Teilen der Fußball-Macher überstand die DFL zwar, die Skepsis aber blieb.

 

Veränderte Anstoßzeiten

Foto: flickr.com / henteaser
Poker um die Fußball TV-Rechte: Für die Liga geht´s ums Geld.

Als die Liga Ende Mai die neuen Anstoßzeiten verkündete, erhielten die Gegner des Vertrags erstmals neue Nahrung. Die Spiele der 1. und 2. Bundesliga werden dadurch ab 2009, der ersten "Kirch-Saison", über das ganze Wochenende verteilt angepfiffen. Künftig wird der Spielplan für die Fans nicht mehr so leicht zu durchschauen sein: Ein Spiel am Freitagabend, Partien Samstag nachmittags, ab und an auch abends und sonntags drei Spiele zu zwei verschiedenen Anstoßzeiten sind da geplant. Von den veränderten Zeiten erhoffen sich die Liga-Bosse zum einen eine bessere Auslandsvermarktung, da auch Asiaten künftig zur Prime-Time Bundesliga schauen können, und zum anderen eine bessere Pay-TV-Attraktivität durch tägliche Live-Spiele. Die "Sportschau" – so ein Modell – könnte dadurch samstags im Free-TV statt um 18.30 Uhr erst nach 22 Uhr gezeigt werden, die Fernsehgewohnheiten würden sich also grundlegend verändern.

Kartellamt prüft Bundesliga-Kanal

Kritik an UEFA-Regie


Bei der Europameisterschaft gibt es ebenfalls Kritik an den TV-Bildern, die zentral von einer Produktionsfirma der UEFA geliefert werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten bemängelte der Generaldirektor des Schweizer Fernsehens (SRG), Armin Walpen, die Bildauswahl. Er beklagte gar eine "Zensur" der TV-Bilder beim Spiel Deutschland gegen Kroatien. Kroatische Fans hatten bengalische Feuer abgebrannt, diese Bilder seien von der UEFA-Regie allerdings nicht bereitgestellt worden. Die UEFA wies die Vorwürfe zurück und verwies auf ihre zehn Bildkanäle, auf denen die Aufnahmen verfügbar gewesen wären. In der ARD wurden die Bilder allerdings während der Partie gezeigt. Ob diese Bilder von der UEFA oder einer ARD-Kamera stammten, blieb zunächst unklar.

Doch die DFL und Sirius planen mehr: Allein ein eigener Bundesliga-Kanal soll die Pay-TV-Rechtekäufer (im Fernsehen und im Internet) mit Bildern aus den Stadien der höchsten deutschen Spielklassen versorgen. Das schmeckt vor allem nicht dem aktuellen Pay-TV-Rechteinhaber Premiere. Dieser will sich nicht bloß mit Bildern aus den Stadien beliefern lassen, sondern wie bisher selbst das Programm machen. So kündigte Premiere-Chef Michael Börnicke laut dpa vor wenigen Tagen dann auch an, sein Unternehmen werde "alle rechtlichen und sonstigen Möglichkeiten ausschöpfen", um einen eigenen Bundesliga-Sender zu verhindern. Trotz des Streits geht der Premiere-Boss allerdings davon aus, die Rechte wieder zu bekommen.

Auch vom Bundeskartellamt kommen keine positiven Signale für den DFL-Kirch-Vertrag. Wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichteten, stoßen die Pläne für einen Bundesliga-Sender auch beim Kartellamt auf Widerstand.

 

Interessenskonflikt bei Kirch

Foto: Premiere.
Premiere kritisiert die Pläne der DFL und Kirchs.

Zudem hätten die Wettbewerbshüter Probleme mit der Beteiligung von Leo Kirchs Holding KF 15 an der Firma EM.Sport, da EM.Sport nämlich die Mehrheit am Deutschen Sport Fernsehen (DSF) halte. Da das DSF ein potentieller Käufer der Free-TV-Rechte für die 1. und 2. Bundesliga ist, sei Kirch damit in einem kartellrechtlichen Interessenskonflikt: Er sei damit gleichzeitig Rechteverkäufer und Rechtekäufer in einer Person.

Durch die Untersuchungen des Bundeskartellamts kann die Rechteauktion seit Wochen nicht zum Abschluss gebracht werden, berichtet der Mediendienst kress unter Berufung auf die Süddeutsche Zeitung. Und sie wird wohl auch vorerst nicht fortgeführt werden, bis Leo Kirch sich entweder von seinen Anteilen an EM.Sport trennt oder die Liga den Vertrag löst.



Gerüchte um Vertragslösung

"Champions" auf Sat.1

Auch die Übertragungsrechte an den internationalen Wettbewerben standen in den letzten Wochen zum Verkauf. Agenturmeldungen nach sicherten sich Premiere (Pay-TV) und Sat.1 (Free-TV) die Fernsehrechte für die UEFA Champions League und den UEFA-Cup ab der Saison 2009/10. Und das trotz starken Interesses der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF.
Der Vertrag gilt für drei Spielzeiten. Sat.1 darf künftig 17 Spiele der Champions League und 29 des UEFA-Cups pro Saison zeigen. Die Regelung, dass der Sender nur mittwochs die "Champions" zeigen durfte, wurde aufgehoben. Premiere überträgt in Zukunft 145 Partien des Wettbewerbs live. Auch der DFB-Pokal ist ab 2009 im Pay-TV Programm zu sehen.

Noch ist das TV-Gerangel in Fußball-Deutschland eine Randnotiz. Bis die EM vorbei ist. Dann rückt langsam die nächste Saison näher und die Bundesliga wird wieder zum Gesprächsthema Nummer eins. Doch die Fans müssen vorerst keine Angst vor einem schwarzen Bildschirm haben: Schließlich gilt in der Spielzeit 2008/09 noch der alte Fernsehvertrag mit alten Anstoßzeiten, Premiere Live-Übertragungen im Pay-TV und der ARD-Sportschau samstags um 18.30 Uhr. Vielleicht bleibt dies auch so, denn laut FAZ machen in der Branche Gerüchte die Runde, die DFL könnte sich wieder von Leo Kirch und Sirius trennen. "Liga wieder ohne Kirch?", fragt gar schon DWDL.

 

Dann müsste sich die Bundesliga einen neuen Partner suchen und es hieße wieder: Neues Spiel, neues Glück. Auf dem "Bieterplatz" um die wieder verfügbaren Bundesliga-Verwertungsrechte. Und auf dem Fußballplatz sowieso.

 

 

Text: Tobias Döring
Fotos: DFL, flickr.com / henteaser, Premiere
Teaserfoto: flickr.com / dr. motte

Erstellt am: 20.06.2008, 15:18 Uhr

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