Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Ein Sommernachmittagstraum

Die Saarländische Landesmedienanstalt hält das private Fernsehen für schlecht, gefährlich für Jugend und den gesunden Menschenverstand, ja stellt gar seine Legitimität in Frage. Aber ist die Lage wirklich so schlimm? Nein! Das unterirdische Ressort tritt den Beweis an: mit dem "Fundstück des Tages".

In der Schatztruhe diesmal: die "Hot Summer Games".

Unterföhring. "25 Jahre nach dem Start von Privatfernsehen in Deutschland stellt der Medienrat der LMS fest, dass erhebliche Teile des Privatfernsehens in Deutschland ihrer öffentlichen Aufgabe als Ausfluss der "dienenden Funktion" des Rundfunks, wie sie das Bundesverfassungsgericht betont, nicht sachangemessen genügen." Punkt. Bähm! – in your face! Eine echte Blutgrätsche hat der Medienrat der Landesmedienanstalt Saarland da rausgeholt.

Dazu können wir nur sagen: Wie bitte? Privatfernsehen? Dienender Funktion nicht genügen? Dann schaut euch das mal an! Unser Fundstück Numero dos:

Zum Zungeschnalzen, die "Hot Summer Games" bei "taff" auf ProSieben! Ein Werk wie eine Rechtfertigung, ein Appell, ein wütender Ausruf: "Ihr habt doch keine Ahnung, ihr … vom Medienrat! Wir können auch watt!"
Auch wir vom unterirdischen Ressort finden, dass der Medienrat völlig übertreibt, die Daseinsberechtigung der Privaten so mir nichts, dir nichts in Frage zu stellen.
Machen wir doch einfach mal den Sommertest, und allein an unserem Funkstück wird deutlich: Die Sorgen sind völlig unbegründet - Privat rockt!

Das Leben ist Politik

Punkt 3 der Resolution: "Mit Sorge" betrachtet der Medienrat die "stark reduzierte politische Berichterstattung". Na gut! Politisch sind die "Hot Summer Games" auf den ersten Blick mal nicht, vielleicht auch nicht auf den zweiten oder dritten. Aber spätestens auf der Schokorutsche stellt man fest: Irgendwie gehts auch um Politik - müssen die vier Mädels doch auch unter widrigen Bedingungen eine gute Figur machen und immer lächeln. Auch in der Niederlage Größe beweisen: "Und dann kommt Fernanda und macht mir den ganzen Scheiß kaputt da." – Hätte Gerhard Schröder auch nicht besser sagen können.

Und überhaupt: Ist nicht das ganze Leben Politik?

Punkt 5: Der Medienrat bedauert das "unzureichende Engagement privater Veranstalter für Sendungsformate, die die Zuschauer/innen dabei unterstützen, ihre persönliche und gesamtgesellschaftliche Medienkompetenz weiter zu entwickeln."

Das muss erst mal sacken, hier der zweite Teil der "Hot Summer Games"

Für das Leben lernen wir

Zurück zur Medienkompetenz. Von unzureichend kann ja wohl keine Rede sein – hier liegt ganz klar das Wohl des Zuschauers im Vordergrund. Medien als Schule des Lebens – wenn man so möchte. Was kann man nicht alles aus diesen fünf Minuten an Nützlichem extrahieren? Tanzen an der Stange – als Fitnesstipp. Tanzen an der Stange – als Fortbildungsmöglichkeit, auch für das berufliche Leben. Tanzen an der Stange – als Hilfe für die ins Stocken geratene Beziehung.

Wenn das mal keine "dienende Funktion" ist. Danke taff!

Text: Evgenij Haperskij
Teaserfoto: Evgenij Haperskij

Veröffentlicht: 22.07.2009
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