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Interview

Ein Journalist mit Sportlerblut

Dass ein Journalist nicht nur Beiträge produziert oder vor der Kamera steht und seinen Text spricht, zeigt Roman Knoblauch. Im Interview mit Medien Monitor spricht der smarte TV-, Radio- und Eventmoderator über seine Vorliebe zum Extremsport.

Roman Knoblauch beim Ironman 2010 in Frankfurt.

Roman Knoblauch gehört zu den wenigen Journalisten, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben: Sport, am liebsten extrem und an den verschiedensten Orten der Welt - das ist sein Credo. Warum Roman Knoblauch trotz eines Verdachtes auf Herzmuskelentzündung beim Ironman-Triathlon 2010 in Frankfurt am Main nicht aufgegeben hat und wann er zum ersten Mal Angst um sein Leben hatte, verrät er hier im Interview.

Medien Monitor: Herr Knoblauch, zum Zeitpunkt des Ironmans in Frankfurt, am 4. Juli 2010, hatten Sie nicht nur mit einer verschleppten Grippe, sondern auch mit dem heißen Wetter zu kämpfen. Warum haben Sie den Triathlon dennoch nicht aufgegeben?

Roman Knoblauch: Ich habe mich fast ein Jahr auf den Ironman vorbereitet. Aufgeben kam für mich nicht in Frage, ich wusste um die Schmerzen, aber kannte auch das Gefühl des Finishen und das wollte ich genießen.

Gab es einen Moment während Ihres Trainings, an dem Sie aufhören und das ganze Training beenden wollten?

Eigentlich nicht, ganz im Gegenteil, ich hatte immer das Gefühl, zu wenig zu machen. Die deutlichen Leistungssprünge zeigten aber, dass ich auf dem richtigen Weg war. Drei Wochen vor dem Ironman kam dann ein totaler Leistungseinbruch. Als der Arzt eine Herzmuskelentzündung befürchtete, war ich trotzdem nicht bereit aufzugeben. Außerdem hatten wir ja mit dem MDR eine TV-Sendung über den Wettkampf geplant und vorbereitet, insofern stand das Thema Aufhören nie zur Debatte.

Diesen Winter haben Sie in Tirol im Achensee Eisschwimmen versucht. Was war das Aufregende bei dieser "Extremsportart"?

Ich wußte nicht, was mich beim Sprung ins eiskalte Wasser erwartet, und hatte schon ein wenig Angst vor dem Ungewissen, aber genau den Kick suche ich bei meinem Sport. Vor zwei Jahren bin ich in Tirol mit dem Bungee-Jumping-Seil 200 Meter in die Tiefe gesprungen, da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben richtig Angst.

Sie sind bekannt als Moderator mit einer Begeisterung für Extremsportarten. Welche Sportart würde Sie noch reizen, die Sie in Zukunft ausprobieren wollen?

Fallschirm werde ich im Sommer springen, ansonsten würde ich ganz gern noch einmal von einer 50- oder 70-Meter-Skisprungschanze springen - das würde mich noch einmal reizen. Außerdem würde ich gerne im nächsten Jahr einen Marathon in 2:45 Stunden laufen und irgendeinen Extremwettkampf, 300 Kilometer durch die Wüste oder einen 3-fach-Ironman - irgend etwas in der Art.

Zur Person

Roman Knoblauch wurde am 5. Dezember 1968 in Bautzen geboren. Seine journalistische Karriere begann er 1993 als Sportredakteur und Livereporter bei Radio Leipzig. Er arbeitet als Eventmoderator und präsentierte unter anderem die AIDS-Gala in Dresden. Seit 2000 ist Roman Knoblauch fester Bestandteil des MDR Fernsehens. Den Ironman 2010 in Frankfurt schaffte er in 10:57 Stunden.

Sie haben sich schon früh für den Sport entschieden und ein Diplomstudium an der deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig abgeschlossen. Was reizt Sie am Sport und inwiefern hatte diese Leidenschaft Einfluss auf Ihre berufliche Laufbahn?

Ich wollte von Kind an Skispringer werden, das war mein großer Traum. Ich habe mit sieben oder acht Jahren angefangen, bis zu fünf Mal in der Woche zu trainieren, bin dann auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Klingenthal umgezogen, später dann auf den Sportclub SC Dynamo Klingenthal. Nach einer OP musste ich 1987 den Leistungssport beenden, habe die Aufnahme an die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig bestanden und habe dann von '89 bis '93 studiert. Sport war immer meine Leidenschaft, auch wenn ich heute als "Freizeitsportler" disziplinierter trainiere als zur Kinderzeit. Der Reiz liegt für mich darin, sich tagtäglich zu überwinden, um zu trainieren, auch bei schlechtem Wetter, denn es macht wirklich keinen Spaß, bei strömendem Regen sonntags sieben Stunden Rad zu fahren. Natürlich hat der Sport Einfluss auf meine berufliche Laufbahn gehabt. Wenn man drei Mal einen Ironman finisht, dann schafft man auch ganz andere Dinge, die weit weniger wehtun.

Sie spielen auch Flöte und singen, wie man Ihrer Biographie entnehmen kann. Könnten Sie sich vorstellen, auch musikalisch etwas Neues auszuprobieren? Oder eventuell in diesem Bereich etwas beruflich zu machen?

Ich habe als Kind sehr viel und sehr gut gesungen, sollte sogar auf die Musikschule nach Bautzen gehen, aber irgendwann musste ich mich entscheiden: Sport oder Musik. Ich habe zwei liebe Freunde, die Musiker sind, wir haben auch schon eine CD produziert. Leider hatte ich in den letzten Jahren wenig Zeit für das Hobby. Wir planen aber gerade, wieder etwas gemeinsam in der Richtung zu machen. Popstar zu sein, finde ich gut. Andere müssen ihr Geld schwerer verdienen.

Haben Sie jemals daran gedacht, dem Journalismus den Rücken zu kehren und einen komplett neuen Berufsweg einzuschlagen?

Ja, ich bin gerade aktuell dabei, mir für die nächsten Jahre ein neues Berufsbild auszudenken und habe da schon konkrete Vorstellungen und Pläne.

Was würden Sie angehenden Sportjournalisten raten?

Theorie ist das eine - die Praxis das andere, man sollte sich manchmal auf sein Bauchgefühl verlassen. Vor allem sollte man von den Dingen Ahnung haben, über die man berichtet.

Welche (Sport-)Sendung würden Sie noch gerne in Ihrer Karriere als Fernseh- und Radiomoderator moderieren?

Ich habe eigentlich schon alle. Ich würde gerne als Wintersportmoderator oder -kommentator arbeiten. Außerdem hätte ich große Lust, mal wieder eine Schlager- oder Volksmusiksendung zu moderieren. Frühstücksfernsehen würde mich auch mal reizen.

Wer wäre Ihr liebster Co-Moderator?

Andrea Kaiser von Sat.1, sie ist eine liebe Kollegin und Freundin von mir.

Weiterführende Links

Videoauschnitt: Roman Knoblauch beim Ironman 2010 in Frankfurt

Anmeldung zum Ironman Regensburg am 7. August 2011

Interview: Irina Fatykow
Fotos: roman-knoblauch.de

Veröffentlicht: 07.02.2011
2 Kommentare
answer #1) Christian S. - 07.02.2011 - 22:21

Schönes Interview! Nur: wenn er schon eine Steilvorlage bringt wie "habe da schon konkrete Vorstellungen und Pläne", dann schreit das doch nach einer Nachfrage, was er denn vor hat... schade, das hätte mich noch interessiert.

answer #2) Giovanni homepage - 18.08.2012 - 10:34

sagtbig greenas ist gegen Ende ein Ple4doyer ffcr eine Art Gonzo-Journalismus 2.0. Kann mir Schlimmeres vorstellen. Ein Problem mf6chte ich noch aemrnken: Investigationen und sowas sind aufwendig und teuer und selbstste4ndige Journalisten mfcssen in Vorleistung treten, d. h. so einen Artikel erstmal stemmen. Ich verstehe jeden, der da keine Lust drauf hat, mir geht bei Projekten mit viel Geld drin auch mal der Arsch auf Grundeis. Meistens geht dann ja auch pfcnktlich alles schief.Ansonsten: Ja, mit Leuten, die einfach wie immer weitermachen wollen, nur jetzt halt digital, muss man kein gesteigertes Mitgeffchl haben. Das Beispiel Ton- und Filmindustrie zeigt, dass die Zeit sie ersetzen wird.

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