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Drei Fragen an...

...den Auslandskorrespondenten Peter Kunz. Er hat für das ZDF über den Konflikt im Swat-Tal berichtet, der nach der Einführung der Scharia ausgebrochen war. Seit Ende April liefern sich dort pakistanische Truppen und Taliban immer wieder schwere Gefechte. Journalisten sind hierbei unerwünschte Zaungäste.

Peter Kunz berichtet für das ZDF auch aus Krisenregionen.

Medien Monitor: Nach einem Bericht der Organisation "Reporter ohne Grenzen" gehört das pakistanische Swat-Tal zu den gefährlichsten Regionen für Journalisten weltweit. Was bedeutet das für Ihre Berichterstattung?

Peter Kunz: Das heißt, dass wir beschränkt werden und uns selbst beschränken müssen. Der Zugang zum Swat-Tal ist für Journalisten von Seiten der pakistanischen Regierung und des Militärs verboten. Ähnliches gilt für die anderen Landesteile, Waziristian und die halbautonomen Stammesgebiete, in denen der Konflikt mit den Taliban ausgetragen wird. Außerdem können und wollen wir uns nicht Gefahren aussetzen, die im Ansatz schon alle Möglichkeiten überwiegen. Fernsehteams oder Menschen mit Kameras sind noch erkennbarer und damit verletzlicher als ein Block-und-Stift-Bewaffneter, der mit Bart im Salwar Kameez unterwegs ist. Aber selbst das würde ich nicht unbedingt raten.

Zur Person

Peter Kunz arbeitet seit 1988 für das ZDF, anfänglich im Inland, seit 1991 auch als Auslandskorrespondent. Seine ersten Stationen waren die Türkei und Russland. Von 1993 bis 1998 leitete er das Studio Nairobi, welches den gesamten zentralafrikanischen Raum im Blick hat. Nach einem deutschen Zwischenstopp – unter anderem moderierte er in dieser Zeit "heute in Europa" und war stellvertretender Leiter der "ZDF.reporter" – hat er heute die Leitung des Studios Singapur inne. Zum Berichterstattungsgebiet gehört ganz Süd- und Südostasien. Dazu zählen Australien, Indien, Sri Lanka, Thailand und neben weiteren Ländern auch Pakistan. Seine journalistische Laufbahn begann mit einem Zeitungsvolontariat beim Remscheider General-Anzeiger. Gebürtig stammt Kunz aus Remscheid.

In Ihrem Bericht in der heute-Sendung (27. Mai 2009) haben Sie erwähnt, dass Journalisten offiziell nicht in die Kampfregion gelassen werden. Wie sind Sie dennoch an die Bilder gekommen?

Pakistanische Journalisten, die im Swat-Tal ansässig sind und Kontakte sowohl zu Taliban als auch zu den Behörden unterhalten, arbeiten sporadisch mit unserem Mitarbeiter in Islamabad zusammen. Es gelingt uns bisweilen, diesen Reporter und einen lokalen Kameramann einzuschleusen oder Bildmaterial zu bekommen, dessen Herkunft dann auch genau von uns zu bestimmen ist. Bei jedem Einsatz allerdings gilt als Wegweisung: Bevor die Kollegen sich wissentlich in Gefahr begeben, verzichten wir lieber auf Bilder. Ansonsten versuchen wir, die Information rund um den Konfliktherd als Puzzle zusammenzusetzen, gesammelt auf den Ausfallstraßen aus der Region oder bei Interviews in Flüchtlingslagern.

Der geistige Führer der Scharia-Bewegung, Maulana Sufi Mohammad, behauptet zwar, dass er an die Pressefreiheit glaube, dennoch ist von einem "Klima der Angst" und Selbstzensur von Medienmitarbeitern die Rede. Wie schätzen Sie die Situation lokaler Journalisten ein?

Schwierig. Wer die Taliban nicht hochschreibt oder in gewisser Weise – auch bei weitgehend gewahrter Neutralität in der Story – durch die verteilten Bilder Werbung für sie macht, der hat es schwer oder endet tot im Straßengraben. Natürlich vertrauen die Fundamentalisten darauf, dass die Wirkung von Bildern ihnen in die Hände spielt. Und sei es, indem die Angst vor ihnen in der Bevölkerung geschürt wird. Vieles in solchen Auseinandersetzungen ist ein PR-Krieg, in dem jede Seite die Journalisten nach Kräften benutzt. Natürlich zeigt auch das pakistanische Militär bei seinen Kaffeefahrten mit Personenschutz ins Kriegsgebiet nur die heile Welt kleiner Siege.

Text: Verena Hepperle
Teaserfoto: Verena Hepperle
Foto: ZDF/Kerstin Bänsch

[Artikel Drucken]Veröffentlicht: 28.06.2009
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