Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Drei Fragen an...

Pascal Thibaut arbeitet seit 1997 bei Radio France.

...Pascal Thibaut, langjähriger französischer Deutschland-Korrespondent. Im Interview spricht er über die Veränderungen der Medienbranche seit Sarkozys Amtsantritt - und erklärt, was die Politikverdrossenheit mit dem Journalismus zu tun hat. Sarkozy steht seit langem in der Kritik, durch enge Kontakte zu Medieninhabern sein eigenes "Berlusconi-System" aufzubauen. Auch private Beziehungen zwischen Journalisten und Politikern sind in Frankreich keine Seltenheit.

Medien Monitor: Welche Veränderungen gab es seit dem Amtsantritt Sarkozys 2007 im Medienbereich?

Pascal Thibaut: In seiner Amtszeit hat sich im Medienbereich einiges getan: Besonders betroffen ist der audiovisuelle Bereich. Hier gab es zwei Reformen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk betrafen. Zunächst das Verbot der Werbung nach 20 Uhr seit Januar 2009. Ähnlich also, wie es auch in Deutschland der Fall ist. Allerdings soll die Werbung nach Wunsch von Sarkozy ab Januar 2010 ganz verboten werden. Sarkozy hat viele Freunde im privaten Rundfunk-Bereich, daher wurde diese Reform oft als "Geschenk" interpretiert, weil davon ausgegangen wird, dass die Werbekunden zu den Privaten wechseln werden. Außerdem gab es eine Reform, die die Ernennung der Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender betraf. Früher hat eine Regulierungsbehörde den Intendanten ernannt. Allerdings wurde auch da schon selten jemand ausgewählt, der nicht von der Regierung unterstützt wurde. Jetzt ernennt die Regierung den Intendanten direkt. Ein erstes Opfer dieser Reform hat es im Frühjahr gegeben, als ein Intendant von Radio France nicht in seiner zweiten Amtszeit bestätigt wurde. Er war zwar Sarkozy-Anhänger, ließ aber die Redaktion relativ kritisch berichten. Insbesondere die sehr bissigen Kommentare eines Kabarettisten im Sender France Inter haben bei Sarkozy für Unmut gesorgt.

Zur Person:

Pascal Thibaut arbeitet seit 1997 als Deutschland-Korrespondent für Radio France Internationale. Nach seinem Jura- und Politik- Studium in Frankreich zog es ihn bereits im Oktober 1990 als freien Journalisten nach Berlin. Heute ist er zudem im Vorstand des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland (VAP) tätig, eine Vereinigung der Deutschland-Korrespondenten internationaler Massenmedien mit Sitz in Berlin.

Kritiker verwendeten im Zusammenhang mit Sarkozy schon die Bezeichnung "Berlusconi-System à la française". Inwieweit ist das berechtigt?

Nun ja, der Unterschied ist hier, dass Berlusconi direkt Eigentümer der Medien ist, Sarkozy aber nicht. Er hat Connections zu Medien-Baronen, die ihm heute zugute kommen. Was sie also gemeinsam haben, ist die Möglichkeit Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Sektor auszuüben, nur die Mittel sind andere. Es ist daher aber auch verständlich, weshalb bei Umfragen zu den beliebtesten Berufen in Frankreich, Journalismus sehr weit unten liegt. Der Beruf wird sehr stark mit der Politik in Verbindung gebracht und es zeigt sich auch die Politikverdrossenheit, die immer mehr zunimmt.

Wie sieht die Zukunft der französischen Medien aus?

Die wirtschaftliche Situation vor allem im Printbereich ist sehr schwierig, weil viele Anzeigen wegbrechen. Der langfristige Trend wird also dahin gehen, dass viel weniger Zeitung gelesen wird als zum Beispiel in Deutschland. Daher ist es gut möglich, dass es eines Tages nur noch Online-Portale der Zeitungen geben wird, ähnlich wie es die New York Times schon in Erwägung gezogen hat, bald ihre Website nur noch zahlenden Abonnenten komplett zugänglich zu machen. Allgemein wird die Konzentration zunehmen und vieles wird sich in den Online-Bereich verlagern. Wenn es die technische Entwicklung möglich macht, könnte es dahin führen, dass auch Audiovisuelles nur noch online verfügbar sein wird. Sehr rosig sieht die Zukunft jedenfalls nicht aus.

Veröffentlicht: 13.07.2009
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