Drei Fragen an...
...David Fleminger. So offen wie möglich und so vorsichtig wie nötig äußert sich der südafrikanische Blogger auf Medien Monitor zu kürzlich geschehenen, nicht gänzlich unbedenklichen medial-politischen Vorkommnissen in seinem Heimatland. Sein Fazit: Der Humor ist in Gefahr.
Medien Monitor: Herr Fleminger, der neue Präsident von Südafrika, Jacob Zuma, hat einen Karikaturisten angeklagt, weil er sich von seinen Zeichnungen beleidigt fühlt. Er hat angedeutet, dass Medien mit so etwas in Zukunft nicht mehr durchkämen. Wie wird diese Ankündigung in Südafrika bewertet?
David Fleminger: Auf den ersten Blick wirkt das alarmierend, was die Pressefreiheit angeht. Aber in Südafrika lernt man schnell, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit in Panik geraten darf. Darüber hinaus ist es eher eine rechtliche Angelegenheit als eine politische. Der Streitpunkt geht zurück auf Zumas Vergewaltigungsprozess. Er war angeklagt, sich an einer mit HIV infizierten Bekannten vergangen zu haben. Zuma wurde freigesprochen, aber viele Südafrikaner waren wenig begeistert von der Affäre. Zapiro hat daraufhin mit seiner kritischen Cartoonserie begonnen. Er hat sich auf Zumas blödsinnigen Kommentar konzentriert, dass er sich nach dem Geschlechtsverkehr geduscht und das HI-Virus somit weggewaschen habe. Zapiro zeichnet Zuma deshalb immer mit einer Dusche über dem Kopf. Zuma stellte Strafantrag gegen Zapiro: Er fühlt sich im Recht, weil er zuvor von allen Vorwürfen freigesprochen wurde. Zumas Ausspruch, dass Medien in Zukunft nicht ungeschoren davon kommen, ist als Warnung für die Presse gedacht, dass sie künftig für Gedrucktes haftbar gemacht werden kann. Nichtsdestotrotz hat sich die Satire-Intoleranz in der regierenden Partei entwickelt. Ich denke, dass Komik und Humor stärker gefährdet sind als die Pressefreiheit.
David Fleminger lebt als Schriftsteller und Regisseur in Johannesburg, Südafrika. Er hat neun Reisebücher über das südliche Afrika geschrieben und arbeitet darüber hinaus in der TV- und Theaterbranche. In seinem Blog "In My Humble Opinion" ('Meiner bescheidenen Meinung nach') schreibt er ungezwungen über Dinge, die ihn interessieren und/oder nerven. Darin geht es unter anderem um Film, Medien und Politik, konkret auch mal um das merkwürdige Verhalten der Medienbeauftragten der Regierung gegenüber einem Journalisten. Sein Blog gehört zwar zur Website der südafrikanischen Zeitung "The Times", dennoch sei Fleminger nach eigener Aussage komplett unabhängig in seiner Kommentatoren-Funktion. Bitte erläutern Sie das Verhältnis von Zuma und der Presse noch etwas genauer.
Zuma war in verschiedene Prozesse verwickelt, wurde zuletzt aber immer freigesprochen – sicherlich auch wegen seiner exzellenten Rechtsabteilung. Sein Benehmen jedoch lässt mehr als nur zu wünschen übrig. Natürlich hat die Presse viel über seine Schwierigkeiten berichtet. Manchmal haben sie ihn auch schuldig gesprochen, bevor das Gericht geurteilt hat. Zuma hat sich angegriffen gefühlt und die Presse wiederholt beschuldigt, ihm gegenüber voreingenommen zu sein. Diese aggressive Rhetorik ist nicht unüblich in Südafrika. Vielen kritischen Artikeln über die Regierung wird mit heftigen Anschuldigungen begegnet, nicht mit bedachten Argumenten. Ich nehme an, all das gehört zum politischen Spiel. Zudem gab es einen Führungskampf innerhalb der regierenden Partei. Zuma und seine Anhänger stellten sich gegen den ehemaligen Präsidenten Thabo Mbeki. Ein Ergebnis dieser ziemlich hässlichen Auseinandersetzung war, dass alle Kritik an Zuma in der Regel als "Propaganda" von Pro-Mbeki Gruppen abgetan wurde. Und in der Tat gibt es Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass die Verfolgung Zumas in Teilen politisch motiviert war.
Die SABC, die öffentliche Fernsehanstalt Südafrikas, hat verweigert, ein Porträt über den Karikaturisten Zapiro auszustrahlen. Zeigt das nicht doch, dass die Pressefreiheit eingeschränkt ist? Oder sich die TV-Anstalt selbst einschränkt?
Wir müssen zwischen Presse und unserem öffentlichen Sender SABC unterscheiden. Die privatwirtschaftlich-organisierte Presse druckt auch weiterhin Cartoons von Zapiro und viele andere regierungskritische Artikel. Die SABC aber hat lange unter politischen Eingriffen gelitten. Ihre Nachrichtensendungen haben in der Folge viel an Glaubwürdigkeit verloren. Die Apartheids-Regierung hat die SABC genutzt, um Nachrichten zu zensieren. Heute nutzt die neue Regierung den Sender als unkritisches Sprachrohr. Das Problem: Der SABC-Vorstand wird direkt vom Präsidenten ernannt. Also ist es nur verständlich, dass sich die Mitglieder des Vorstands nicht die Hand abschneiden wollen, die sie füttert.
Zudem steckt die SABC inmitten einer großen Finanzkrise und hat erst kürzlich die Regierung um einen Rettungsplan gebeten. Der Vorstand musste zurückzutreten. Jetzt streiten Politiker darüber, wer ernannt werden soll. Hinzu kommen noch weitere interne Querelen, die dazu beitragen, dass die SABC nicht als glaubwürdiger, objektiver Informationsvermittler gelten kann. Ich glaube, die meisten Südafrikaner wissen das. Die Pressefreiheit ist dennoch nicht in akuter Gefahr, sie ist schließlich in unserer Verfassung verankert. Trotzdem: Die momentane Regierung ist sicher kein Fan von unabhängigen Medien. Aber könnte das nicht auch von jeder anderen Regierung der Welt gesagt werden?
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Externe Links:
Die offizielle Homepage von Zapiro
Das Blog von David Fleminger
ARD: Hintergründe zur Auseinandersetzung Zuma - Zapiro
Interview: Verena Hepperle
Übersetzung: Verena Hepperle
Teaserbild: Verena Hepperle
Cartoons: Zapiro (Jonathan Shapiro)
Foto: Marc Shoul


