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Drei Fragen an...

...Anja Viohl, Pressereferentin von Reporter ohne Grenzen, zur Lage zweier in Nordkorea inhaftierter Journalistinnen. Am 4. Juni erwarten die Amerikanerinnen Laura Ling und Euna Lee ihr Urteil in Pjöngjang. Die beiden Journalistinnen wurden im März in nordkoreanischem Grenzgebiet festgenommen. Anja Viohl glaubt nicht an einen fairen Prozess. Auch die Umstände der Festnahme seien nicht vollständig geklärt.

Lees und Lings Recherchen an der Grenze Nordkoreas brachten sie in Gefahr.

Medien Monitor: Wegen welcher Vergehen sind Ling und Lee in Nordkorea angeklagt?

Anja Viohl: Die nordkoreanischen Behörden werfen den beiden Journalistinnen illegale Grenzüberschreitung, Spionage und feindliche Aktivitäten vor. Angeblich befanden sich Laura Ling und Euna Lee zum Zeitpunkt ihrer Festnahme durch nordkoreanische Grenzwachen am 17. März in der Nähe des Tumen-Flusses bereits auf dem Territorium der Demokratischen Volksrepublik. Diese Behördenangaben sind jedoch keinesfalls gesichert. Anderen Quellen zufolge haben die Grenzbeamten den Grenzfluss Tumen überquert, während Ling und Lee am chinesischen Ufer Filmaufnahmen gemacht haben.

Euna Lee und Laura Ling arbeiten für den amerikanischen Onlinesender Current TV. Während ihrer Recherchen über Flüchtlinge und Menschenhandel an der nordkoreanischen Grenze zu China wurden die beiden festgenommen und in Pjöngjang, Nordkoreas Hauptstadt, verhört. In zwölf Wochen Haft durften sie nur einmal Besuch empfangen. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden Journalistinnen aus politischen Gründen in Nordkorea festgehalten werden. Aus westlicher Sicht kann dies neben den Nukleartests der vergangenen Wochen als weiterer Versuch gewertet werden, die amerikanische wie internationale Aufmerksamkeit auf das Land zu lenken. Euna Lee und Laura Ling drohen möglicherweise fünf- bis zehnjährige Haftstrafen in nordkoreanischen Arbeitslagern.

Besteht Hoffnung auf ein mildes Urteil oder gar darauf, dass die Forderung von Reporter ohne Grenzen erhört wird?

Es ist stark zu bezweifeln, dass es einen fairen, transparenten Prozess für die beiden Journalistinnen geben wird. Wir hoffen jedoch weiter, dass die Behörden und die Regierung nach den zahlreichen internationalen Appellen und Petitionen letztendlich für eine Freilassung entscheiden.

Wie ist die Lage von Journalisten, die in Nordkorea oder im Grenzgebiet recherchieren?

Nordkorea gehört zu den Ländern mit den weltweit schwierigsten Arbeitsbedingungen für ausländische Journalistinnen und Journalisten. Auch die Recherche in chinesischen Provinzen an der nordkoreanischen Grenze erweist sich als gefährlich - selbst für einheimische Medienmitarbeiterinnen und Medienmitarbeiter. Süd- und nordkoreanische Journalisten, die häufig in der Grenzregion arbeiten, berichten, dass es sehr riskant sei, zu Themen wie Flucht und Grenzhandel zu arbeiten. Nach den Angaben der Journalisten führt die chinesische Polizei beispielsweise Razzien durch, dazu kommen verdeckt ermittelnde nordkoreanische Agenten.

Interview: Verena Hepperle
Bild: Reporter ohne Grenzen

Veröffentlicht: 02.06.2009
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