Die jungen Podcaster
Jugendliche, die sich in ihrer Freizeit viel mit Computern beschäftigten, verschließen sich vor der Realität, sind Einzelgänger und wenig intelligent. Dieses Klischee hat nun eine Studie des Münchener Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis widerlegt, jedenfalls was Podcaster und Internetradio-Interessierte betrifft. Ein spannendes Ergebnis, das die pädagogische Medienarbeit für sich nutzen will.
München. "Die pädagogische Medienarbeit stürzt sich auf das Thema Podcasten, weil mit wenigen Mitteln ein großer Effekt erzielt werden kann", sagt Achim Lauber, der zusammen mit Ulrike Wagner und Helga Theunert die Studie "Internetradio und Podcasts – neue Medien zwischen Radio und Internet" verfasst hat. Die Jugendlichen brauchen lediglich einen Computer, ein Mikrofon und einen MP3-Player oder ein Diktiergerät. Schon können sie ihre eigene Sendungen produzieren. Das fördert ihre Kreativität und stärkt nicht zuletzt auch das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Schließlich haben sie beim Podcasten nicht nur ein Produkt, das sie selbstständig gestalten können, sondern auch ein interessiertes Publikum. Das zeigt das Beispiel des geschichtsbegeisterten Teenagers David Weitz. Seine Castgeschichte(n) sind bei den Hörern so beliebt, dass er im Januar beim Deutschen Podcast-Award sogar schon einen Publikumspreis in der Kategorie Jugend gewonnen hat. Seine Zuhörerzahl geht teilweise bis in den vierstelligen Bereich.
Kein neuer Effekt, dafür viel Spaß
"Man folgt hier der Mode", urteilt Bernd Schorb, Professor für Medienpädagogik an der Universität Leipzig, der sich mit der Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt. "Das Thema Podcasts ist zurzeit in aller Munde. Nicht nur die Jugendlichen interessieren sich dafür, sondern auch die Pädagogen selbst."
135 junge Menschen im Alter zwischen zehn und 27 Jahren sind für die Studie im Internet befragt worden. Dazu haben die Macher der Studie ihren Fragebogen auf bestimmten jugendrelevanten Internetseiten verlinkt, die in der Regel von medienbegeisterten Jugendlichen besucht werden. Zwar entsprechen die Befragten nicht dem Durchschnitts-Teenager. Ihr Verhalten lässt jedoch darauf schließen, wie Jugendliche auch in Zukunft wohl mit der neuen Technologie umgehen werden.
Wie effektiv die Medienarbeit mit Jugendlichen letztlich ist, hängt von dem jeweiligen Pädagogen ab, sagt Schorb. So könne man im Prinzip auch mit Radio, Fernsehen und Print ähnliche Ergebnisse, wie beim Podcasten erhalten. "Das Projekt muss ein klares Ziel verfolgen und wertvolle Inhalte haben. Ansonsten gibt es überhaupt keinen Effekt." Danach kann man also einige Ergebnisse der Studie auf andere Medien übertragen: Die Anerkennung für die Medienarbeit stärkt das Selbstbewusstsein der Jugendlichen und gibt ihnen das Gefühl, in die jeweilige Medienszene sozial eingebunden zu sein. "Es macht mir irre viel Spaß im Studio zu stehen, ins Mikrofon zu sprechen, den Fader hochzuziehen, Musik zu spielen. Das ist mein Ein und Alles", sagt zum Beispiel ein 13-jähriger Podcaster, der an der Studie teilgenommen hat. "Wenn ich gerade Radio mache, bin ich glücklich. Es gibt mir Kraft."
Vom Lieblingspodcast zur Eigenproduktion
Und ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt: Die Mitglieder der jungen Podcastergeneration sind intelligent, begeistern sich für Medien und Technik und verfolgen auch sonst viele Hobbys. Oft sind es ihre vielfältigen Interessen, die sie zu bestimmten Podcasts führen. In speziellen Portalen wie beispielsweise podcast.de erfahren sie, welche Podcaster Audiodateien zu ihren Interessengebieten produzieren. Von American Football über Gitarrenmusik bis hin zu Science Fiction ist alles dabei. Auf diese Weise haben die meisten der Befragten aus der Studie schließlich ihren Lieblingspodcast gefunden. Dabei schätzen sie besonders, dass sie sich den Podcast anhören können, wann immer sie wollen. Und auch die interaktive Möglichkeit, den Podcastern Feedback zu geben, nutzen sie regelmäßig. Wer zu seinem Lieblingsthema nicht nur die Audiodateien von anderen hören möchte, sondern selbst etwas dazu zu sagen hat, kann bereits mit geringem technischen Aufwand gleich selbst zum Podcaster werden. So wie der junge Podcaster David Weitz mit seinen beliebten Castgeschichte(n).
Flucht in die Anonymität?
Auf den ersten Blick kann es problematisch erscheinen, dass junge Menschen sich ihr Publikum lieber im Netz als in der Realität suchen. Achim Lauber hat jedoch während der Arbeit an der Studie ausschließlich Jugendliche kennen gelernt, die auch im realen Leben sozial eingebettet und sehr kommunikativ sind. "Dass sich die jungen Produzenten ihr Feedback bei Personen im virtuellen Raum holen, liegt lediglich daran, dass ein Interesse an Internetradios und Podcasts in ihrer Altersgruppe zurzeit noch eher exotisch ist. Im realen Leben gibt es nicht allzu viele Gesprächspartner für dieses Thema." Wann Internetradios und Podcasts die breite Masse erreichen werden, hängt nach Ansicht von Lauber vor allem auch von der Popularität der Podcastportale ab. "Sobald es bei einem Portal wie MySpace mehr Audiodateien gibt, wird automatisch der Bekanntheitsgrad der neuen auditiven Angebote steigen." Vielleicht wird Podcasten also schon bald zum Schulhofthema Nummer Eins.
Ergebnisbericht der Explorationsstudie zu Internetradio und Podcasts
Website des Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
Podcastcommunity und Verzeichnis Podcast.de
Text: Julia Siekmann, Bilder: flickr.com/mr brown, flickr.com/swruler9284, Julia Siekmann, Teaserbild: "Michaela Zimmermann" / jugendfotos.de, Ton: David Weitz




2. Juni 2010Bamboleee! Ich liebe Skateboards. Decks sind ja schon fast die Sticker uresner Generation. Wurde am liebsten meine Wand vollkleben. Mehr davon.