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Kolumne im SZ-Magazin

Die interaktive Reise-Reporterin

Nachdem sie bei "Wer wird Millionär?" eine halbe Million Euro gewonnen hat, reist SZ-Kolumnistin Meike Winnemuth als Reise-Reporterin um die Welt. Das Besondere: Ihre Aufträge bekommt sie unter anderem von ihren Lesern.

Ein Jahr lang reist Meike Winnemuth als Kolumnistin um die Welt.

Sydney. Meike Winnemuth ist freie Print-Journalistin. Sie schreibt Kolumnen für Geo Saison, Myself, Architektur & Wohnen und das SZ-Magazin, ist Autorin bei Feinschmecker, Merian und Cosmopolitan und Textchefin bei Geo-Sonderveröffentlichungen. "Ein guter Mix", sagt sie selbst. Doch in diesem Jahr hat sie ihre Karten privat und beruflich neu gemischt und geht auf Weltreise.

Sydney im Januar, Buenos Aires im Februar, Mumbai im März. Von unterwegs berichtet sie für mehrere Medien von ihren Erlebnissen. Das SZ-Magazin hat sich für ihre Kolumne jedoch etwas Besonderes überlegt und einen Aufruf an seine Leser gestartet. Sie sollen Meike Winnemuth Hausaufgaben geben und entscheiden, über was die Kolumnistin berichtet, was sie erlebt. "Haben Sie letztes Jahr Ihre Sonnenbrille in einem Café in Sydney vergessen? Haben Sie in einem Plattenladen in Tokio einmal eine Single gesehen, die Ihnen seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht? Suchen Sie jemanden, der in Buenos Aires an der Tür des argentinischen Austauschschülers klingelt und einen verspäteten Liebesbrief abgibt? Gibt es in Mumbai noch jemand, der Ihnen Geld schuldet und nachdrücklich an seine Zahlungsverpflichtungen erinnert werden sollte?" fragt die Redaktion und fordert nach Arbeitsaufträgen für "Meikes Reisebüro".

Die Reiseroute

Januar: Sydney
Februar: Buenos Aires
März: Mumbai
April: Tokyo
Mai: Shanghai
Juni: London
Juli: Kopenhagen
August: Riga
September: San Francisco
Oktober: Tel Aviv
November: Addis Abeba
Dezember: Havanna

Schluss mit Endlos-Idylle

Ein neues Konzept: Statt die ewig malerischen Strände, die dauerhaft idyllische Landschaft und das konstant klare Meerwasser (wahlweise türkis- oder azurblau) zu beschreiben, sollen Reiseberichte so eine ganz persönliche Note bekommen. "Erstaunlich viele" Aufträge seien bereits eingegangen.

Bei "Wer wird Millionär?" gewann die Journalistin 500.000 Euro.

Darunter: "Eine verflossene Liebe von 1968 in Tokyo aufspüren, einen verlorenen Ehering am Cogee Beach suchen, ein Bambus-Fahrrad in San Francisco bauen." Meike Winnemuth freut sich auf die Aufgaben, auch wenn sich bislang keiner wünscht, die Strandliegen oder die Gourmet-Weine der Welt zu testen. Gibt es auch einen Wunsch, den sie nicht erfüllen möchte? "Nö. Ich mache alles, was ich schaffen kann und interessant finde. Ich kann Dinge sehen und Menschen treffen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte, das kann spannend werden."

Erfahrung mit Experimenten

Meike Winnemuth scheut sich auch sonst nicht vor Experimenten. In ihrem "Das kleine Blaue"-Blog schrieb sie darüber, ein Jahr lang jeden Tag ein blaues Kleid zu tragen. "Ich habe wie viele Frauen die Erfahrung gemacht, dass sich mein Kleiderschrank immer gefüllt hat - ohne, dass ich ihn wirklich genutzt habe. Also dachte ich: Wie ist es, wenn man sich ein Jahr mal sehr beschränkt? Was macht das mit einem, ist das nur Verzicht oder vielleicht auch Befreiung?" Teil des Experiments war auch die Aktion "und tschüß". Jeden Tag hat sie sich von einem Ding getrennt. "Ich war selbst überrascht, wie leicht mir das gefallen ist und wie befreiend ich es fand, auch noch am Ende des Jahres". Deshalb reise sie nun auch mit kleiner Garderobe. "Acht Teile, die alle kombinierbar sind, plus ein paar T-Shirts - das war?s."

Wie experimentierfreudig muss man als Kolumnistin sein? "Man muss als Mensch experimentierfreudig sein", findet Meike Winnemuth. "Die Welt ist so ein spannender Ort. Ich fände es kriminell, nicht jede Gelegenheit zu nutzen, etwas Neues auszuprobieren."

Zur Person

Die 50-jährige Hamburgerin startete ihre journalistische Karriere an der Henri-Nannen-Schule. Sie arbeitete als Talkshow-Redakteurin bei RTL und zog nach dem Mauerfall nach Berlin, wo sie bei NBI/Extra-Magazin tätig war. Später wechselte sie zum Stern, wo sie vier Jahre im Unterhaltungsressort schrieb und es ein Jahr verantwortete. Es folgten neun Jahre als Redakteurin und Kolumnistin bei Amica, zwei Jahre Park Avenue als stellvertretende Chefredakteurin und eine Stelle bei Cosmopolitan, ebenfalls als stellvertretende Chefredakteurin. Seit Juni 2010 arbeitet sie als Pauschalistin beim SZ-Magazin und pendelt zwischen Hamburg und München.

Ihre Autoren-Laufbahn mit dem Geld-Gewinn im Oktober zu beenden, kam für Meike Winnemuth daher nicht in Frage -

Ein Jahr im "kleinen Blauen".

auch wenn Günther Jauch, der ebenfalls zu ihren Lesern zählt, sie förmlich dazu drängte. "Warum sollte ich? Ich liebe meinen Job, ich habe den schönsten Beruf der Welt." Was führte sie also in eine Fernseh-Show? "Ich habe schon früher an Quizshows teilgenommen, nämlich immer dann, wenn das Geld knapp wurde - als Studentin zum Beispiel", erzählt sie. Schließlich sei es "eine der elegantesten Arten schnell und legal an Geld zu kommen. Steuerfrei." Ihre Reisepläne hätte sie ohne den Gewinn nicht verwirklicht, auch wenn sie ihn kaum zu brauchen scheint. "Das Geld hilft mir lediglich mich zu trauen, ein Sicherheitsnetz zu haben. Dann gebe ich dem Zufall eine Chance."

Zwölf Länder in zwölf Monaten

Ihre erste Aufgabe auf ihrer einjährigen Weltreise, in der sie zwölf Länder in zwölf Monaten bereist, hat sie sich selbst gegeben: Ukulele spielen. Und zwar "Waltzing Mathilda" bei "You can Ukulele", ein Massenevent im Rahmen des beliebten Sydney-Festivals. Dafür musste sie erst einmal einen Sydneysider finden, der ihr eine Ukulele leiht. Jetzt übt sie in ihrem gemieteten, möblierten Apartment, oder draußen, in der Sommersonne der Südhalbkugel. Gar nicht so einfach - "zum Glück hat das Lied nur drei Akkorde".

Erste Aufgabe: Ukulele spielen.

Wie aus den kleinen Missionen der Mitbringsel-Reportagen journalistische Produkte werden, steht noch nicht fest. "Die Form muss ich noch finden", sagt die Kolumnistin. Ab Heft 6 (Erscheinungstermin 11. Februar) soll´s losgehen, im SZ-Magazin. Ihr Reiseblog ist hingegen schon prall gefüllt mit Fotos, Berichten und Gedankenschnipseln - ihr "Privatvergnügen", sagt sie. Daneben arbeitet sie frei für zahlreiche weitere Auftraggeber, deren Wünschen sie kaum nachzukommen scheint. Im besten Fall eine Rechnung plusminusnull kalkuliert sie - und die Erfüllung eines Lebenstraums.

Weiterlesen

Meike Winnemuths Reiseblog "Vor mir die Welt"

Reiseberichte auf Facebook verfolgen

Ein Jahr "das kleine Blaue"

Interview mit Meike Winnemuth zu ihrem Kleid-Projekt auf Youtube

Was Journalisten von Meike Winnemuth lernen können, schreibt die "Profilagentin"

Cosmopolitan-Bericht über "das kleine Blaue"

Meike Winnemuth bei "Wer wird Millionär?"

Text: Sarah Hinderer
Fotos: Axel Zajacek, RTL, privat

Veröffentlicht: 28.01.2011
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