Wissenschaftsjournalismus
Die doppelte Krise
Wohin laufen sie denn? Auch im Wissenschaftsjournalismus ist die Krise angekommen. Zeit, sich zu überlegen, wo es in Zukunft hingehen soll - und wie. Auf der Wissenswerten 2009 stehen deshalb Richtungsdiskussionen auf dem Programm.
Kontakte pflegen, Probleme wälzen, Ansichten austauschen: Seit 2004 treffen sich Deutschlands Wissenschaftsjournalisten in Bremen auf der Wissenswerten zum beruflichen Gruppenkuscheln. Dort diskutieren sie zwei Tage lang, was den Wissenschaftsjournalismus bewegt und was sich im Wissenschaftsjournalismus bewegen muss. Dieses Jahr auf dem Programm: eine doppelte Portion Krise. Das Sparprogramm der Verlage gepaart mit dem Sparprogramm der Anzeigenkunden bedeutet in vielen Redaktionen weniger Personal und härtere Konkurrenz, sowohl um Themen als auch um Stellen. Wer Wirtschaft und Politik mit Forschungsthemen Konkurrenz machen will, muss seine Geschichte besonders gut verkaufen. Und als wäre das nicht schlimm genug, ringen auch die Wissenschaftsjournalisten um einen angemessenen Umgang mit dem Medium Online.
Aber vielleicht hat ja dieses Jahr jemand eine gute Idee? Eine Bestandsaufnahme zwischen kollektivem Wundenlecken und kreativen Lösungsansätzen.
Bild der Petrischale: Phyzome / Wiki Commons
Fotomontage: Nora Schlüter


Ich wünsche mir als Wissenschaftler aus der physikalischen Grundlagenforschung, dass man auch mal kritisch beleuchtet, was die Wissenschaftler einem alles so versprechen. Könnte sich das nicht auch gut verkaufen? Z.B. zum Stichwort Quantum Computing. Bei Drittmittelanträgen inzwischen zu einem "running joke" für die Insider mutiert, verkauft sich sowas immernoch gut in den Medien. Während es inzwischen Seminare über "Graphene - what's the point?" gibt, sind sie ein gefundenes Fressen für Wissenschaftsjournalisten. Man hätte sich einen Nobelpreis sparen können, wenn man mit dem über Kohlenstoffnanoröhrchen etwas länger gewartet hätte, aber ist wohl auch der Öffentlichkeit immer mehr verpflichtet. Und genau hier liegt die große Verantwortung des Wissenschaftsjournalismus'.