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Auch wenn Sixtus Reimann den Begriff "Selbstfindung" nicht mag, weil er ihm zu abgedroschen ist, so beschreibt dieser doch genau die Motivation, die ihn bis auf den indischen Subkontinent treibt.

Regenbogen in Indien. Foto: Sixtus Reimann
Das Symbol des Selbst: Regenbogen in Kargil.

"Hier im Himalaya, in rauer Einsamkeit, wollte ich mich selber suchen und zu mir finden, einfach den Typen, der mich jeden Morgen so zweifelnd im Spiegel angesehen hat, etwas besser kennen lernen", so beschreibt es Sixtus Reimann in einem Brief nach seiner Rückkehr selbst.

Anders sein als die anderen. Jeden Augenblick intensiv erleben wollen. Bergluft einatmen, die "so klar ist, dass Du denkst, Du kannst die Sonnenstrahlen anfassen" anstatt im klimatisierten Büro bei heruntergelassenen Jalousien vor dem Computer zu hocken. Es ist auch die Flucht vor einem vorgezeichneten Lebenslauf und einer klassischen Karriere, die Sixtus den Rucksack packen lässt.

Anders sein (355 KB / 22 Sekunden)

Diashow zur Indienreise

Kocher, Wanderstiefel, Regenjacke, zwei Kameras, 200 Filme, Bücher, Fleece, Wollsocken, Ersatzteile, Werkzeug. Die vier roten Packtaschen sind mit samt Inhalt wohlbehalten in Delhi angekommen. Am Sperrgepäckschalter wartet das blaue Treckingrad. Schläuche aufpumpen und einmal tief durchatmen. Dann rollt Sixtus zum ersten Mal durch den chaotischen Verkehr der Millionenmetropole. Todesmutige Taxifahrer, klapprige, überfüllte Busse, die ihre menschliche und tierische Last auf dem Dach transportieren, mörderische Motorradfahrer, die um heilige Kühe und langsamere Rikschas Slalom fahren: Auf der Straße gilt das Recht des Stärkeren, das lernt der Indien-Neuling schnell. Doch das kann sein Glück genauso wenig trüben wie der Smog, der wie eine bleierne Glasglocke über der Stadt liegt.

Ich war so euphorisch... ( 272 KB / 17 Sekunden)

In Indien passiert alles auf der Straße. Auch der Zahnarztbesuch.

Nachdem sich die erste Euphorie gelegt hat, muss Sixtus erkennen, dass Delhi keine Stadt aus Tausendundeiner Nacht ist, sondern ein "wüster, ekelhafter Moloch, vor allem für Fahrradfahrer vollkommen ungeeignet". Deshalb ab auf´s Fahrrad, nach Rajastahan.

Zahnärzte, die auf der Straße praktizieren, Slums, die in der Regenzeit im Schlamm versinken, Kinder, die Bonbons einzeln verkaufen anstatt in die Schule zu gehen: Die Armut ist allgegenwärtig. Doch Sixtus ist in den ersten Monaten so mit sich selbst und seiner neuen Situation beschäftigt, dass er die Schattenseiten seiner Traumdestination nicht wahrnimmt. Als er nach einigen Monaten festen Boden unter den Füßen hat, hat er sich bereits an das Elend um ihn herum gewöhnt.

Text: Anne Kynast
Fotos: Sixtus Reimann

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Veröffentlicht: 12.06.2008
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