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Die Rückkehr

"Die Erlebnisse von damals nehmen sehr schnell traumhafte, sehr entfernte Züge an", erzählt Sixtus. Deshalb hängt über seinem Bett eine Weltkarte, an der er neue Reisen plant. Er will wieder weg.

Demütig wirft sich eine Buddhistin in Lhasa zu Boden. Foto: Sixtus Reimann

Heute hängt eine Aufnahme von der Nordwand des Kailash bei Sonnenaufgang in seinem Wohnzimmer. "Die Erlebnisse von damals nehmen sehr schnell traumhafte, sehr entfernte Züge an", erzählt Sixtus. Deshalb hängt über seinem Bett eine Weltkarte, an der er neue Reisen plant. Er will wieder weg. Denn die Asien-Reise ist für ihn mehr als eine schöne Erinnerung. Sie hat ihn verändert.

Mein eigener Weg ( 434KB / 27 Sekunden)

Sixtus hat viel erlebt. Auch diesen Maskentanz in Karsha. Foto: Sixtus Reimann

24. November 1999: Wie im Drogenrausch schwebt Sixtus Reimann durch die verstopften Straßen Delhis, zum letzten Mal für lange Zeit, denn am nächsten Morgen geht sein Flieger. Delhi-Kuwait. Kuwait-Frankfurt. Obwohl er über Nacht fliegt, macht Sixtus kein Auge zu. Die Maschine landet im Nieselregen. Lagerhallen, Glaswände, eine Armada von Lufthansa-Jets, das alles verschwimmt für Sixtus zu einer tristen, ziemlich unwirklichen Szenerie. Seine Beine sind klapprig, gut 36 Stunden ohne Schlaf und bis in den Grenzbereich aufgedrehte Stimmung hinterlassen ihre Spuren. Die übliche Easy-Listening-Musik und die obligatorisch lächelnden Stewardessen, ein ganz normaler Flug und doch so anders: Diesmal empfängt den Reisenden nach der Landung keine strahlende Tropensonne, keine Klimaanlage surrt angestrengt vor sich hin, kein neuer Stempel ziert den Reisepass, er ist nicht in Kathmandu, Rangun oder Hong Kong gelandet, sondern in Frankfurt am Main.

Am Ende einer einzigartigen Reise bleibt nur die Erinnerung. Foto: Sixtus Reimann

Die roten Packtaschen kommen schnell, auch das Fahrrad steht schon am Sperrgepäckschalter. Sixtus pumpt die Reifen auf, hängt die Packtaschen ein, und fährt sich noch einmal durch die etwas unordentlichen, aber geschnittenen Haare. Ein kurzer Blick zum Zollbeamten, er winkt ihn durch, die Schiebetür aus Mattglas öffnet sich, wenn er durch sie hindurch ist, wird ein Lebensabschnitt vorüber sein. Die Tür ist auf, ohne zu gucken schiebt er das Rad an der Absperrung entlang. Sein Bruder hat ihn längst entdeckt und stürmt auf ihn zu, natürlich ist er nicht wie abgesprochen alleine gekommen, sondern auf Sixtus wartet ein ganzes Empfangskomitee, sein Freunde, seine Familie. Er ist wieder daheim.

Text: Anne Kynast
Fotos: Sixtus Reimann

Veröffentlicht: 21.07.2008
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