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Internet-TV

Die Rampensau als Glücksschwein

Experten prophezeien schon lange den "digitalen Tsunami", der Deutschland verschlingen wird - zumindest die klassischen Medien. Gestützt wird diese These durch die Nutzungsstudie der Medien des Allensbacher Instituts für Demoskopie. Doch die Rampensäue können aufatmen, ja mitunter sogar siegessicher grinsen: Sie werden in Zukunft nicht nur auf dem TV-, sondern auf jedem Bildschirm um die Wette strahlen.

Die Rampensau ist ein echtes Glücksschwein - im TV und Netz.

Dortmund. Der Trick ist denkbar einfach: Die TV-Macher bieten ihr Programm nicht nur via Kabel und Satellit auf dem handelsüblichen Fernseher an, sondern wandern mit den gleichen Inhalten ab ins Netz. Kostenpunkt: genügend Speicher. Einnahmen: starker Zuwachs an Zuschauern zwischen 14 und 29. Letztere sind laut der "Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA)" nämlich diejenigen, die sich massenhaft Online-Filmchen auf YouTube und Co. reinziehen und bei denen das Internet schon jetzt eine größere Rolle als der Fernseher spielt.

Der Kampf zwischen TV und Internet könnte ein Doppelsieg werden.

Dass die Qualität im Internet ohne eine eingebaute TV-Karte, die TV-Signale am PC-Bildschirm oder auf der Festplatte aufzeichnen kann, teilweise etwas "grobkörnig" daherkommt, scheint bei der jungen Alterskohorte kaum von Belang: Hauptsache, man kann die letzte Folge der Model-WG downloaden, die man verpasst hat, weil der olle Papa zur gleichen Zeit Fußball sehen wollte und der Videorekorder wieder mal falsch eingestellt war. Und die Püppchen, denen es die jungen Küken auf dem Laufsteg der Zukunft gleichtun wollen, sehen zum Glück auch "grobkörnig" so langweilig perfekt wie immer aus. Doch à propos Fußball: Auch für den lieben Papa, der seiner quengeligen und vorlauten Prinzessin den Vortritt lässt, bietet das Internet eine Zuflucht: So übertragen beispielsweise das ZDF die Pokal- und Länderspiele sowie Sat.1 die Spiele der Champions League via Livestream ins Netz. Ach, herrlich — der Abend ist gerettet! Und auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat die Zeichen der Zeit längst erkannt; so stellt das ZDF allen Wissbegierigen jede Folge von heute, heute journal und heute nacht im Internet zum individuellen Abruf bereit. Die Rechnung dürfte aufgehen: Egal, ob der Sender seine Reichweite nun durch den Zuschauer am TV-Bildschirm oder den User am Laptop erhöht: Die Preise für Werbeflächen steigen auf diese oder jene Weise.

Fernsehsender auf einen Klick

Das Kräftemessen zwischen Internet und TV ist wohl sinnlos.

Da sich der Fernsehzuschauer im Internet weiß Gott nicht verirrt hat, sondern in unserer globalisierten Welt immer öfter auf diese Möglichkeit der Informationsbeschaffung zurückgreift (weil er auf Reisen nur selten seinen 42-Zoll-Full-HD-Fernseher im Handgepäck verstaut), haben schlaue Menschen schlaue Software entwickelt: So gibt es beispielsweise die Fernseh-Software Zattoo, mit dessen Player sich der User beispielsweise alle öffentlich-rechtlichen Sender, das DSF und CNN auf die Fläche des gesamten Bildschirms übertragen lassen kann. Kostenpunkt: 5 Euro — also rund zwei Döner — für ein Vierteljahr. Das Ganze geht auch kostenlos, dann allerdings auf einem kleineren Bildschirmausschnitt, der direkt auf der Website von "Zattoo" angezeigt wird. Ideal ist dieses Programm für alle Tatort-Fans, die beispielsweise für ein Erasmussemester im Ausland sind und auf ihre Lieblingskommissare nicht verzichten wollen. Oder für alle Basketball-Fans, die nur Kabel- oder DVB-T-Signale auf ihrem Fernseher empfangen und daher kein DSF an den Start kriegen — der einzige deutsche Sender, der Basketball-Bundesligaspiele live überträgt.

Drei gute Gründe für das Überleben von TV

Zumindest für die Oma bleibt der Fernseher das Größte!

Doch trotz dieser Entwicklung müssen sich die Fernsehmacher und -journalisten keine Sorgen machen: Es gibt immer noch einen sehr großen Teil der Bevölkerung jenseits der 50 (rund ein Fünftel der Bevölkerung ist über 65 Jahre alt), dem man nur sehr schwer erklären kann, dass die Distanz bei Gesprächen im Inland keinerlei Rolle mehr spielt (Flatrate = böhmische Dörfer für Menschen ab 60+). Diese Alterskohorte wird noch sehr lange auf der Couch vor dem "good old" Röhrenbildschirm kleben bleiben, denn bekanntlich stirbt die Oma ja schon seit 50 Jahren und wird wohl auch noch weitere 50 Jahre lang sterben…

Zweitens können die Fernsehsender mit ihrem Angebot ins Internet abwandern, denn Speicherplatz wird immer günstiger. Vielleicht sinken mit der Zeit die Werbeeinnahmen im TV-Sektor etwas, weil die von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) ermittelte Seh- und Verweildauer abnimmt. Auf der anderen Seite können die Sender aber höhere Preise für die Werbung auf ihrer Website verlangen, weil die von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) ermittelten Klickzahlen deutlich steigen werden. Düstere Zukunftsszenarien klingen anders.

Die Rampensau steht keinesfalls auf des Messers Schneide.

Ein dritter Punkt für die Stärke von Fernsehsendern betrifft den Werbemarkt: Auch wenn sich die Werbeeinnahmen im Online-Sektor erhöht haben und Web 2.0 zum drittstärksten Medium im relevanten Werbemarkt avancierte, ist die Nase des TV-Mediums dennoch deutlich länger. Auch wenn das Internet wohl in naher Zukunft die Zeitung in punkto Werbung überholen wird - Fernsehsender könnten den digitalen Sturm mit ein wenig Mut zu ihrem eigenen Vorteil nutzen und in naher Zukunft schlicht und einfach auf zwei Hochzeiten tanzen und feiern.

Sport und Film als rechtliche Grauzonen

Live-Streams - die günstige Alternative zum Spiel im Stadion.

Wer kennt sie nicht, die semi-legalen Online-Filmportale wie Kino.to und Cine.to, auf denen teilweise aktuelle Kinofilme in sehr guter Qualität zum Download oder als Direktstream angeboten werden. Ähnlich beliebt ist die schönste Nebensache der Welt, genauer gesagt Online-Sportportale wie LiveTV und Rojadirecta, die auf Fußballübertragungen (live) spezialisiert sind. Semi-legal? Ja, sagt der Medienrechtsanwalt Tobias Strömer, der sich seit elf Jahren mit Internetrecht beschäftigt. Im Gespräch mit dem Journalisten Florian Riesewieck stellt der Anwalt klar: Wer auf einer ausländischen Seite Sportereignisse (oder Filme) ansieht, kann das reinen Gewissens tun. Anders sieht das allerdings aus, wenn für den Zuschauer klar erkennbar ist (sein muss), dass der zur Verfügung gestellte Stream illegaler Natur ist — beispielsweise, wenn das "sky"-Logo im Bild eingeblendet ist, also das Logo eines bekannten Pay-TV-Senders. Von so genannten "Tauschbörsen" sollte der User prinzipiell die Finger lassen; zumindest vom "Upload", denn dann tritt er ohne gültige Lizenz als Händler in Erscheindung - und dieser Akt wird schon seit Jahren verfolgt und hart bestraft.

Ob diese Online-Portale der Kino-, Sport- und Filmindustrie immensen Schaden zufügen, wie immer behauptet wird, sei dahingestellt. Fakt ist, dass gerade für diesen Bereich wahnwitzige Summen ausgegeben werden - das Geld scheint also in (oft überflüssigen) Mengen vorhanden zu sein. TV-Sender sind davon jedenfalls kaum betroffen: Mit der richtigen Strategie und einem erweiterten Angebot im Web 2.0 kann das Fernsehen vom prophezeiten "digitalen Tsunami" profitieren. Auf welchem Übertragungsweg die Zuschauer und User die Rampensäue vor dem Bildschirm begutachten, begaffen und bewundern, dürfte künftig kaum von Belang sein. Es gilt die Devise: Komplementarität statt Konkurrenz. Internet vs. TV = Net-TV!

Veröffentlicht: 01.03.2010
3 Kommentare
answer #1) Affiliate Marketing Blog homepage - 01.07.2010 - 21:15

Im Ausland sind leider fast alle Sender nicht verfügbar via Zattoo. Das ist leider der Nachteil dabei.

answer #2) Laura homepage - 06.09.2010 - 21:02

Sehr interessanter Artikel.

Eine gute Kino.to Alternative ist zb auch g-stream.in sind einige tausend movies online. Im allgemeinen werden Movie Streams irgendwann den TV ablösen. Wer will nicht alles gucken WANN man möchte?

answer #3) reVierphone homepage - 06.09.2010 - 21:09

Ich finde es wurde noch keine Seite für Handy Kino vorgestellt und zwar unter www.colour-crash.com/revierphone/ findet ihr eine gute Liste mit den besten Handy Movie Seiten.

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