Die Rache des Stefan Aust
Sieben Monate ist es her, dass Stefan Aust den Spiegel-Chefsessel verlassen musste. Nun hat er zum verbalen Gegenschlag ausgeholt. In einem Porträt der Zeitschrift Cicero rechnete er mit seinem alten Arbeitgeber ab. Inklusive beißender Bemerkungen über ehemalige Kollegen und einer SPD-Verschwörungstheorie.
Hamburg. Ein Gespräch mit Folgen: In ihrer Juli-Ausgabe druckte die Zeitschrift Cicero einen
Artikel ihres Autors Erich Wiedemann. Dieser war zu Besuch beim langjährigen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, der im November 2007 nach vielen Querelen seinen Arbeitsplatz verloren hatte. Gleich zu Beginn des Porträts der Satz :"Nachtreten sei nicht seine Art". Aber Aust tat es dann doch.
"Die machen das eben auch so gut, wie sie können", urteilte er über die Arbeit seiner beiden Nachfolger, Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo. Weiter beschwerte er sich über "denkfaule Ressortleiter", über "seinen zweiten Vize, einen Mann, der schöne Bücher schreibt und der sich ansonsten in Pflichtbewusstsein übt", klagte darüber, dass das Blatt ihm politisch zu korrekt geworden sei. Zwar "hatte er selbst auch flaue Phasen. Aber von den anderen sei fast gar nichts gekommen".
"Dieses Gespräch war sicherlich ein Fehler"
"Das hat mich schon überrascht. Es hat mich aber vor allen Dingen gefreut, ihn dermaßen undiplomatisch zu erleben, und er scheint ja doch irgendwie immer noch bewegt zu sein von seinem Abschied, von seinem Rausschmiss beim Spiegel", sagt Oliver Gehrs, Autor des Buches "Der Spiegel-Komplex", im
Interview mit dem NDR-Medienmagazin Zapp. Und auch Hans Leyendecker meint: "Ich bin erstaunt, dass Stefan Aust dieses Gespräch überhaupt gemacht hat. Er ist jemand, der sehr vorsichtig war, der immer versuchte, keinen Fehler zu machen, den man ihm nachweisen kann. Und dieses Gespräch war sicherlich ein Fehler."
Stefan Aust war seit 1994 Chefredakteur des Spiegel. Herausgeber Rudolf Augstein setzte sich damals mit dieser Entscheidung gegen die Mitarbeiter KG durch. Im November 2007 war nach 13 Jahren jedoch Schluss. Überraschend wurde bekannt, dass Austs Vertrag nicht verlängert wird. Die Initiative zu dieser Entscheidung ging von der Mitarbeiter KG aus, die Mehrheitseigentümer des Spiegel-Verlags ist. Im Februar 2008 wurde Aust schließlich abberufen und freigestellt. Er erhielt eine Abfindung von etwa vier Millionen Euro. Bis Ende des Jahres läuft noch eine Klausel, die ihm untersagt, bei Konkurrenzunternehmen zu arbeiten.
Leyendecker war selbst für den Spiegel tätig, hat ihn aber vor elf Jahren verlassen und ist zur Süddeutschen Zeitung gewechselt. Gekündigt hat er damals wegen Stefan Aust. Und er soll nicht der einzige gewesen sein, den der ehemalige Spiegel-Chefredakteur aus dem Haus geekelt hat.
Alles Legende, behauptet hingegen Stefan Aust im Cicero-Gespräch. Er fühle sich schon alleine von dem Namen provoziert. "Der Mann wird doch überschätzt." Viele Leyendecker-Geschichten seien in Wahrheit von Georg Mascolo recherchiert worden.
SPD soll am Rausschmiss beteiligt sein
Es waren aber nicht nur diese Äußerungen, die für Aufregung in der Medienwelt sorgten. Laut Wiedemann hatte der ehemalige Chefredakteur eine "aparte, aber nicht unplausible Theorie" darüber, wer dafür gesorgt hat, dass er seinen Platz beim Spiegel räumen musste: Die SPD soll es gewesen sein. "Die Sozialdemokraten hatten gute Gründe, Aust zu verabscheuen. Im Bundestagswahlkampf 2005 hatte er Angela Merkel favorisiert", schreibt Wiedemann. Und weiter: "Damit ihnen das nicht wieder passierte, so meint Aust, hätten die Prinzipalen im Berliner Willy-Brandt-Haus beschlossen, einen Mann ihres Vertrauens in die Spiegel-Chefetage zu lancieren." Gemeint ist damit der jetzige Geschäftsführer Mario Frank.
Beginn des Aust'schen Rachefeldzugs?
Von dieser Aussage will Aust nun nichts mehr wissen. Laut Zapp droht er Cicero jetzt sogar mit dem Promi-Anwalt Matthias Prinz. Allerdings auch nur wegen des Abschnitts über die SPD. Autor Wiedemann soll ihn falsch verstanden haben. "Das glaube ich nicht, dass ich den falsch verstanden habe, denn er hat es viel ausführlicher geschildert, als es dann Niederschlag gefunden hat im Heft. Und ich hatte nicht den geringsten Zweifel daran, dass er davon überzeugt war", erzählt Wiedemann im Gespräch mit dem Medienmagazin. Zumal er sich alle wörtlichen Zitate von Aust habe genehmigen lassen. Auch das, in dem dieser sich dazu äußert, dass die Mitarbeiter nun auch Frank loswerden wollen: "Das ist so wie in der Komödie: Wie werd ich meinen Auftragskiller wieder los."
Für die
Süddeutsche Zeitung ist dieses Porträt erst der Anfang des Aust'schen Rachefeldzugs. Bis Ende des Jahres läuft noch die Konkurrenzklausel in seinem Trennungsvertrag. "Dann aber könnte der Veteran so richtig loslegen", schreibt sie. Und der Cicero-Artikel sei ein Hinweis, dass er genau dies tun will. "Er erklärt dem Spiegel den Krieg. Er will noch einmal zeigen, was eine Harke ist."
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Text: Birte Penshorn
Fotos: Spiegel, Cicero
Teaserfoto: Spiegel
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