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Die Nacht, in der ich einen Besen baute

Mit einer Lampe am Besenstiel ist das Fliegen viel sicherer.

In der Häuserrangliste steht Slytherin derzeit auf dem dritten Platz: Weit vor Hufflepuff, aber hinter Ravenclaw und Gryffindor. Ich würde so gern dazu beitragen, dass die Slytherin-Punktzahl steigt, aber meine Lehrerin meldet sich nicht auf meine Hausaufgaben und vorher gibt es keine Punkte. Wahrscheinlich hat sie im richtigen Leben gerade viel zu tun – je nach Alter könnte sie gerade damit beschäftigt sein, für eine wichtige Bioarbeit zu lernen, ein großes Projekt bei der Arbeit zu betreuen oder ein Kind zur Welt bringen. Egal was es ist, es wird wichtig sein und deshalb will ich sie nicht mit ungeduldigen Mails nerven. Stattdessen baue ich einen Besen – mitten in der Nacht.

Von Hexenbesen bin ich schon seit Bibi Blocksberg und ihrem fliegenden Gefährten namens Kartoffelbrei begeistert. Und so schwirren viele Ideen durch meinen Kopf, während ich die Teilnahmebedingungen zum Besenbau-Wettbewerb im Forum lese. Ich soll einen Besen bauen, ein Foto davon einsenden und dazu einen kurzen Text schreiben, in dem ich die Vorzüge meines Besenmodells anpreise. Aber dann sehe ich einen Haken: Bis zum Einsendeschluss ist es nur noch eine Woche und ich werde die ganze Woche auf einem Blockseminar für die Universität sein. Dort wird es garantiert weder Material noch Zeit geben, um einen Besen zu bauen. Und wie sollte ich meinen Kommilitonen das Projekt erklären?

Reflektoren, eine Lampe und ein Tachometer

Je später die Nacht, desto heller leuchten die Reflektoren.

Also muss ich eine Nachtschicht einlegen und fange wenige Stunden später, um 23.30 Uhr an zu basteln. Da ich bei meiner Familie in Ostfriesland zu Besuch bin, ist der nächste Schuppen mit Bastler-Ecke zum Glück nicht weit. Ein Reisigbesen-Ende ist schnell gefunden, ebenso ein Stil. Ein ursprünglich aussehender Besen ist innerhalb von 15 Minuten fertig. Aber er ist nicht nur ursprünglich, sondern leider auch herkömmlich und deshalb muss ich weiter tüfteln. Kreativität ist gefragt, dabei bin ich doch so müde.

Ich schaue mir den Krimskrams im Schuppen an und sehe ein paar gelbe Reflektoren, die ich mit Draht in das Reisig-Ende binde. Eine alte, abgebrochene Fahrradlampe wird an dem oberen Stielende befestigt, darunter ein ebenfalls nicht mehr funktionierendes Tachometer. Auf einmal passt alles zusammen: Ohne es geplant zu haben, habe ich einen Besen, der durch besondere Sicherheit hervorsticht, gebaut. Die durchsichtige, leicht zerkratzte Schutzbrille passt glänzend in dieses Konzept. Und damit der Besen wenigstens ein wenig schön aussieht, bekommt er noch eine weiße, aus Servietten gefaltete Papierrose in die Reisigzweige gewickelt. Noch ein paar Fotos, dann schnell ins Haus. Es ist schon weit nach Mitternacht.

"Security Broom 007"

Der Security-Broom ist das Ergebnis einer langen Bastelnacht.

Nun gilt es noch den Text zu schreiben, in dem ich das, was eher zufällig passierte, als ideales und durchdachtes Konzept präsentieren muss. Das geht relativ schnell: Texte schreiben fällt einer Journalistik-Studentin nun mal leichter als das Besenbauen. Weil der Ausdruck "Sicherheits-Besen" einfach nicht so schön und professionell klingt, entscheide ich mich für "Security Broom 007" als Markennamen – eine solche Anspielung ist bestimmt Verkaufs fördernd. Damit es auch professionell aussieht, setze ich das Zeichen ™ für Trademark dahinter. Als ich den Text auf die erforderliche Länge gekürzt und mir Preise ausgedacht habe, bin ich sehr zufrieden mit meinem Arbeitsergebnis.

Ich wähle noch schnell das Fotos aus, auf dem der Besen am besten zu erkennen ist und schicke es mit dem Text an die Wettbewerbsleiter. Mittlerweile ist es halb zwei am Morgen. Nun warte ich nicht nur auf die Korrektur meiner Hausaufgaben, sondern auch die Auswertung des Besen-Wettbewerbes. Natürlich weiß ich, dass ich denken sollte: "Dabei sein ist alles". Aber insgeheim hoffe ich natürlich auf den ersten Platz.

Text: Mareike Aden; Fotos: Privat

Veröffentlicht: 21.06.2007
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