Die Flucht
Zwei Wochen Urlaub, darauf freut sich jeder. Aber zwei Jahre durch die Welt zu tingeln, das können sich die wenigsten vorstellen. Sixtus Reimann (32) hat es gemacht. Der Dortmunder ist zu Fuß und mit dem Fahrrad durch Asien getourt.
Als Sixtus Reimann seine Familie und Freunde im Ankunftsbereich des Frank-furter Flughafens sieht, will er im ersten Moment sofort wieder umdrehen. Zurück nach Indien. Er hatte ausdrücklich gesagt, dass er kein Empfangskomitee wünsche. Und jetzt stehen sie hier, mit bemalten Bettlaken und irgendjemand spielt ,,Es geht mir gut" von Western-hagen. Aber natürlich freut sich der 23-Jährige doch. Denn es gibt so viel zu erzählen. Es ist der 25. November 1999. Hinter ihm liegen 12 000 Kilometer mit dem Fahrrad und zwei Jahre in Asien. Alles will auf einmal raus, doch Sixtus kriegt keinen geraden Satz auf die Reihe. Sein Bruder Hendrik drückt ihm lachend sein schwarzes Jacket in die Hand, um das die beiden gewettet hatten, ob er zwei Jahre in Asien bleibe oder nicht. Sixtus strahlt. Er hat es geschafft.
Sieben Jahre zuvor. An einem kalten Vorfrühlingstag steht Sixtus in Prag vor einem Schaufenster. Dahinter eine Weltkarte. Der 16-Jährige hat einen Traum: Über Land nach Indien. Sein Finger fährt über die Ländergrenzen hinweg, sein Kopf plant seine erste große Morgenlandfahrt. Später muss er feststellen, dass die Reisezeit nach seinem Zivil-dienst für die Osttürkei ungünstig ist. Also, das Fahrrad in den Flieger und ab nach Indien – so ist der Plan. Ab sofort spart der Schüler und spätere Zivi für seine Asienreise.
Der erste Eindruck (271 KB / 35 Sekunden)
4. November 1997. "British Airways flight 145 London to Delhi is now boarding." Es ist bereits halb elf, als Sixtus Reimann durch den wie immer verstopften Gang der Boing 747 auf Platz 24 G zusteuert. Der Jet rollt an, hebt ab und durchbricht den November-niesel. Hinter dem 21-Jährigen liegt das Abitur, ein Jahr Zivildienst im Krankenhaus, viele angefangene und wieder abgebrochene Reisen in den Ferien. Vor ihm liegen zwei Jahre in Asien, 750 Tage, die er füllen muss, erfüllen muss, auf sich allein gestellt, ohne Rückflugticket. Denn für den jungen Mann gibt es keine Alternative.
Zum Erfolg verdammt ( 653 KB / 41 Sekunden)
Das Gefühl, unterwegs zu sein, das ist es, was sich Sixtus Reimann am meisten wünscht in seinem Leben – und zwar je länger desto besser.
Warum er so lange unterwegs ist (350 KB / 22 Sekunden)
Text: Anne Kynast
Fotos: Sixtus Reimann


