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Die Aufnahmeprüfung

Der Riese Hagrid stand Harry Potter bei den Vorbereitungen auf seinen ersten Schultag zur Seite. Als ich nach dem Lesen meiner Einladung mit dem Mauszeiger auf die "Weiter"-Schaltfläche klicke, erscheint ein Bild von einem Jungen im schwarzen Zauberumhang: Steven, ein Vertrauensschüler von Hogwarts, bietet mir seine Hilfe an. Doch wichtige Entscheidungen muss ich allein treffen: Welchen Zauberstab kaufe ich? Was für Zauber-Zubehör gönne ich mir, und wie viel meiner Ersparnisse will ich überhaupt ausgeben? Jede meiner Entscheidungen beeinflusst, in welches der vier Häuser in Hogwarts ich eingeteilt werde: Komme ich nach Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff oder nach Slytherin?

Teil 1: In der Winkelgasse

Am Anfang half Vertrauensschüler Steven, aber in der Winkelgasse bin ich auf mich allein gestellt.

"Viel Glück" wünscht Steven mir noch – dann ist er verschwunden. Ich bin nun allein in der Winkelgasse, in einem Gewimmel von "fremden Hexen und Zauberern jeden Alters", lese ich auf meinem Bildschirm. In der Hoffung auf eine Geräuschkulisse stelle ich den Lautsprecher meines Computers an, aber es bleibt still. Nur die Lüftung des Notebooks rauscht. Und so begnüge ich mich mit eigenen Vorstellungen der Winkelgasse, die natürlich von den Harry-Potter-Filmen geprägt sind. Kleine Häuser mit schiefen Dächern, verschnörkelte Ladenschilder und Schaufenster, gefüllt mit den wunderbarsten, magischen Kleinigkeiten.

Ein wenig aufwändigere Grafiken wären schön, denke ich noch. Doch schon steht die erste Entscheidung an. Dies ist kein Computerspiel, sondern ein Aufnahmetest. "Auf welches dieser Geschäfte gehst Du spontan zu, weil es Dich am meisten interessiert?", fragt mich der Text auf dem Bildschirm. Darunter erscheint eine Liste von acht Läden, zum Beispiel der aus Harry-Potter-Büchern bekannte Zauberstabladen von Olivander, das Scherzartikelgeschäft "Freud und Leid" oder "Eylops Eulenkaufhaus".

Die Suche nach dem Zauberstab

Zauberbücher gibt's bei „Flourish & Blotts“ - aber ich will Eis.

Statt spontan ein Geschäft anzuklicken, ertappe ich mich beim Taktieren: Ginge ich in den Bücherladen "Flourish & Blotts" oder zu den Zauberstäben, wäre ich sogleich als voreiliger Streber gebrandmarkt. Eine Zukunft in dem in meinen Augen langweiligem Hufflepuff-Haus wäre wohl so gut wie sicher. Scherzartikel würden mich dem "Gryffindor"-Haus näher bringen, in das auch die Helden der Harry-Potter-Serie in der ersten Folge eingeteilt wurden. Schließlich sind die Zwillinge Fred und George Weasley gute Freunde von Harry und große Scherzartikel-Fans. Aber obwohl ich, wie wohl viele Zauberschul-Anwärter, gern in Harrys Haus wäre, schaffe ich es zumindest bei dieser Frage, das strategische Denken beiseite zu schieben. Ich wähle das Geschäft, das mir am meisten entspricht: "Florean Fortescues Eisdiele". In welches Haus wohl Genussüchtige kommen?

"Stopp – Hast du nicht etwas vergessen?", erscheint nach meiner Wahl auf dem Bildschirm. Ich habe kein Geld, deshalb muss ich zur Bank Gringotts, um bei den dort arbeitenden Kobolden meine gewöhnlichen Muggel-Euro in Zaubergeld umzutauschen. Auch hier lauert eine Schwierigkeit: Für meine sieben Schuljahre in Hogwarts habe ich insgesamt nur 90 Euro. Mit umgerechnet 22 Euro kehre ich in die Winkelgasse zurück. Dort erwarten mich weitere Einkaufsaufgaben.

Im Buchladen gibt es eine Verkaufsaktion für Neulinge wie mich. Ich darf ein Gratisbuch wählen – das Thema, das ich wähle, wird wieder etwas über meinen Charakter aussagen. Ich entscheide mich gegen Besenstiel-Akrobatik, Verschwörungstheorien über berühmte Muggel wie Leonardo Da Vinci, und Chemie interessiert mich selbst dann nicht, wenn sie magisch ist. Vampirgeschichten erscheinen mir zu düster. Wer will denn schon ins Haus Slytherin, in dem auch Harrys größter Feind, der dunkle und grausame Lord Voldemort war? Ich jedenfalls nicht – und so entscheide mich für ein Buch über Zauberschulen auf der ganzen Welt. Vielleicht kann man ja mal einen Austausch machen ...

Nun steht die wichtigste Entscheidung für jeden Zauberanfänger an. Es gilt das Arbeitsgerät, den Zauberstab, zu wählen. Acht Zauberstäbe sind nebeneinander auf dem Bildschirm zu sehen. "Mahagoni, 10 Zoll, Einhornhaar" steht unter dem ersten. Drachenherzfaser klingt verlockend, aber erscheint mir zu blutrünstig und so wähle ich "Ahorn, 10 Zoll, Phoenixfeder". Es ist weder der dunkelste, noch der größte, noch der kleinste Stab, sondern unauffälliges Mittelfeld.

Sparen oder Schlemmen?

Schokofrösche - lecker, aber zumindest an dieser Stelle verzichtbar.

"Nur Mut! Versuche dich mit einem der Zaubersprüche", werde ich aufgefordert und ich klicke "Wingardium Leviosa" an. Der Spruch lässt Gegenstände schweben – das würde ich auch gern können. Von dem Feuer-Mach-Spruch (Incendio) und den Vergrößerungsfluch (Engorgio) lasse ich für den Moment lieber die Finger. Nur nicht auf den letzten Metern als geltungssüchtiger, angeberischer Slytherin abgestempelt werden. Wenn ich mit dem Mauszeiger über den Zauberstab gleite, sprühen blaue und gelbe Sterne aus seiner Spitze. Leider wieder keine Geräusche … Der Zauberstab passt zu mir, und ich werde zum Kauf von Kessel, Teleskop, Pergament, einer Schreibfeder und der kleinen Messingwaage geschickt.

Mit dem übrig gebliebenen Geld darf ich mich belohnen, wieder gibt es eine Auswahl von Dingen. Ein Erinnermich-Ball wäre so sinnvoll wie Schokoladen-Frösche reizvoll, aber ich wähle "verzichten", um ganz vernünftig noch Geld in der Tasche zu haben, damit ich zum Bahnhof Kings Cross gelange - die Abfahrt steht bevor.

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Veröffentlicht: 29.05.2007
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