Der lange Weg nach Tibet
Nach dem gescheiterten Versuch allein nach Tibet einzureisen will Sixtus nur noch nach Hause. Aber die Vergangenheit hat ihm bewiesen: Aufgeben gilt nicht. Am Flughafen in Kathmandu setzt er sich selbst ein Ultimatum.
Der lange Weg nach Tibet
Nach dem gescheiterten Versuch allein nach Tibet einzureisen will Sixtus nur noch nach Hause. Aber die Vergangenheit hat ihm bewiesen: Aufgeben gilt nicht. Am Flughafen in Kathmandu setzt er sich selbst ein Ultimatum.
"Der April ist eine gute Zeit, um zum Everest Basecamp zu wandern, der Treck ist vier Wochen lang, und wenn es dir danach noch immer keinen Spaß macht, dann darfst du abhauen. Aber das wird durchgezogen." Die ersten Tage dieses Trecks sollte er nicht so schnell vergessen. Sixtus läuft auf 2000 m Höhe los, und da ist es im April schon verdammt heiß. Er schwitzt und flucht und ringt mit sich selbst. Bis er sich durchringt weiter zu wandern. Mit Erfolg.
Der Tag der Entscheidung ( 564 KB / 35 Sekunden)
In Nepal fängt Sixtus wieder Feuer. Das Fernweh brennt. Generalstabsmäßig plant der Langzeit-Reisende den zweiten Anlauf, um nach Tibet zu reisen. In Pakistan beantragt er ein China-Visum, mit welchem er sich aber nicht in der autonomen Region Tibet aufhalten darf. Dann reist er über den Khunjerab Pass nach China ein. In Yecheng teilt sich die Straße: Die nördliche Route, die Seidenstraße, führt nach Ost-China, die südliche nach West-Tibet. Nachts schleicht er die südliche Straße entlang, doch kein Check-Post hält ihn auf. Nach ein paar Stunden Marsch ohne Zwischenfälle und einer Nacht im Schlafsack am Straßenrand, traut er sich, zu trampen. Sechs Tage dauert die Fahrt in klapperigen Lastwagen, kaum eine Stunde vergeht ohne Panne.
In Ali, der einzigen Stadt im Westen Tibets, stellt er sich freiwillig der chinesischen Polizei. Gegen ein Bußgeld erhält er ein Permit. Damit hält er sich nun legal in Tibet auf. Aber es ist weiterhin verboten, per Anhalter zu reisen und öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Doch Sixtus will unbedingt weiter. Zum heiligen Berg, dem Kailash. Die LKW-Fahrer, die ihn gegen Bezahlung mitnehmen, riskieren ihren Job. Wenn wieder eine Straßensperre in der öden Hochwüste auftaucht, bittet ihn der Fahrer vorher, sich auf der Ladefläche zwischen Gerstensäcken zu verstecken. Die Täuschung gelingt. Nach vielen Wochen erreicht Sixtus sein großes Ziel: den Kailash, den heiligen Berg der Hindus, Buddhisten und Bönpos.
Text: Anne Kynast
Fotos: Sixtus Reimann



