Der Zauber geht weiter
In den vergangenen Wochen war ich so verstrickt in die Geschehnisse des neuen Harry Potter-Buches, dass ich den HP-FC sträflich vernachlässigt habe: Nicht einmal die Entscheidung über den Hauspokal habe ich verfolgt. Doch das Schulleben geht dort weiter, fast so, als sei die Geschichte von Harry Potter gar nicht vorbei – und für die meisten ist sie das auch nicht. Auch Tita Skeeter steht noch am Anfang ihrer Hogwarts-Zeit: Sie muss erst einmal die Versetzung in die zweite Klasse schaffen.

- In Band sieben hat sich Harrys Schicksal entschieden. Der HP-FC macht weiter.
Die letzte Seite des Buches lese ich im Stehen auf Gleis 16 des Dortmunder Hauptbahnhofes, nur wenige Tage nachdem ich mit dem Lesen begonnen habe - keine Sorge, ich verrate nicht, was darauf steht. Ich bin soeben aus dem Zug ausgestiegen und fast fühle ich mich ein wenig schuldig: "Macht man das? "Die letzte Seite des letzten Harry Potter-Buches in einem so unwürdigen Rahmen lesen?" Aber warten geht nicht.
Als ich das Buch wenig später zuklappe und die Rolltreppe zur U-Bahn herunterfahre, bin ich tatsächlich ein wenig wehmütig – und ich will mit jemandem über das Ende sprechen. Aber ich weiß nicht mit wem, denn diejenigen, die sich mit Harry Potter auskennen wollen natürlich selbst lesen und alle anderen würden wahrscheinlich über mich lachen. Ich entscheide mich, einen Potter-Laien anrufen, der immerhin die Filme kennt. Und danach fange ich wieder zu lesen, dieses Mal langsamer und Wort für Wort: zunächst die letzten Kapitel und dann ganz von vorne. Ein paar Tage später beginne ich das englische Hörbuch zu hören, CD für CD, 17 sind es insgesamt. Und dann ist es zum dritten Mal zu Ende.
Zurück im HP-FC
An den HP-FC denke ich dagegen kaum. Und als ich mich nach mehr als drei Wochen Abwesenheit wieder in die virtuelle Große Halle begeben will, sehe ich einen Hinweis: "Dein Hauspasswort ist veraltet." Ich muss mich also dem Versetzungstest, der am Ende jedes Schuljahres ansteht, stellen. Ein Fragebogen erscheint auf meinem Bildschirm, darauf stehen 20 Fragen, die ich nach Multiple-Choice-System beantworten muss. Ich muss zum Beispiel wissen, was die eine Sache ist, die die Zwilling Parvati und Padma Patil, Mitschülerinnen von Harry, nicht gemeinsam haben, wie der Zauberspiegel aus Band eins heißt und an welchem Merkmal man Professor Quirrel, Harrys ehemaligen Lehrer und Verbündeten von Voldemort, erkennt.
Zugegeben: Bei ein paar Fragen muss ich mich mit einer kurzen Internet-Recherche vergewissern, aber das meiste ist auch ohne Nachschlagen in den Büchern zu beantworten. Nur das Ergebnis des Hauspokal-Wettbewerbs im ersten Band will mir nicht einfallen, so dass ich einfach rate und den Test mit einem Klick abgebe, nach nicht einmal zehn Minuten. Schüler in den höheren Klassen haben es jedoch nicht mehr so leicht. "Mit der Zeit werden die Versetzungstest immer schwieriger", erzählt mir Slytherin-Vertrauensschülerin Charisma, die vor kurzem ihren Test für die sechste Klasse bestanden hat. "Mal sitzt man Tage daran, mal wenige Stunden – das hängt vom Fachlehrer ab, der den Test erstellt".
Den Pokal verloren
Mein Testergebnis kommt umgehend: Bestanden – mit 19 von 20 möglichen Punkten. Bei der Hauspokal-Frage habe ich falsch geraten. Der Hauspokal im HP-FC ist in meiner Abwesenheit auch vergeben worden: Der Rekordpokalsieger Slytherin hat es in diesem Jahr leider nicht geschafft. Gewonnen haben die Ravenclaws mit 1.280.625 Punkten, die Gryffindors wurden zweiter und Hufflepuff vierter. Im Syltherin-Forum konzentrieren wir uns schon ganz auf das nächste Jahr: "Sagen wir mal, die Ravenclaws haben sich jetzt nur ein Jahr unseren Pokal ausgeliehen, um ihn zu putzen... nächstes Jahr holen wir ihn uns dann wieder zurück!", schreibt zum Beispiel mein Slytherin-Mitschüler Redox in unserem Hausforum. Dahinter setzt er einen großen Smiley – das Lachen ist den Slytherins nicht vergangen.
Da im Slytherin-Hausforum über "Harry Potter and the Deathly Hallows" nicht geredet wird - aus Rücksicht auf diejenigen, die auf die im Oktober erscheinende deutsche Übersetzung warten wollen oder müssen - will ich mich in ein spezielles Forum einloggen. Tatsächlich scheint das der einzige Ort zu sein, an dem über das Buch diskutiert wird. Ansonsten geht es um neue Wettbewerbe, die Ergebnisse der Versetzungstests und das neue Schuljahr.
Da ich den Versetzungstest bestanden habe, kann ich mich mit dem neuen Passwort überall im virtuellen Hogwarts bewegen – doch das Forum ist mit einem Passwort geschützt. Damit auch wirklich niemand schwach wird, der das neue Buch nicht ohnehin zu Hause hat, lautet das Passwort so wie das letzte Wort in Zeile 15 auf Seite 67 des Buches. Ich tippe die fünf Buchstaben ein, bin eingeloggt und kann endlich mit Profis über das Buch sprechen, das ich bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen habe.
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Mit meinem Projekt ist es nun zu Ende, aber Tita Skeeter bleibt sicherlich noch eine Weile Schülerin im HP-FC. Wer weiß, vielleicht macht sie eines Tages, in ein paar Jahren, sogar ihr Zauberabitur. Denn den HP-FC wird es bestimmt noch lange geben, da bin ich sicher, auch wenn Joanne K. Rowling keine neuen Geschichten auf den Markt werfen wird. Wie die Fanclub-Gründerin Saskia Preissner angekündigt hat, sorgen die HP-FC-Schüler selbst für Nachschub: Wer möchte, der kann schon jetzt unzählige FFs (kurz für Fanfiction) lesen, zum Beispiel über das Leben von Harrys Eltern, das Gefühlsleben von Severus Snape oder Luna Lovegoods Zukunft. Die Mitglieder des HP-FC haben längst ihr eigenes Hogwarts geschaffen – und darin ist "the boy who lives" nur einer von vielen Zauberschülern.
Text: Mareike Aden; Fotos: Warner Bros. und Amazon.de

