Lehrbücher
Der Universalcode für Journalisten
Wie man zum Beispiel diesen Teaser knackig, kurz und spannend schreibt, beschreibt ein neues Lehrbuch für Journalisten. Herausgeber Christian Jakubetz zeigt, was alles möglich ist im neuen digitalen Zeitalter. Die Zeit der Ausreden für Redaktionen ist vorbei.

- Herausgeber Christian Jakubetz
Dortmund. Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld haben ein Buch konzipiert "über den Journalismus im digitalen Zeitalter". Auch das Lehrbuch selbst ist als digitales Projekt gestartet: Ganz im Sinne des Prozessjournalismus wurden immer wieder Texte veröffentlicht, um sie noch zu verändern. Über das Titelbild stimmte die Community ebenso ab. "Dieses Lehrbuch ist ein Lehrbeispiel für das, was es lehren wird", schrieb dazu Wolfgang Michal bei carta.info. In Jakubetz' Blog wurde schon Monate vor Fertigstellung jeder Fortschritt vermeldet, der potentielle Leser konnte hinter die Kulissen schauen und die Spannung auf das Produkt wurde nebenbei erhöht.
"Wir wollen alles erklären, was sich seit (das ist unser gefühlter Maßstab) 1995 verändert hat. Das ist eine ganze Menge. Manches hat sich stark geändert, vieles ist komplett neu hinzugekommen." So lautet im Vorwort der Anspruch der Herausgeber an das eigene Projekt. Umfassend sind dementsprechend die Themen der einzelnen Kapitel, die jeweils von einem Kenner des Fachs geschrieben wurden, angelegt: Crossmedialität, Multimedialität, Webvideos, Web 2.0 für den Hörfunk oder mobiler Journalismus sind nur einige.
Viele Tipps und Anleitungen
Dem eigenen Anspruch wird das Buch dabei meist gerecht: Es gibt gute Hinweise, praktische Arbeitsideen und konkret beschriebene Arbeitsschritte. Auf einige davon sollten die Redaktionen vielleicht von selbst kommen. Die Praxis zeigt aber leider oft das Gegenteil. Hilfreich für Redaktionen können auch Einblicke in andere Medienentwicklungen sein, beispielsweise in den Hörfunk für Print-/Onlinejournalisten. Immer wieder gibt es in den Kapiteln "Tipps" als zusammenfassende Elemente, das erzeugt den Handbuchcharakter des Lehrbuchs. Dazu geben fast alle Kapitel sehr detailliert Anleitungen für die Produktion und beinhalten konkrete Softwaretipps. Dass es bei sämtlichen neuen technischen Möglichkeiten, die ausführlich vorgestellt werden, ohne guten Inhalt nicht geht, zeigt dankenswerterweise das Kapitel: "Der Anfang von allem: Recherche" von Marcus Lindemann. "Gemessen an dem enormen Fortschritt bleibt der Journalismus weit hinter seinen (neuen) Möglichkeiten zurück."
Ausprobieren ist die Devise
Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei dem Lehrbuch um kein wissenschaftliches Werk handelt. Nur einige Autoren geben Literaturhinweise in ihren Kapiteln, Fußnoten, direkte Quellenhinweise oder ähnliches sucht man jedoch vergeblich. Gerade für ein Lehrbuch wäre dies jedoch an einigen Stellen notwendig. Immerhin sollte nicht suggeriert werden, dass alles 'neu' ist. Außerdem lassen sich einige aufgestellte Thesen so nicht nachvollziehen. Ob sich zum Beispiel Lokalblogs professionalisieren werden, wie Christian Lindner in seinem Text behauptet, ist eine steile These, Belege dafür werden an dieser Stelle nicht genannt.
Die Devise für die Branche ist laut "Universalcode" folgende: "Sie braucht Menschen, die experimentieren, probieren und einfach machen. Wir sind gerade erst am Anfang", schreibt Mitautor Marcus Bösch. Wie genau das Ausprobieren aussehen soll, steht praktischerweise direkt dabei. Mit Unwissenheit können Redaktionen theoretisch nun nicht mehr argumentieren. Ob all die Möglichkeiten und Ideen dann tatsächlich funktionieren und aus der Krise helfen, ist eine andere Frage, die leider auch dieses Lehrbuch nicht beantworten kann.
Text: Natascha Tschernoster
Bilder: Dirk Kirchberg/blog-cj.de, HeikeRost.com
