Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Tagung

Der Journalist von morgen

Wie sieht der Lokaljournalist in fünf Jahren aus - was muss er können, gibt es ihn und das gedruckte Medium überhaupt noch oder werden sie durch Bürgerjournalisten und Social-Networking-Plattformen abgelöst? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Podiumsdiskussion "Twitter & Co. - Kommunikation 2015 und die Rolle der Lokaljournalisten" beim Forum Lokaljournalismus in Dortmund.

Dortmund. Würde die Journalistenkappelle nach dem Wunschkonzert von Alexander Houben, Chef vom Dienst vom Trierischen Volksfreund, spielen, sähe der Arbeitsalltag eines Lokalredakteurs in etwa so aus: um 10 Uhr Pressekonferenz. Dauer: eine Stunde. Noch währenddessen und spätestens bis 11.05 Uhr setzt der Redakteur die erste Online-Meldung ab. Die Meinungsumfrage bei Twitter wird direkt nachgelegt. Gegen 11.30 Uhr ist der Journalist mit seinem Material in der Redaktion, wo er nicht nur das selbst gedrehte Video zum Schnitt weiterreicht, sondern sich nun auch an einen ausführlicheren Bericht für das Internet und einen detaillierten Text für die Print-Ausgabe macht.

Wunsch trifft Realität

So wirklich schmecken will diese Vorstellung nicht allen Journalisten. Im harschen Ton fragt eine Kollegin in der anschließenden Diskussion nach, wie ein Redakteur alleine das denn bitte alles in so kurzer Zeit bewältigen solle. Hierbei wird deutlich, dass Houbens Traum vom Super-Journalisten mit der Realität nicht immer übereinkommt. "Es ist schon logisch, dass im aktuellen Tagesgeschehen manche Termine mehrfach besetzt werden müssen", räumt er ein. Dennoch würde das in Trier oft schon so funktionieren.

Der Journalist als eierlegende Wollmilchsau - er kann alles, macht alles und das in kürzester Zeit. Genau vor dieser Vorstellung scheinen viele Print-Redakteure der lokalen Medien Angst zu haben. Doch dem Druck durch das Internet kann sich kaum eine Lokalzeitung entziehen. Das Web hält nicht nur alle erdenklichen Informationen vor, sondern trumpft auch durch Schnelligkeit und Multimedialität, an der sich Printmedien messen lassen müssen. Zu Zeiten, in denen die Informationshoheit längst nicht mehr bei den Zeitungen und ihren Mitarbeitern liegt, gilt es Argumente vorzuweisen - Argumente dafür, warum wir überhaupt noch Zeitung lesen sollten.

Neue Kommunikationswege effizient nutzen

Alexander Houben, Henrik Bortels, Christian Jakubetz und Wiebke Möhring.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, brauche es ein neues Selbstverständnis der Lokaljournalisten. "Wir müssen unseren Beruf zukünftig als die Rolle eines Kommunikators sehen. Der Leser erwartet, dass wir mit ihm kommunizieren", so Medienblogger Christian Jakubetz. Dazu gehören für Houben auch die von einigen Journalisten noch skeptisch beäugten Plattformen wie Twitter und Facebook. "Heutzutage werden nun mal andere Kommunikationsformen genutzt und diese müssen wir auch als Journalisten nutzen", sagt er.

Die Einsicht, dass das Internet nicht mehr ignoriert werden kann, hat sich weitgehend durchgesetzt. Es gibt kaum eine Zeitung, die noch nicht auf den crossmedialen Zug aufgesprungen ist und versucht, die eigene Online-Präsenz zu etablieren. Doch damit ist es eben längst nicht mehr getan. Soziale Netzwerke sind inzwischen so groß geworden, dass es sehr schwer fällt, sie zu ignorieren. Auch Jakubetz hält Twitter für ein "Tool, das zur Informationsbeschaffung unglaublich hilfreich sein kann". Er ruft Journalisten dazu auf, die eigene Scheu abzulegen und mitzuziehen: "Einen Tweet abzusetzen, ist kein Hexenwerk, und einen Facebook-Stream zu verfolgen - das macht man mal eben nebenbei."

"Der Aufwand für solche Sachen wird hoffnungslos überschätzt", sagt Christian Jakubetz. Nicht die Angst, sondern den Nutzen in den Vordergrund zu stellen - dazu rät auch Hendrik Bortels, Online-Chef der Märkischen Allgemeinen. "Natürlich ist es ein Wettbewerb mit diesen neuen Medien. Aber dann sollten wir überlegen, wie wir sie online, auf Papier oder auf anderen Kommunikationswegen einbinden können."

Um neue Kommunikationswege nutzen zu können, bedarf es aber des entsprechenden Know-hows. Der Journalist - also doch die eierlegende Wollmilchsau? Zumindest ein "Mediengeneralist", findet Wiebke Möhring, Professorin an der Fakultät für Medien, Information und Design an der Fachhochschule Hannover. "Ein Journalist muss 2015 alles können. In der Ausbildung müssen junge Journalisten alle Medien kennen, verstehen und anwenden lernen, um in verschiedenen Mediensprachen zu denken und später auch arbeiten zu können." Und wer diese Ausbildung nicht habe, müsse eben seine Abende nutzen, um Neues zu lernen, so Jakubetz. Dabei sollten es sich die Verlagshäuser jedoch nicht zu einfach machen: "Wichtig wird auch sein, dass die Verlage ihren Journalisten nicht nur Handwerkszeug, also die Hardware, mitgeben. Sie müssen ihnen auch zeigen, wie es geht. Das wird der nächste Schritt in den Häusern sein."

Text: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis
Bilder: co

Veröffentlicht: 30.01.2010
1 Kommentar
answer #1) Dmitrij Adamov - 22.05.2011 - 17:37

Gegenwärtig ist der Entwicklung des globalen informativen Netzes die Rolle der Journalisten sehr wichtig.Dazu haben auch die Forderungen zugenommen.

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