Der Blaulichtreporter
Zwei Fabriken in Iserlohn sind abgebrannt. Alle deutschen Fernsehsender zeigen die meterhohen Flammen, in denen ein Arbeiter sein Leben verlor. Die Bilder stammen von Wiebold TV, einer Essener Produktionsfirma. Seit 37 Jahren filmt Wolfgang Wiebold Katastrophen, seinen Lebensrhythmus hat er ihnen untergeordnet.

- Keine Katastrophe, bei der Wiebold TV nicht dreht.
Essen. Die Zigaretten sind ihm ausgegangen. Nur noch ein Stummel baumelt zwischen den Zähnen von Wolfgang Wiebold. Den Rest der Packung hat er aufgeraucht. Jetzt versucht er diesen Stummel so lange wie möglich zu rauchen, denn seinen Arbeitsplatz verlassen, um neue Zigaretten zu kaufen, kann er nicht - das Telefon gibt keine Ruhe. Dabei hat er schon die ganze Nacht gearbeitet, hat Material geschnitten und in die Sendezentralen aller deutschen TV-Sender überspielt. Aber noch ist ihr Hunger nach Katastrophenbildern nicht gestillt, immer wieder klingelt das Handy, im Sekundentakt, und immer wieder dieselbe Frage: "Was habt ihr noch für Bilder?"
"Gesunder Stress", so nennt Wolfgang Wiebold seine Arbeit. Es ist ein Job ohne feste Arbeitszeiten, ohne geregeltes Privatleben. Es ist eine Jagd - eine Jagd nach Bildern und nach den besten Abnehmern für sie. Doch um Kundschaft braucht sich Wolfgang Wiebold keine Sorgen mehr zu machen. Seine Bilder laufen auf allen Kanälen, er gehört zu den erfolgreichsten unter den Blaulichtreportern. Keine Katastrophe, kein Unfall ohne dass jemand aus seinem Team vor Ort ist und dreht. Ein Geschäft mit dem Leid anderer Menschen?
Text: Evgenij Haperskij
Teaserfoto: Evgenij Haperskij
Fotos in der Slideshow: Evgenij Haperskij / Wiebold TV
Slideshow: Evgenij Haperskij

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