Der Alltag unterwegs
Delhi – Jaisalmer – Jodhpur... Die Monate vergehen. Die Tage unterwegs ähneln sich: Früh aufstehen, denn morgens ist Indien am schönsten, an einem Straßenstand Teigtaschen frühstücken oder ein paar hartgekochte Eier, einen Fünf-Liter- Beutel Wasser filtern, um alle Bakterien zu entfernen und dann ab auf´s Fahrrad.
Die Tagesetappen sind zwischen 20 und 160 Kilometern lang. Regelmäßig trinken nicht vergessen. Bei jedem Halt sammelt sich eine Traube Menschen um sein Rad und bestaunt die Packtaschen, die Gangschaltung. Weiter geht´s. Abends eine einfache Herberge suchen, zum Abendessen gibt es meist Reis und Curry und dann schlafen wie ein Stein. Die Reise wird zum Alltag.
Reise-Alltag (583 KB / 37 Sekunden)
Ein Jahr später. Er hat das Karakorum, sowie den Himalaya mit dem Fahrrad durchquert, mit schmerzenden Knien und pfeifenden Lungen 5000er-Pässe bezwungen und schon so vieles gesehen und erlebt: Bunte Gebetsfahnen auf himmelhohen Pässen, leuchtende Schneegipfel und bizarre Mondlandschaften, hinduistische Wanderasketen an der Quelle des Ganges und buddhistische Maskentänze in Ladakhs Klöstern, Bergeinsamkeit und vermüllte Millionenstädte, lachende Inderinnen in farbenfrohen Saris und verschleierte Frauen in Pakistan... Die Luft ist raus. Sixtus fliegt nach Thailand, nimmt sich eine kleine Hütte am Mekong, liest Hesse und schreibt seitenlange Briefe nach Hause. Er macht Urlaub von der Reise.
Urlaub von der Reise (128 KB / 40 Sekunden)
Denn sein größtes Ziel liegt noch vor ihm: Tibet. Sixtus hatte viele andere Globetrotter getroffen, die ihm erzählt hatten, dass es, obwohl offiziell nicht möglich, ganz einfach sei, als Individualtourist nach Tibet einzureisen. Einfach in Chengdu in China in ein Reisebüro gehen, einen Flug nach Lhasa buchen, pro forma noch eine Reisegruppe dazu, die aber nur aus einem Flughafentransfer und drei Übernachtungen in Lhasa bestand, und schon war man da und konnte so lange in Tibet bleiben, wie das chinesische Visum galt. Doch so einfach wird es dem Dortmunder nicht gemacht. Denn im März jährt sich die Flucht des Dalai Lama und die Kontrollen werden verschärft. Individualreisende sind nicht erwünscht. Aus der Traum.



