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Das Netz vergisst nie

StudiVZ, Xing, Friendsscout: Die Liste der Internet-Communities ist lang und vielfältig. Doch wer im Land der Millionen Profile zu viel über sich preisgibt, könnte es bereuen. Denn: Das Netz vergisst nie.

Mit einem Klick gelangen private Infos allzu oft unbedacht ins Netz.

Dortmund. Nirgendwo geben Menschen so viel Privates über sich preis wie im scheinbar anonymen Medium Internet. Egal ob Name, Geburtstag, Anschrift, Telefonnummer oder Hobbys - bei vielen Community-Profilen bleibt kaum eine persönliche Angabe offen. Bereits neun Millionen Deutsche präsentieren sich in Web-2.0-Netzwerken. Das hat das Forsa-Institut im Auftrag des IT-Verbands Bitkom herausgefunden.

Dabei sind die Folgen, die eine solche Offenherzigkeit nach sich ziehen kann, inzwischen zahlreich bekannt. Da informieren sich Einbrecher in Communitys über die Urlaubspläne von Hausbesitzern und räumen, während der nette Freund aus der Community unter Palmen sitzt, dessen komplette Einrichtung leer. Andere terrorisiert das ständig klingelnde Telefon einzig und allein wegen zweckentfremdeter Urlaubs-Fotos, die auf einmal auf ominösen Flirtseiten aufgetaucht sind. Auch Vermieter nutzen inzwischen häufig das Internet, um sich über potenzielle Mieter zu informieren. Fotos von der letzten WG-Party können dabei zum Problem werden.

Communitys als Karrierebremse

Denn bereits gut ein Drittel der deutschen Personalberater nutzt laut einer Studie des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater regelmäßig Google & Co, um Informationen über Bewerber zu sammeln – Tendenz steigend. Unterstützen könnte sie dabei in Zukunft auch die in Deutschland noch eher unbekannte Suchmaschine spock.com. Diese erinnert vom Aussehen her stark an Google und wirbt damit, dass sie "the worlds most accurate people search" bietet. Das heißt: Sie sammelt in kürzester Zeit alle verfügbaren Informationen zu einer Person und durchforstet dabei vor allem Communitys und Blogs. Als besonderen Bonus liefert sie auch gleich alle veröffentlichten Bilder zur gesuchten Person mit. Und was dabei heraus kommt, fördert nicht immer die Karriere.

Einmal angemeldet - immer angemeldet?

Was einmal im Netz ist, kann dauerhaft die Karriere vermasseln.

Tatsächlich ist es nicht leicht, sich wieder aus allen Communitys, Foren und Suchmaschinen auszutragen. Einmaliges Löschen reicht oft nicht aus. Denn obwohl die Datenschutzbehörde Internet-Communitys dazu auffordert, persönliche Daten nach dem Ende der Verbindung nicht mehr zu speichern, halten diese sich häufig nicht daran.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile sogar Dienste, die sich darauf spezialisiert haben, das Internet Seite für Seite zu archivieren – nichts geht mehr verloren, selbst wenn der User es einmal gelöscht hat. Nicht zu vergessen: Private Daten, die bereits bei anderen Internet-Nutzern auf dem Rechner liegen, können jederzeit wieder auftauchen. Andrea Heyne, Datenschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, kennt das Problem: "Das Netz vergisst nie."

Selten Anspruch auf Schadensersatz

Qualitätskriterien für Social-Communities gibt es nicht. Die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz haben deshalb einen Wegweiser für die seriöse Gestaltung sozialer Netzwerke veröffentlicht und hoffen, so schwarze Schafe zumindest indirekt erkennbar machen zu können. Damit das Netz jedoch erst gar nichts Unangenehmes behalten könne, solle man sich bereits vor der Anmeldung über die Community informieren und vor allem die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau unter die Lupe nehmen, rät Heyne. Diese gründlich zu lesen, lohnt sich. Denn hat der User erst einmal den AGBs zugestimmt, und dafür reicht meist ein kleines Häkchen mit der Maus, kann er das so schnell nicht wieder rückgängig machen.

"Wer Töne, Texte oder Bilder ins Internet stellt, gestattet damit Teilnehmern der jeweiligen Community, sich die Daten auf den eigenen Rechner zu laden und beliebig oft zu Gemüte zu führen", fasst der Dortmunder Medienrechtsprofessor Udo Branahl die Rechtslage zusammen. Nur wenn diese Daten von Dritten zu kommerziellen Zwecken verwendet würden, könne man dagegen rechtlich vorgehen. Und auch Andrea Heyne bestätigt: "Die Tatsache, dass die Nutzer ihre Daten freiwillig preisgeben, entbindet den Betreiber fast von jeglicher Verpflichtung."

Seriöse Community?

Der Düsseldorfer Kreis hat als informelle Vereinigung der obersten Datenschutzbehörden in Deutschland einen Beschluss zur datenschutzkonformen Gestaltung sozialer Netze veröffentlicht. Im Mittelpunkt des Beschlusses stehen die Rahmenbedingungen, die ein seriöses Netzwerk erfüllen sollte und die zudem in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einer Community festgeschrieben sein sollten. Es sollte erkennbar sein, welche persönlichen Daten für Dritte einsehbar sind und ob sie zu Werbezwecken weitergegeben werden können. Wenn das er Fall ist, sollte der Nutzer entscheiden können, ob und welche Daten an Dritte weitergegeben werden.

Ein Anfangsprofil, in dem nur die Mindest-Datenmenge des Users zu erkennen ist, sollte die Standardeinstellung sein. Auch sollte sicher sein, dass der Betreiber die Daten nach der Abmeldung aus der Community komplett löscht, sofern er diese nicht noch zu Abrechnungszwecken benötigt. Den AGBs muss der Nutzer vor dem ersten Eintreten in die Community wirksam zustimmen. Die formalen Bedingungen einer solchen "wirksamen Zustimmung" sind im Telemediengesetz (TMG) geregelt.

Text: Jessica Joana

Teaserfoto: pixelio.de/Geralt; Fotos: pixelio.de/Geralt, pixelio.de/Hofschläger

Veröffentlicht: 24.01.2009
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