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Countdown Olympia - Interview

Wie wird die Arbeit der deutschen Journalisten bei den Olympischen Spiele 2008 in Peking sein? MeMo-Reporter Jonas Knoop interviewte Sandra Voglreiter. Sie hatte im vergangenes Jahr 20 deutsche Korrespondenten in China über ihre Arbeit befragt.

Medien Monitor: Frau Voglreiter, wie schätzen Sie die Lage aus deutscher Mediensicht, kurz vor den Olympischen Spielen in Peking, in China ein?

Sandra Voglreiter: Das wird sehr viel Arbeit, weil die Nachfrage nach China-Themen groß ist. Und es wird einen zusätzlichen "Betreuungsaufwand" für Kollegen geben, die aus der Heimatredaktion eingeflogen werden.

Forschungsprojekt "Deutsche Korrespondenten weltweit" (EBH)

An 17 Korrespondentenplätzen interviewten Journalistik-Studenten der TU Dortmund deutsche Korrespondenten über Arbeitsalltag, Recherche und Themen.

Wie sollten sich ,Ihrer Meinung nach, die deutschen Journalisten vor Ort verhalten, sollte es während der Spiele auch zu Unruhen kommen?

Voglreiter: Sie sollten auf jeden Fall berichten wie sonst auch. Und das haben die Korrespondenten ja gezeigt, dass sie das auch tun. Wie das im Endeffekt die eingeflogenen Sportreporter handhaben, ist wahrscheinlich eine ganz andere Frage.

Wie wird sich der chinesische Staat verhalten, wenn während der Spiele Kritik von internationalen Medien aufkommt?

Voglreiter: Es hat sich gezeigt, dass von den ausländischen Medien nach außen geäußerte Kritik in der Vergangenheit nach innen dazu benutzt wurde, Stimmung zu machen - nach dem Muster "Die machen unser Land schlecht, sagt denen nichts mehr." Da gab es nach den Unruhen in Tibet eine regelrechte Kampagne gegen die deutschen Medien.

Himmelstempel in Peking

Wird der chinesische Staat, nach Ihren Erfahrungen, anders mit den ausländischen Medien umgehen als sonst, weil nun die ganze Weltöffentlichkeit zuguckt?

Voglreiter: Die Behinderung läuft subtiler ab (das war zumindest der Stand zum Zeitpunkt meiner Untersuchung). Die Korrespondenten werden zum Beispiel nicht mehr festgenommen, weil sie Recherchen nicht angemeldet haben. Die Interviewpartner werden aber zunehmend unter Druck gesetzt.
Das ist die wichtigste Einschränkung der Arbeit der Korrespondenten vor Ort, weil sie eine Verantwortung für ihre chinesischen Interviewpartner und Mitarbeiter tragen, das heißt, sie können manche kritische Themen nicht so anpacken, wie sie es gerne tun würden, weil sie befürchten müssen, dass ihre Gesprächspartner damit in Gefahr gebracht werden!

Sehen Sie es als Problem für die Berichterstattung an, dass die Sportjournalisten und andere, die nur für einen bedingten Zeitraum nach China reisen, zu wenig über das Land und dessen Umgang mit den Medien kennen?

Voglreiter: Ich persönlich ja und einige der von mir Befragten auch. Denn es besteht die Gefahr, in jede Propagandafalle zu laufen, da es "die Journalisten auf Zeit" einfach nicht besser wissen. Wenn Journalisten in Reisegruppen von chinesischer Seite in einer Woche durchs Land gefahren werden, kann man davon ausgehen, dass sie von kritischen Themen ferngehalten werden. Außerdem ärgert es die Korrespondenten, dass Reporter ohne Kenntnis über das Land Urteile fällen und manche Zusammenhänge gar nicht verstehen.

Inwiefern beschäftigen sich die deutschen Korrespondenten allgemein mit dem Thema Tibet-Konflikt ?

Voglreiter: Sie beschäftigen sich ausführlich damit und meinem Eindruck nach halten sie das Thema auch für sehr wichtig. Der Zugang zu Tibet ist für ausländische Journalisten allerdings nur eingeschränkt möglich. Sie brauchen grundsätzlich ein besonderes Visum, um dort hin reisen zu können und das wird nicht immer erteilt. Während den Unruhen im März wurde Tibet für Ausländer ganz gesperrt.
Vor den Unruhen gab es, meinem Eindruck nach, auch einiges an Berichterstattung über den "Alltag" in Tibet, die Veränderungen durch die Tibetbahn und immer mehr Han-Chinesen. Aber ich habe nie die Tibet-Berichterstattung systematisch untersucht, deshalb sind das hier nur singuläre Eindrücke.

Platz des Himmlischen Friedens in Peking.

Ist der Tibet-Konflikt eher ein Haupt- oder ein untergeordnetes Thema für die Korrespondenten vor Ort, im Bezug zu anderen Geschehnissen?

Voglreiter: Das hängt von der Ereignislage ab. Wenn in Tibet etwas passiert, wie diesen März, ist es natürlich das Hauptthema. Allerdings ist es schon wieder ein wenig abgeflaut, als die Erdbebenkatastrophe dazukam. Das hat auch etwas mit den Nachrichtenfaktoren zu tun. Vor den Unruhen war es kein Hauptthema. Ich habe die China-Berichterstattung in deutschen Zeitungen untersucht und da nahm Tibet keinen großen Raum ein. Die chinesische Wirtschaft ist da wichtiger.

Wie verhält sich der chinesische Staat, wenn deutsche/ausländische Korrespondenten über den Konflikt berichten?

Voglreiter: Wenn ein Bericht den chinesischen Behörden besonders missfällt, kann es vorkommen, dass der Korrespondent ins chinesische Außenministerium bestellt wird und ihm gesagt wird, er solle beim nächstes Mal anders berichten. Aber das hat in der Regel keine Folgen.

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Interview: Jonas Knopp
Teaserfoto: pixelio.de - Angela Parszyk
Fotos: Sandra Voglreiter

[Artikel Drucken]Veröffentlicht: 06.08.2008
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