Christian, 27 Jahre, Hexenmeister Chlode
EDV-Berater
Spielt seit:
19. September 2005
Spielzeit: Etwa 200 Tage
Wie viel spielst du?
Täglich etwa eine Stunde außerhalb der Raids. In der gesamten Woche inklusive Raids bestimmt 15 Stunden.
Warum hast du damals mit dem Spiel angefangen?
Aus Liebeskummer. Ich hatte Stress mit meiner Frau und habe mich bei meinem besten Freund ausgeheult. Der hat damals schon gespielt, mir hat es auch gefallen und dann bin ich dabei geblieben. Einen Monat nachdem ich Chlode erstellt habe, habe ich dann zum ersten Mal geraidet.
WoW ist...?
Ein Hobby, das Zeitvertreib, Flucht vor Problemen und Miteinander mit Menschen die ich mag miteinander verbindet.
Was motiviert dich, zu raiden?
Ich hab seit Final Fantasy I so einen Rollenspiel-Fanatismus entwickelt. Immer alles zu sehen, alles zu besitzen und alles in meiner Macht zu haben. Und da es in WoW immer neue Bosse gibt, will ich die auch alle legen. Das ist die Motivation. Und seit wir alles besiegt haben, habe ich mir vorgenommen, einen Charakter von jeder Klasse auf 80 zu bringen.
Wie wichtig sind die anderen Spieler für dich?
Die Anderen sind mir sehr wichtig. Ich habe Online-Games eigentlich immer nur wegen dem Zwischenmenschlichen gespielt. Und bei WoW werden mehr persönliche Kontakte geknüpft als alle immer glauben. Wenn man sechs Stunden gemeinsam spielt, dann redet man ja auch über andere Sachen als über WoW, und dadurch lernt man die Menschen hinter den Charakteren kennen. Und die sorgen für die Motivation. Ich könnte jetzt sagen: Ich hab alles gesehen und alles besiegt, was hält mich jetzt noch hier? Es sind die anderen Leute die den Spaß am Spiel aufrecht erhalten. Ich kann hier in der Gilde auch nicht mit jedem, aber einige würden mir schon fehlen wenn ich nicht spielen würde.
Welchen Stellenwert hat das Spiel in deinem Leben?
Es ist mir längst nicht mehr so wichtig wie früher. Aber wenn ich mich anmelde um gemeinsam mit 24, oder früher sogar 39 Anderen zu raiden, dann bin ich auf jeden Fall da. Und dann erwarte ich auch, dass die anderen da sind. Wenn ich mich zu elft zum Fussballspielen verabrede kann ich auch nicht einfach nicht hingehen, dann können zehn andere Leute nicht spielen. WoW ist eben online und ich bin danach nicht so fertig wie nach dem Judo, aber ansonsten ist es ein Hobby wie jedes andere auch. Nur eben teilweise sehr zeitintensiv.
Wie gehen Freundin und Familie mit dem Spiel um?
Meine Frau und mein Bruder spielen auch, mein Vater hat früher gespielt und meine Mutter hat sich dran gewöhnt. Von anderen Leuten werde ich manchmal belächelt, manchmal gibt’s auch negativere Reaktionen. Ich erzähle auch von mir aus, dass ich WoW spiele. Das gefällt den Leuten nicht immer *lacht* Manchmal wird man einfach für einen Vollidioten gehalten nur weil man WoW zockt.
Ohne das Spiel würde ich/hätte ich?
Ohne das Spiel hätte ich auf jeden Fall mehr Zeit, die ich mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen würde. Aber im Grunde wäre ich wohl der Gleiche. *lacht* Meine Frau schüttelt gerade den Kopf, sie meint, ohne WoW wäre ich noch ungenießbarer. Vielleicht würde ich auch einfach was anderes spielen. Am Anfang dachte ich mal, ich wäre süchtig, aber dann hab ich zwei Mal sechs Monate lang Pausen eingelegt und das Spiel in der Zeit nicht vermisst. Das ist also nicht vergleichbar mit anderen Süchten wie Zigaretten zum Beispiel.
Was wäre ein Grund, aufzuhören?
Wenn meine Familie sagen würde es geht nicht mehr oder wenn die Arbeit es verlangt. Oder eben wann das Spiel für mich seinen Reiz verliert. Mal den nächsten Patch abwarten.
Das Interview wurde am Mittwoch, den 5. Januar 2009, per Teamspeak aufgezeichnet.

