Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Global Media Forum 2010

Bomben auf dem Titel, Klimawandel hinten

Nicht nur in der öffentlichen Diskussion, auch in den Redaktionen selbst hat es die Berichterstattung über Umweltprobleme nicht leicht. Umweltberichterstattung habe bei vielen Chefredakteuren längst noch nicht den nötigen Stellenwert, beklagten sich einige internationale Journalisten in Bonn.

Solange keine große Katastrophe zu verkaufen ist, seien die Themen Ladenhüter und würden oft auf hintere Seiten verbannt. So berichtete die pakistanische Journalistin Rina Saeed Khan, dass in ihrer Heimat die Umweltberichterstattung von Terror, Politik und Wirtschaft überlagert werde. "Bomben auf dem Titel, Klimawandel auf der letzten Seite" überschrieb Khan ihren Vortrag. Sie solle sich nicht so viel Sorgen um die paar Bäume machen, bekomme sie von ihrem Chefredakteur zu hören, Pakistan habe viel größere Probleme.

Das "blame game" spielen

Antonia Koop

Teilnehmer aus Uganda oder den Philippinen erzählten, dass in ihren Ländern an hintergründigen Berichten kaum Interesse gezeigt werde. Um ihre Artikel zu verkaufen, müssten sie schon das "blame game" spielen, also jemand konkretes beschuldigen. Nur die großen Skandale schafften es prominent ins Blatt oder die Sendung. Analysen hingegen seien nicht gefragt. Das Global Media Forum soll die Umweltberichterstattung deshalb stärker verbreiten. Und es soll sie verbessern. Die Umweltberichterstattung sei ein perfektes Beispiel dafür, wie in einer globalisierten Welt mit immer komplizierteren Themen umgegangen werden müsse, sagt Antonia Koop, Gründerin des Peace and Conflict Journalism Network PECOJON.

Journalisten müssten bei ihren Recherchen zu Umweltthemen viele Aspekte beachten, von Politik über Soziologie bis hin zu Biologie. "Es darf nicht nur über den aktuellen Zustand berichtet werden. Stattdessen muss der Ursprung der Probleme beschrieben werden. Und es muss gezeigt werden, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt", sagt Koop. Statt zu dramatisieren und zu vereinfachen sollten die Medien alle verfügbaren Informationen darstellen und die einzelnen Punkte verbinden.

Text: Daniel Drepper

Foto: DW/M. Mülle über Flickr

Veröffentlicht: 16.07.2010
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