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Wann wird Harald Schmidt endlich wieder lustig?

::Von Jonas Knoop

am 02.03.2010 um 16:15 Uhr

"Früher war alles besser!" - Eine Phrase, welche die ältere Generation dankend benutzt, wenn sie davon ablenken will, dass sie mit dem "Hier und Jetzt" nicht zurechtkommt. Mit meinen 25 Lenzen bin ich davon hoffentlich noch weit genug entfernt, ständig auf der "ach so guten Vergangenheit" herumzureiten. Doch in der Gegenwart, immer donnerstags um 23 Uhr, wird mir urplötzlich klar, wie viel Wahrheit in diesem kleinen abgedroschenen Satz meiner Eltern und Großeltern steckt.

Dann zeigen die Öffentlich-Rechtlichen einen grauhaarigen Mann namens Harald Schmidt, der mitunter unlustige Sprüche von einem Papp-Plakat abliest. Die Studio-Zuschauer lachen und klatschen - weil sie irgendwie müssen. (Jeder, der schon einmal in so einer Sendung war, weiß was ich meine.) Eine abgehalfterte Alt-Herren-Band sorgt unter Leitung von Helmut Zerlet für musikalische Abwechslung. Schade nur, dass sie mittlerweile das Niveau einer Schüler-Band unterbieten.

Aber jetzt der Reihe nach: Nach dem ersten Stand-Up werden ein paar Clips gezeigt. Der Inhalt: Unsere "doofen" deutschen Politiker. Habe ich "TV Total" eingeschaltet? Bin ich schon wieder im Privatfernsehen gelandet? Alles ein wenig auf Politik-Satire getrimmt, aber sonst eindeutig Pro7-Niveau. Zwischen den Einspielern bringt Harald Schmidt den einen oder anderen Spruch - er versucht es und leider gelingt es ihm nur selten. Als Zuschauer spürt man bereits jetzt, dass sich der Altmeister quält. Wo ist seine Spontaneität, seine Fähigkeit aus "Wenig" "Viel" zu machen? Alles das, was Harald Schmidt jahrelang von der Masse der deutschen Entertainer kilometerweit absetzte? Es scheint fast so, als würde er seine Karriere bis zum wohlverdienten Ruhestand absitzen.

Überflüssig bis nervig sind zudem die Auftritte von Katrin Bauerfeind und Co. Bauerfeind ist zwar augenscheinlich eine sehr talentierte Journalistin, sollte sich allerdings auf das beschränken, was sie tatsächlich kann - lustig sein gehört nicht dazu. Ihre Person steht symbolisch für ein Format, das von einer "Late-Night-Show" mit Lachgarantie bei Sat.1 zu einem langweilenden Sendezeit-Füller in der ARD geworden ist.

Waren das noch Zeiten, als "Harald Schmidt" noch "Harald Schmidt Show" hieß und Manuel Andrack als genialer Sidekick fungierte. Der "Manuäl", wie ihn Schmidt immer gerne nannte, der mit seinem Humor seinem "Chef" unauffällig Paroli bot. Ein TV-Klassiker jagte den nächsten, als uns Harald Schmidt "die Welt erklärte" oder die wichtigsten "Diebstahl-Verhinderungs-Tipps" verriet. Unvergessen auch der Automarken-Tipp.

Die ARD beendete die "guten alten Zeiten, wo alles besser war". Mal wieder hatten die Öffentlich-Rechtlichen andere Vorstellungen und lösten Andrack, der wie bei Sat.1 zunächst Redaktionsleiter der Show blieb, mittlerweile aber gekündigt hat, durch Oliver Pocher ab. Pocher blieb nicht lange und benutzte sein Engagement stattdessen als Sprungbrett für seine eigene Late-Night-Show bei den Privaten.

Das Ziel, junge Zuschauer für sich zu gewinnen, hatte die ARD damit verfehlt. Die Programmverantwortlichen mussten daher einen anderen Weg einschlagen. Ab sofort sollte "Harald Schmidt" zur politischen Satire auf gehobenem Niveau werden, mit Gästen, die niemand anderes dem verwöhnten Zuschauer bietet.
Ein Niveau, das nicht nur mir ZU hoch erscheint - viele Fans trauern in Internet-Foren der guten alten "Harald Schmidt Show" hinterher.

So bleibt nur die Frage: Wann wird Harald Schmidt endlich wieder lustig?

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