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Kein "Zimmer frei" für Sonneborn

::Von Agnes Absalon

am 10.10.2009 um 20:05 Uhr

Die WDR-Sendung "Zimmer frei" hat folgendes Konzept: Die Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann laden seit nunmehr 500 Folgen einen semi- bis vollprominenten Gast ein, setzen ihm sein Lieblingsessen vor, löchern ihn währenddessen mit mehr oder weniger investigativen Fragen - so dass der Gast nicht mehr zum Essen kommt -, spielen mit ihm mehr oder weniger lustige Spiele und am Ende darf das Publikum abstimmen: Bekommt der Promi ein Zimmer in der fiktiven Westermann-Alsmann-WG oder nicht? In den meisten Fällen hat die Abstimmung das gleiche Ergebnis wie früher eine Wahl in der DDR: 99 Prozent der Stimmen gehen an den Gast, dessen sympathischsten Seiten das Moderatoren-Duo während seines Interviews aus ihm heraus gekitzelt hat. Doch Anfang September fuhr ein angehender WG-Nachmieter eine historische Wahlniederlage ein:

Nur 50 Prozent, so vermutet PARTEI-Chef Martin Sonneborn in einem Interview mit dem Medien-Portal Meedia, hätten für seinen Einzug in die WG gestimmt. Und anscheinend war die Aufzeichnung so anstößig, dass der WDR auf die Ausstrahlung am vergangenen Sonntag (4. Oktober 2010) komplett verzichtete. Was ist passiert? Hat sich Martin Sonnborn, der sich mit seiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative einsetzt, dermaßen daneben benommen, dass man sein Verhalten den deutschen Zuschauern nicht zumuten kann? Hat er vielleicht seinen blanken Hintern in die Kameras gestreckt, Christine Westermann an den Busen gegriffen oder Götz Alsmann aufs Klavier gespuckt? Oder hat er etwas anderes Skandalöses getan? Nicht, wenn man der WDR-Sprecherin Kristina Bausch Glauben schenken darf. Sie behauptet nämlich auf RP Online: "Inhaltlich genügte die Sendung unseren Maßstäben nicht." Und in der Welt setzte sie sogar noch eins drauf: "Die Sendung ging einfach nicht. Es hat hinten und vorne nicht funktioniert, es war einfach nicht lustig." Der PARTEI-Chef ließ daraufhin verlauten, er wundere sich, dass eine WDR-Sprecherin beurteilen könne, was lustig sei und was nicht. Martin Sonneborn und nicht lustig? Das riecht nach einer Verschwörung!

Schließlich ist der WDR auch sonst nicht zurückhaltend mit Sendungen von "Zimmer frei", die einen eher ungewöhnlichen Verlauf nehmen. Unvergessen ist die mit mehr als vier Jahren Verspätung ausgestrahlte Folge mit Cherno Jobatey. Aufgezeichnet wurde sie im Februar 1999, auf die Bildschirme der Nation schaffte sie es erst am Totensonntag 2003. Westermann und Alsmann ärgerten den Moderator des ZDF-Morgenmagazins mit Anspielungen auf seine frühere Legasthenie und provokanten Fragen à la "Kannst du eigentlich überhaupt was?" so sehr, dass er vorübergehend aus dem Studio stürmte. Die Moderatoren sprachen daraufhin einige Jahre von ihrem "Chernobyl".

Der Cherno-GAU ist im Endeffekt ja doch gezeigt worden - und Sonneborn soll auf ewig im Archiv schlummern? Das lässt darauf schließen, dass der Politiker etwas richtig Schlimmes gesagt oder angestellt hat. Etwas, das den WDR in seinen Grundfesten erschüttern würde. Und ja - das hat er. Das gibt er selber zu: Er hat die Zuschauer zum Boykott der GEZ-Gebühren aufgerufen. Sie sollten damit seinem Beispiel folgen. Und er hat die bisherige Speerspitze der öffentlich-rechtlichen Moderatoren, Johannes Baptist Kerner, als "überbezahlt" bezeichnet.

Doch was der WDR der gesamten ARD und dem ZDF mit der Nicht-Ausstrahlung eingebrockt hat - das können sich die Verantwortlichen noch überhaupt nicht vorstellen. Denn der große PARTEI-Vorsitzende war not amused darüber, dass Dorkas Kiefer der Vorzug gegeben wurde. Er sagte: "Ich staune auch darüber, dass es sich der WDR erlauben kann, für 250.000 Euro eine Fernsehsendung zu produzieren und dann für immer wegzuschließen." Jetzt will sich seine Partei für die TV-Abschaffung der Gebühren einsetzen. Und ihre Aktionen - zum Beispiel der partielle Wiederaufbau der Mauer oder die Auslandsreise nach Georgien - sind berüchtigt.

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2 Kommentare
answer #1) Frank - 10.11.2009 - 18:32

Inzwischen kann man sich die Sendung ja doch noch anschauen und es wird deutlich, daß die ursprüngliche Entscheidung des WDR, die Sendung nicht auszustrahlen, genau richtig war. Aus eben dem von ihm aufgeführten Grund: es war einfach nicht lustig und der Fremdschämpegel für Herrn Sonneborn, der seine stocksteife Rolle nicht ablegen konnte, auf vollem Anschlag.

answer #2) Toni homepage - 11.11.2009 - 23:00

Der Fremdschämpegel war wohl eher für Moderatorin Christine Westermann hoch völlig überfodert am Ende fast völlig bockig war. Sonneborn hat seine Rolle wunderbar gespielt und damit dafür gesorgt, dass sich die Moderatorin und ihre Sendung unfreiwilllig selbst karikiert haben.

 

Naja, und insbesondere ein Teil der Zielgruppe von "Zimmer frei" dürfte natürlich auch nicht unbedingt amused gewesen sein! Aber das dürfte Sonneborn (zu recht) egal gewesen sein.

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