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Kein "Zimmer frei" für Sonneborn

::Von Agnes Absalon

am 10.10.2009 um 20:05 Uhr

Die WDR-Sendung "Zimmer frei" hat folgendes Konzept: Die Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann laden seit nunmehr 500 Folgen einen semi- bis vollprominenten Gast ein, setzen ihm sein Lieblingsessen vor, löchern ihn währenddessen mit mehr oder weniger investigativen Fragen - so dass der Gast nicht mehr zum Essen kommt -, spielen mit ihm mehr oder weniger lustige Spiele und am Ende darf das Publikum abstimmen: Bekommt der Promi ein Zimmer in der fiktiven Westermann-Alsmann-WG oder nicht? In den meisten Fällen hat die Abstimmung das gleiche Ergebnis wie früher eine Wahl in der DDR: 99 Prozent der Stimmen gehen an den Gast, dessen sympathischsten Seiten das Moderatoren-Duo während seines Interviews aus ihm heraus gekitzelt hat. Doch Anfang September fuhr ein angehender WG-Nachmieter eine historische Wahlniederlage ein:

Nur 50 Prozent, so vermutet PARTEI-Chef Martin Sonneborn in einem Interview mit dem Medien-Portal Meedia, hätten für seinen Einzug in die WG gestimmt. Und anscheinend war die Aufzeichnung so anstößig, dass der WDR auf die Ausstrahlung am vergangenen Sonntag (4. Oktober 2010) komplett verzichtete. Was ist passiert? Hat sich Martin Sonnborn, der sich mit seiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative einsetzt, dermaßen daneben benommen, dass man sein Verhalten den deutschen Zuschauern nicht zumuten kann? Hat er vielleicht seinen blanken Hintern in die Kameras gestreckt, Christine Westermann an den Busen gegriffen oder Götz Alsmann aufs Klavier gespuckt? Oder hat er etwas anderes Skandalöses getan? Nicht, wenn man der WDR-Sprecherin Kristina Bausch Glauben schenken darf. Sie behauptet nämlich auf RP Online: "Inhaltlich genügte die Sendung unseren Maßstäben nicht." Und in der Welt setzte sie sogar noch eins drauf: "Die Sendung ging einfach nicht. Es hat hinten und vorne nicht funktioniert, es war einfach nicht lustig." Der PARTEI-Chef ließ daraufhin verlauten, er wundere sich, dass eine WDR-Sprecherin beurteilen könne, was lustig sei und was nicht. Martin Sonneborn und nicht lustig? Das riecht nach einer Verschwörung!

Schließlich ist der WDR auch sonst nicht zurückhaltend mit Sendungen von "Zimmer frei", die einen eher ungewöhnlichen Verlauf nehmen. Unvergessen ist die mit mehr als vier Jahren Verspätung ausgestrahlte Folge mit Cherno Jobatey. Aufgezeichnet wurde sie im Februar 1999, auf die Bildschirme der Nation schaffte sie es erst am Totensonntag 2003. Westermann und Alsmann ärgerten den Moderator des ZDF-Morgenmagazins mit Anspielungen auf seine frühere Legasthenie und provokanten Fragen à la "Kannst du eigentlich überhaupt was?" so sehr, dass er vorübergehend aus dem Studio stürmte. Die Moderatoren sprachen daraufhin einige Jahre von ihrem "Chernobyl".

Der Cherno-GAU ist im Endeffekt ja doch gezeigt worden - und Sonneborn soll auf ewig im Archiv schlummern? Das lässt darauf schließen, dass der Politiker etwas richtig Schlimmes gesagt oder angestellt hat. Etwas, das den WDR in seinen Grundfesten erschüttern würde. Und ja - das hat er. Das gibt er selber zu: Er hat die Zuschauer zum Boykott der GEZ-Gebühren aufgerufen. Sie sollten damit seinem Beispiel folgen. Und er hat die bisherige Speerspitze der öffentlich-rechtlichen Moderatoren, Johannes Baptist Kerner, als "überbezahlt" bezeichnet.

Doch was der WDR der gesamten ARD und dem ZDF mit der Nicht-Ausstrahlung eingebrockt hat - das können sich die Verantwortlichen noch überhaupt nicht vorstellen. Denn der große PARTEI-Vorsitzende war not amused darüber, dass Dorkas Kiefer der Vorzug gegeben wurde. Er sagte: "Ich staune auch darüber, dass es sich der WDR erlauben kann, für 250.000 Euro eine Fernsehsendung zu produzieren und dann für immer wegzuschließen." Jetzt will sich seine Partei für die TV-Abschaffung der Gebühren einsetzen. Und ihre Aktionen - zum Beispiel der partielle Wiederaufbau der Mauer oder die Auslandsreise nach Georgien - sind berüchtigt.

Schildkröte gegen Holzblock

::Von Paulina Henkel

am 14.09.2009 um 14:47 Uhr

Ich habe durchgehalten: Neunzig Minuten Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier pur. Harte Fakten, politische Statements, wenig Unterhaltsames - Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Gut 30 Minuten SPD-Ideologie und 30 Minuten CDU-Pläne prasselten auf mich ein wie ruhiger Herbstregen. Ich blieb anders als meine Couchnachbarn bis zum Ende wach. Schließlich hoffte ich, danach mein Kreuz am Wahltag noch begründeter setzen zu können. Wie naiv.

Das Wort Duell erhielt gestern eine ganz neue Bedeutung. Zwar standen die beiden Protagonisten nebeneinander. Gegenseitige Angriffe hatten aber die Härte von Wattebäuschen. Kanzlerin Angela Merkel gab die kompetente, verantwortungsbewusste Regierungschefin - mit dem Elan einer beleidigten Schildkröte. Frank-Walter Steinmeier kompensierte fehlende Leidenschaft in der Argumentation mit geröteten Wangen. Konsequent versprühte er den Charme eines Holzklotzes.

Gerade zu verzweifelt waren die Versuche der Journalisten, die Kontrahenten zu mehr Konfrontation anzustacheln. Man sehe ein Duett, kein Duell. Merkel und Steinmeier verhielten sich wie ein älteres Ehepaar, das sich nur ein wenig zanke. Spätestens jetzt konnte ich mein Fremdschämen nicht unterdrücken. Ein unwürdiges Spiel. Habt doch Gnade, die beiden können nun mal nicht aus ihrer Haut. Oder sind Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier jemals durch polemische, energiegeladene, heißblütige Reden aufgefallen, wie sie vielleicht Edmund Stoiber oder Guido Westerwelle im Repertoire haben?

In der Atompolitik, beim Mindestlohn und der Steuerpolitik kamen dann immerhin deutliche inhaltliche Unterschiede zu Tage. Endlich mal. Überraschend oder neu waren die Positionen aber nicht. Erwachsene Menschen, die unser Land regieren, müssen keine Clowns sein, keine Entertainer oder Comedians, über ein wenig mehr verbale Abgrenzung hätte sich die Zuschauer trotzdem gefreut. Vielleicht hätte ihr Ohr die einen oder anderen politischen Argumente dann auch leichter aufgenommen.

14,2 Millionen Zuschauer, sieben Millionen weniger als 2005, sahen sich das Pseudo-Duell an. Neben der allgemeinen Politikverdrossenheit dürften auch die Kontrahenten eine abschaltende Wirkung gehabt haben. Wenn Steinmeier auch bei den Unentschiedenen etwas besser als Angela Merkel angekommen ist, bleiben doch genug Wechselwähler, die sich dem leidenschaftslosen Krisengespräch nicht ausgesetzt haben. Entschieden ist also noch nichts.

Das TV-Duell hätte in diesem Jahr ohnehin ausfallen können. Umfassende Information, die ein Kreuz rechtfertigt, erfährt niemand in den politischer Häppchen während der 90 Minuten. Als unterhaltsame Ergänzung wäre es nett gewesen, doch die passenden Protagonisten fehlten. Bleibt als informative Wahlkampfunterhaltung in diesem Jahr nur der Wahl-o-Mat. Die Lage könnte tragischer sein.

Oh, Quentin! Warum?

::Von Helene Pawlitzki

am 10.09.2009 um 10:59 Uhr

Gestern war ich in der Videothek und habe mir Reservoir Dogs ausgeliehen, endlich. Ich kannte die meisten Tarantino-Filme schon, diesen noch nicht. Jetzt habe ich sie also alle gesehen: Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill, Death Proof - die meisten von ihnen mehrmals. Und ja, ich kenne auch die Szene aus Sin City, die auf Tarantinos Konto geht.

Das Problem ist Inglourious Basterds.

Nicht, dass ich was gegen Gewalt in Filmen hätte. Sinnlose Gewalt, Hollywood-Gewalt, geschmacklose Gewalt, naja - ich bin kein großer Fan, aber ich kann darüber hinwegsehen, wenn der Film mir ansonsten gefällt. Ich halte es nicht unbedingt mit Tarantino, der Gewalt, wie er sagt, als rein ästhetische Angelegenheit betrachtet, völlig unpolitisch: Entweder man mag Slapstick-Comedy in Filmen oder nicht. Entweder man mag Gewalt in Filmen oder nicht. Aber ich bin auch nicht überaus empfindlich und ich denke nicht, dass Gewalt in Filmen automatisch zu mehr Gewalt im wirklichen Leben führt.

Nun dreht Tarantino, dessen sonstiges filmisches Schaffen ich kenne und bisher immer genossen habe, einen Film, in dem es darum geht, dass ein Haufen Juden den Nazis jedenfalls teilweise die Grausamkeiten zurückzahlt, die letztere so ausgeteilt haben - eine Art Was-wäre-wenn-Story. Jedenfalls vermute ich, dass es darum geht - nach der Lektüre verschiedener Filmkritiken.
Will ich das sehen? Eigentlich nicht.

Der Grund ist nicht, dass ich dagegen bin, die überaus schreckliche deutsche Vergangenheit als Vehikel für eine Geschichte zu gebrauchen. Menschen brauchen Geschichten, um Dinge zu verstehen. Der Grund ist vielmehr, dass ich mir Sorgen um die Unschuld meiner Seele mache. Ich befürchte, was die überaus schreckliche deutsche Vergangenheit betrifft, bin ich bereits weitgehend abgestumpft. Ich nehme die Tatsache des Holocaust hin als etwas Trauriges, das aber nicht zu ändern ist - schockieren aber können mich die Geschichten von den vielen Morden kaum noch. Und die Nazis? Ein unverhältnismäßig verdorbener Menschenschlag, kann mal passieren. Kann auch heute noch passieren, kann man nix machen.
Deshalb scheue ich mich, einen Film zu sehen, der die ganze Angelegenheit des Dritten Reichs in eine Was-wäre-wenn-Welt rückt, in der die Juden an den Nazis Rache nehmen. Meine Befürchtung ist, dass das die bereits weit fortgeschrittene Verrohung meiner Seele weiter vorantreiben würde.

So weit hätten wir eigentlich kein Problem, bis auf dieses:
Ich bin kein großer Film-Nerd, deshalb ist es bemerkenswert, dass ich überhaupt weiß, wer bei Reservoir Dogs Regie geführt hat, dass es die erste Regiearbeit eines Wahnsinnigen (eines Genies?) ist, dessen andere Filme ich, wie viele andere Menschen auch, schätze. Es ist auch bemerkenswert, dass ich offenbar den Drang hatte, Reservoir Dogs zu sehen, um diese Lücke in meinem Filmwissen zu schließen. Ich bin eigentlich keine Komplettistin, jedenfalls nicht so, wie viele Filmfans Komplettisten sind - so wie beispielsweise auch Tarantino diesen Drang zur Vervollständigung erklärt: Auf dem Bonusmaterial zu Reservoir Dogs sagt er: "There are some people who like movies, and some people who like the movies they like. I just like movies. All movies." Ich persönlich zähle wohl zur zweiten Kategorie, ich kann mir nicht helfen: I don't like all movies, but I like all Tarantino movies. Was Quentin angeht, bin ich offenbar Komplettistin.

Hier stehe ich nun vor meinem Schöpfer - möchte ins Kino gehen und doch nicht; möchte Inglourious Basterds sehen und kann mich nicht entschließen; verfluche mich für meinen Wankelmut und fürchte doch einzuknicken. Sollte ich jemals in einem Kinosessel Platz nehmen, um den neuen Tarantino-Film zu sehen, wird es ein Zeichen meiner Prinzipienuntreue und Unterhaltungssucht sein, für das ich mich ewig verachten werde. Oh Quentin! Warum?

Mehr Dilemmata

"Quälend langsame Nazi-Walze" - auch DER SPIEGEL hat eine Meinung zu Inglourious Basterds

Quentin Tarantino und seine Filme auf der Internet Movie Database

Inglourious Basterds - offizielle Homepage

Journalistik - ein Lehrfach!

::Von Verena Hepperle

am 27.08.2009 um 13:48 Uhr

Es ist ein altes Sprichwort, das besagt, dass in manchen Situationen der Berg zum Propheten kommen muss, nicht umgekehrt. Leicht abgewandelt trifft das auch auf das Thema dieses Blogartikels zu. Es kam zu mir. Ganz ohne Zwang. Plötzlich war es einfach da.

Samstagabend. Gerade von einem Sprachaufenthalt im Ausland zurück, fahre ich in Vorfreude auf einen entspannten Abend zu einer WG-Party nach Tübingen. Tübingen - die Stadt, in der Hesse, Hölderlin und Schiller Station machten. Die Stadt, der manche das frühe Charakteristikum des Humanismus zuschreiben. Die Stadt in der die meisten Buchhandlungen Deutschlands auf einen Einwohner kommen. Die Stadt, in der ich beinahe studiert hätte. Doch an all das denke ich nicht, als ich meine Freunde nach mehreren Wochen wieder zu Gesicht bekomme. Die Wiedersehensfreude ist jedoch nur von kurzer Dauer: Auf dem Balkon - es ist schon dämmrig - bekomme ich vor den Augen anderer Partygäste einen Teil einer Ausgabe der Süddeutschen gereicht. Ausgerechnet von meiner besten Freundin. Ob ich denn mitbekommen hätte, was unter anderem über meinen Dortmunder Studiengang geschrieben werde? Da ich in Rom nur wenige Male eine Zeitung (es war sogar die Süddeutsche) - für den erhöhten Auslandspreis, versteht sich - erstanden habe, in diesen Ausgaben aber nichts dergleichen zu lesen war, kann ich nur von einer Mail berichten, die zu selbigem Artikel über unseren Studentenverteiler ging.

Zunächst einfach nur ein Link - ohne Kommentar. Wie ich gestehen muss, habe ich mich in Rom jedoch nicht näher damit auseinander gesetzt. Zu groß war der Andrang an den Computern der Schule, zu stark die Verlockung, die Zeit nicht mit dem Lesen von Emails zu verplempern, sondern Stadt und Umgebung zu erkunden oder mich der italienischen Sprache zu widmen.

Diese Entscheidung sollte ich an jenem Abend auf dem Balkon einer Tübinger WG allerdings bereuen. "Die Hochschule ist dazu da, junge Menschen zu Fachleuten auf wenigstens einem Gebiet zu machen. Wer Journalistik studiert, ist anschließend Fachmann in nichts," zitiert meine Freundin, die im Hauptfach Rhetorik studiert, lautstark. Was nur soll ich dagegen erwidern? Dass mir dieser Vorwurf bekannt oder besser gesagt dieser Vorschlag ein Fachstudium zu beginnen selbst unterbreitet, ja sogar nahegelegt wurde, damals als ich mich entscheiden musste zwischen Tübingen, Dortmund und Berlin? Dass mir jener Chefredakteur der Lokalzeitung, bei der ich hospitiert hatte und als freie Mitarbeiterin tätig war, in jener Zeit klipp und klar gesagt hat: "Wenn du Journalistik studierst, stelle ich dich später nicht ein!" Dass der Chef jener PR-Abteilung, in der ich ebenfalls hospitiert hatte, hingegen absolut begeistert war von einem Studiengang, der Praxis und Theorie verbindet und eine Perspektive für die Zukunft bietet? Er selbst, wie ich glaube zu seiner "Verteidigung" anführen zu müssen, hat nicht Journalistik studiert, sondern regulär, wie von Herrn Esslinger in "Journalistik, ein Leerfach" empfohlen, ein Fachstudium absolviert und hinterher volontiert.

Die Vorlesestunde endet mit dem letzten Absatz des Artikels. Den Professor, um den es geht, kenne ich. Klar, er hat nicht Journalistik studiert. Muss man ja auch nicht. Ein anderer unserer Professoren, der eher abfällig von Herrn Esslinger erwähnt wird, hingegen schon - was jedoch außen vor bleibt.

Das beweist doch nur, was von vornherein klar war: Viele Wege führen eben nach Rom. Und nicht nur, weil ich gerade in der italienischen Hauptstadt war. Und so ist es auch mit dem Studium. Ich kenne es aus dem Volontariat und aus meinem Freundeskreis nur so, dass man sich gegenseitig hilft, wenn es Probleme gibt - egal, was man studiert hat oder noch studiert. Und auch die Unternehmen, so mein Eindruck, profitieren von den unterschiedlichen Formen. Ich selbst habe nach dem Volo oder nach Praktika nie Negatives über den Stand meiner Ausbildung gehört. Abgesehen davon, dass - wie Herr Esslinger selbst schreibt - für Absolventen eines "regulären" Studiengangs ohnehin zu wenig Volontariate angeboten werden...

Mir geht es hier aber nicht etwa darum, meinen Studiengang zu verteidigen. Das können andere eh besser als ich. Ich möchte lediglich aufzeigen, dass solche Spaltungen unnötig sind. Als ich auf der Party von einem Freund meiner Freundin gefragt werde, was ich studiere (er hatte die Lesestunde zuvor verpasst), nuschle ich etwas von Leerfach, über das ich besser an diesem Abend nicht mehr sprechen wolle. Gut, Leerfach kann man natürlich auch falsch verstehen... Er jedenfalls habe Kommunikationswissenschaft studiert. Kommunikationswissenschaft? Meine Lippen formen sich von anderen nahezu unbemerkt zu einem leisen Lächeln.

Kleiner Nachtrag: Was Dortmund betrifft - die Stadt würde ich sofort gegen Tübingen tauschen, meinen Studiengang hingegen nicht.

"Peng! Du bist tot!"

::Von Helene Pawlitzki

am 20.08.2009 um 17:53 Uhr

Menschen wie ich sprechen in diesen Wochen gerne vom "Qualjahr 2009", in Anlehnung an das Sprichwort "Wer die Wahl hat, hat die..." - na, erraten? Genau. Mündigkeit nervt, wenn man nicht weiß, was man damit soll. Nicht, dass ich per se was gegen freie Wahlen habe: Demokratie ist ja ganz schön. Aber mir wäre wohler, wenn andere, klügere und besser informierte Leute als ich entscheiden dürften, wer in den nächsten vier Jahren regiert.

Um aus den zur Wahl stehenden Politikern die beiden am wenigsten indiskutablen Kandidaten herauszupicken, müsste ich eigentlich jeden Tag mehrere Stunden Zeitung lesen und Rundfunk konsumieren, um dann die täglichen verbalen Ergüsse - zu sinnvollen, prägnanten Sätzen destilliert - zu vergleichen. Es scheint, als hatte nicht nur ich diese Idee. Die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten (ARD) hat gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut das Web-Duell erfunden.

Das Ganze funktioniert so: Jedes Mal, wenn ein deutscher Spitzenpolitiker zwei zusammenhängende Sätze in ein Mikrofon des ersten oder der dritten Programme spricht, werden diese Sätze von einem angeblich sehr ausgefuchsten Spracherkennungs-Programm analysiert. Das Interview landet dann verschlagwortet im Internet. Der politisch unentschiedene Nutzer kann nun ein Thema - je nach Interessenlage zum Beispiel Atomausstieg, Hartz IV oder Verschuldung - eingeben, zwei Kontrahenten wählen und anschließend aus den angeboteten Radio- und Fernsehinterviews eins auswählen. "Immer wieder neue spannende Erkenntnisse" verspricht die ARD.

Also. Ich habe das ausprobiert. Ich habe zu meinem Vergnügen zunächst mal Angela Merkel und Lothar Bisky gegeneinander antreten lassen. Das Thema lautete: Zukunftsperspektiven. Zunächst sprach Angela Merkel. Sie hatte viel zu sagen. Es gab etwa zehn Interviews mit ihr, und in jedem hatte die ARD drei bis fünf Aussagen zum Thema aufgespürt. Es passierte das, was mir immer passiert, wenn Angela Merkel spricht: Mein Gehirn sendete Schnee. Weißes Rauschen. Ich wußte, sie spricht, aber ich konnte nicht erfassen, was sie meint. (Das ist nicht die Schuld der ARD, glaube ich.)

Ich wand mich jedenfalls Lothar Bisky zu und erwartete eine eloquente und treffende Replik auf den Merkelschen Erguss. Aber Lothar ging es offenbar so wie mir, er war verwirrt. Er hatte nicht viel zu sagen, es gab nur ein Interview zu diesem Thema und dieses Interview enthielt nach Ansicht der ARD auch nur eine Aussage zum Thema Zukunftsperspektiven. Sie befasste sich hauptsächlich mit der Tatsache, dass inzwischen viele Menschen das Internet entdeckt haben und sehr viel wissen, wohingegen manche Menschen einen Browser für einen holländischen Duschkopf halten und nicht so viel wissen. Und dass man sich in Zukunft als Politiker dieser Spaltung der Gesellschaft bewusst sein müsse.

Ich sah Angela an. Angela sah mich an. Sie wusste, dass ich nicht viel wusste, aber jedenfalls sicher war, dass sie irgendwas über Wachstum und technologischen Fortschritt gesagt hatte, was über Lothars kleine Gesellschaftskritik hinausging. Sie grinste ein für sie untypisch unverfrorenes und freches Grinsen. Und dann - ich schwöre es beim Grab von Elvis Presley - zwinkerte sie mir zu, hob die Faust mit abgespreiztem Daumen und Zeigefinger, zeigte damit auf Lothar und sprach: "Peng! Du bist tot!"

So viel zu meinem ersten und letzten "Web-Duell". War nett gemeint, ARD. Aber mal im Ernst: Wenn ich eine Spielshow mit Politikern und Ringelpiez sehen will, gucke ich Anne Will.

Wie der Terror die Medien regiert

::Von Stefan Burkard

am 12.08.2009 um 00:18 Uhr

Es ist wieder so weit: Alle paar Wochen macht sich "der Terror" auf den Weg, um die Schlagzeilen und die allerbesten Sendezeiten zu übernehmen. Unsere Fernsehsender strahlen Sonderformate aus, laden so genannte Terrorexperten zu politischen Talksendungen ein, die Zeitungen widmen den Anschlägen täglich die Titel- und zwei weitere Seiten für Kommentare, Analysen und Hintergründe. So auch im August...

Die Eta

Die baskische Organisation "Euskadi Ta Askatasuna" (Baskenland und Freiheit) wurde 1959 gegründet. Rund 4000 Anschläge gehen auf ihr Konto, mehr als 830 Menschen kamen ums Leben. Vor allem der Mord am Präsidenten Luis Carrero Blanco 1973 sorgte für Aufsehen. Die Eta sieht sich als Befreiungsorganisation, wird aber von der EU und anderen internationalen Organisationen offiziell als terroristische Vereinigung eingestuft.

Aktuell gibt es zwei "bombastische" Vorfälle, die ganz oben auf der Tagesordnung stehen und die Nachrichtenwelt dominieren: Zum einen sorgt der "Terror auf Mallorca" für einen verminderten Badespaß der Deutschen im Ausland. Zum anderen erregt der Terror-Prozess gegen die so genannte Sauerland-Zelle die Deutschen im Inland. Dort wurden Bomben gezündet und hier sollten Bomben gezündet werden - sonst haben die Terrorakte auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Auf der einen Seite kämpft nämlich die Untergrundorganisation Eta für ein unabhängiges spanisches und französisches Baskenland. Und auf der anderen Seite wollten vier radikalisierte Muslime Deutschland einen Denkzettel verpassen; die Regierung solle sich um innere Angelegenheiten kümmern und beispielsweise die Truppen aus Afghanistan abziehen, so der Tenor der Angeklagten während des Prozesses. Zwei verschiedene Arten von Terror also? Zumindest in Bezug auf die verfolgten Ziele ist das so - auch wenn es hier wie da irgendwie um Freiheit geht. Aus medialer Sicht folgen beide Vorfälle demselben Muster: Terror macht Schlagzeilen!

Die Sauerland-Gruppe

Zur "Sauerland-Gruppe" gehören vier Männer, die sich jetzt vor dem OLG Düsseldorf verantworten müssen. Das sind die zum Islam konvertierten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, der Deutschtürke Attila Selek und der Türke Adem Yilmaz. Laut den Ermittlungen sollen sie der "Islamischen Dschihad Union" angehören. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Jahr 2007 etliche Anschläge auf US-Einrichtungen in deutschen Großstädten geplant zu haben. BKA-Beamte und Mitglieder der Eliteeinheit GSG 9 stürmten am 4. September 2007 ein gemietetes Ferienhaus der Gruppe in Oberschledorn, Sauerland.

Ein Attentat, das im Namen des Terrors verübt wird, erreicht seit dem 11. September 2001 - der "Mutter aller Terroranschläge" - fast zwangsläufig eine erhöhte Aufmerksamkeit. Zumindest ist das dann der Fall, wenn in Europa oder den USA eine Bombe explodiert. Der Selbstmordattentäter in Bagdad lässt uns Konsumenten mittlerweile kalt wie kalter Kaffee und gehört zum Nachrichtenalltag wie Mahmud Ahmadinedschad zur Atombombe. Sobald die Bedrohung aber quasi "vor unserer Haustüre" steht und uns mit 30-Tage-Bart, grimmigem Gesicht, dem Koran unter dem Arm und bis an die Zähne bewaffnet zuwinkt, erscheint die Gefahr real und sorgt für Beklemmung - und genau das ist auch das Ziel der Terroristen. Sie wollen Unsicherheit und Ängste in der Gesellschaft schüren, damit sich diese immer mehr in sich selbst zurückzieht, vor dem Fremden abschottet und sich vor allem nicht an Kriegen beteiligt, die sie ins Fadenkreuz von Fundamentalisten oder anderen Fanatikern rücken könnten. So war der Anschlag der Sauerland-Gruppe beispielsweise für die Zeit geplant, in der im Bundestag darüber entschieden wurde, ob Deutschland auch zukünftig Truppen in Afghanistan stationiert. Die Gruppe erhoffte sich von den Anschlägen eine ablehnende Haltung der Gesellschaft gegenüber dem Kriegseinsatz und damit einen erhöhten Druck auf die Regierung um Kanzlerin Merkel.

Das Schlimme daran: Wir Journalisten unterstützen "den Terror" in seiner Entfaltung und Wirkung ungewollt. Wir platzieren Bin Laden und Co. auf die Titelseiten, widmen ihnen Sondersendungen, strahlen die erschütternsten Bilder und Videos aus, produzieren Filme und Reportagen... Dieser Umstand lässt sich natürlich leicht anhand der Nachrichtenwerte erklären: Die räumliche Nähe ist spätestens seit den Anschlägen in Madrid und London gegeben, Bombenexplosionen haben einen hohen Sensationsfaktor und die menschlichen Tragödien sind bewegend und kommen einer Katastrophe gleich. Der vom US-Politologen Samuel Huntington propagierte "Kampf der Kulturen" zwischen der westlichen und islamischen Welt ist zwar noch weit entfernt und wird hoffentlich niemals stattfinden, aber wir Journalisten sollten uns dennoch immer unserer besonderen Verantwortung bewusst sein: Eine sachliche Darstellung der Ereignisse ist der Job des Journalisten, eine Gefahr heraufzubeschwören und das Gefühl zu vermitteln, mein arabischer Nachbar könnte ein Schläfer sein, hingegen nicht.

Wenn ich mich persönlich auf einer anderen Ebene als der sachlichen mit Terroristen, dem Kampf der Kulturen und Bin Laden auseinandersetzen möchte, dann wähle ich nicht etwa das Spannungs- oder Dramagenre. Nein, wenn ich mich schon mit einem so wichtigen, aber auch traurigen, entsetzenden, verheizten, überbetonten und überdramatisierten Thema beschäftige, dann gibt es für mich nur einen sinnvollen und angstlösenden Weg, um das zu tun: Humor über alles.

Männer, Memmen und die Medien

::Von Stefan Burkard

am 09.08.2009 um 18:52 Uhr

Freitagabend, 7. August, 21 Uhr in Wolfsburg: Endlich ist es so weit, nach 76 Tagen bundesligafreier Zeit rollt der Ball wieder. Das männliche Deutschland atmet auf, denn endlich gibt es in Bezug auf die Wochenendplanung der Partnerin eine hieb- und stichfeste Ausrede: "Du, Schatz, ich würde wirklich gerne mit zu deinen Eltern kommen, aber heute spielen wir im absoluten Topspiel gegen..." Ja, gegen wen ist eigentlich egal, denn jedes Spiel der eigenen Mannschaft wird als absolut unumgängliches Topspiel klassifiziert. Neben den Sofa-Sportlern - besser bekannt als Fußballfans - freuen sich insbesondere die Medien über den Bundesliga-Auftakt: 23,5 Prozent des Gesamtpublikums sahen beim sogenannten "Topspiel" am Freitag zu.

Allerdings verdiente das Eröffnungsspiel des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart dieses Prädikat nur in der ersten Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel nahmen die Hausherren wie in der vergangenen Saison das Zepter in die Hand und knüpften nahtlos da an, wo sie aufgehört haben. Die Spannung hielt sich während des Spiels in Grenzen, doch dafür demonstrierte Thomas Hitzlsperger nach dem Spiel in der ARD, warum Fußballer-Interviews die Königsdisziplin im Bereich "investigativer Journalismus" sind: Auf die knallharte und unberechenbare Frage des Journalisten, wie es denn zu der Niederlage gekommen sei, analysierte Hitzlsperger in eloquenter Fußballer-Manier, dass der Vfl Wolfsburg "durch die Bank weg einfach gut bestückt" ist. Danke, lieber Thomas - nur unser aller Liebling "Prinz" Poldi ist noch einen Ticken sympathischer.

Alles beim Alten also?! Nein, nicht ganz. Aus quotentechnischen Gründen wird es jeden Samstag ein Topspiel geben, das erst um 17.30 Uhr angepfiffen wird. Diese Neuerung mag aus Sicht der Fernsehmacher nachvollziehbar sein, weil gute Chancen bestehen, dass die Zuschauer tatsächlich länger vor dem Bildschirm sitzen bleiben, um nach dem "normalen" Spieltag auch noch das Topspiel zu sehen. Dennoch wird das Fußball-Wochenende durch diese Änderung noch mehr künstlich in die Länge gezogen, als es durch das Freitags- und die Sonntagsspiele bereits der Fall ist. Und auch das weibliche Fußball-Deutschland wird sich bedanken, wenn jetzt einmal pro Woche ein vierstündiger Live-Fußball-Marathon in der Kneipe mit doppeltem Bierkonsum ansteht. Und bedanken wird sich wohl auch die ARD, deren Sportschau jetzt jeden Samstag im direkten Duell gegen die Pay-TV-Anbieter antreten muss, die das Topspiel übertragen. Die Analysten, die der ARD einen Rückgang von rund 400 000 Zuschauern prophezeit haben, sollten Recht behalten: Konnte die Sportschau in der vergangenen Saison durchschnittlich 5,1 Millionen Zuschauer zählen, waren dies am 8. August nur knapp 4,7 Million.

Apropos Analysten: Die selbst ernannten Fußball-Experten rechnen in dieser Saison mit keiner großen Überraschung. Sowohl bei Spiegel Online als auch bei Focus Online, sport1.de, fußball24.de, der Bild-Zeitung... ist man(n) sich sicher, dass der FC Bayern Deutscher Meister wird. Auch das ist keine große Überraschung - aber besonders viel Einfluss hatten die Fußball-Expertisen dennoch nie. Auch in der letzten Saison sahen die Trainer den "Stern des Südens" unumstößlich an der Spitze, aber letzten Endes konnte sich dann ein Außenseiter durchsetzen, mit dem eigentlich niemand so richtig gerechnet hat. Und nach dem mageren und wenig überzeugenden 1:1 der Münchner in Hoffenheim können die Fußball-Fans auch in dieser Spielzeit die Hoffnung hegen, dass den Bayern die Lederhosen ausgezogen werden.

Doch was auch immer die Saison 2009/2010 bringen mag: Den Sportjournalisten hilft sie zweifelsohne über das Sommerloch, den Fernsehmachern - ob öffentlich-rechtlich oder privat - beschert sie hohe Quoten und große Einnahmen, die Couchfraktion boxt sie durch ein ansonsten trostloses Wochenende und den Männern in fester Frauenhand bietet sie DEN Rettungsanker vor den drohenden Besuchen bei den Schwiegermonstern. Und nicht zuletzt verschafft sie dem Medien Monitor einen absolut dankbaren Abnehmer in Sachen Blogeintrag...

Steht die Mauer noch?

::Von Verena Hepperle

am 27.07.2009 um 19:35 Uhr

Es muss der frühe Abend des 15. Juli gewesen sein – doch ehrlich gesagt kann ich mich an das Datum nicht so genau erinnern, wie an jene Dokumentation, die ich meine, an diesem Tag gesehen zu haben. "Faszination Freiheit: Spektakuläre Fluchtgeschichten – Mit der Seilbahn über die Mauer", Teil 3 von 4 jener Reihe der Mauerabenteuer, die kürzlich auf Phoenix lief. Vater, Mutter und Kind, es ist ein Sohn von neun Jahren, Holzapfel der Familienname (der war mir inzwischen wieder entfallen, nicht jedoch das Folgende:), befinden sich auf dem Dach des Hauses der Ministerien (auch hier weist meine Nachrecherche auf Konkreteres und zwar geht es um die Ecke Leipziger Straße/Otto-Grotewohl-Straße, heute Wilhelmstraße. Wo? In Berlin natürlich, ehemaliger Ostteil – versteht sich ja von selbst) um von hier aus einen waghalsigen Fluchtversuch zu starten. Ereignet hat sich das Ganze übrigens exakt vor 44 Jahren, am 27. Juli 1965.

Die Holzapfels haben an alles gedacht: Beruhigungsmittel fürs Kind, Schminke fürs Gesicht, Drahtseil, Rolle und Tragegurt für die geplante Abfahrt aus 23 Metern Höhe über die Mauer hinweg in den Westteil der Stadt. Ein aus mehrfacher Sicht nicht gerade ungefährliches Unterfangen. Vom zusätzlichen Gefahrenpotential 'russische Observation' erfährt nur der Zuschauer simultan zum Fluchtversuch. Wachtposten beobachten die drei auf ihrem Weg zur Dachkante und jeden weiteren ihrer Handlungsschritte. Die Spannung steigt.

Weil es langweilig wäre, jetzt schon das Ende zu erwähnen, genehmige ich mir einen raschen Blick in die Zeitung Sonntag Aktuell. Aha, Seite 3 hat was. Ich muss also nicht lange blättern um auf die Reihe "Der Aufbruch" (gemeint ist der aus dem Osten, nicht etwa der aus der Finanzkrise oder dem Sommerloch) zu stoßen. Die Überschrift dieses Teils: "Mauer-Liebe". Das hört sich nach Drama an, nach ganz großem Kino. Ob es wohl ein happy end gibt? Die Worte "Angst", "DDR-Grenzsoldaten" mit "Maschinengewehren" sowie die Höhe von "3,60 Metern", auf der sich unser Protagonist befindet, deuten erstmal auf die Kategorie "Adventure" hin. Romantik folgt erst im Anschluss: "Die Geschichte erzählt von einer Liebe in Zeiten des Kalten Kriegs (...). Und es wird auch um einen Neuanfang gehen, dem das Ende schon innewohnte." Klingt fast so, als habe Hesse* selbst der Autorin Pate gestanden. Das ist mir dann doch zuviel lyrische Prosa in einem Zeitungsartikel. Was sagt denn das Radio?

Ah, wie sich's anhört, ist hier die Mauer bereits verschwunden. Dabei klingt es auf 1live fast so, als lägen keine 20 Jahre sondern höchstens 20 Tage zwischen ihrem Fall und dem Anlass der Serie: Von Sektor zu Sektor. "20 Jahre Deutsche Einheit – und dennoch kennen viele den Osten nicht. Das wollen wir ändern. Wir verlassen den Sektor, um den anderen Sektor zu erkunden", das ist also die Intention, wie sich noch immer im Blog nachlesen lässt – obwohl auch die OSTtour der beiden WESTreporter schon der Geschichte angehört. Eine Episode darin nennt sich: "Reporter- statt Agententausch". Oha, da steht sie ja doch wieder in der alten Größe von 3,60 Metern... Zurück zur Sache: Jan Böhmermann, der Wessie, soll gegen Caro Korneli von Radio Fritz getauscht werden. Welcher Ort würde sich da besser anbieten, als die Glienicker Brücke; jene Brücke, die für den sowjetisch-amerikanischen Agentenaustausch bekannt ist? Gut. Aber worum geht's nun beim Reportertausch? Klar, mal wieder (wie in diversen Episoden, die ich im Radio verfolgt habe) um "Vorurteile" und – äh, irgendwie habe ich da wohl was nicht mitbekommen – es geht um "Sex".

Zeit, zu Phoenix zurückzukehren. Für den Leser dieser Zeilen befinden sich die Holzapfels, jene Familie, die mit der selbstgebauten Seilbahn über die Mauer düsen möchte, noch immer auf dem Dach des Hauses der Ministerien. Und das, wie gesagt, unter russischer Observation. Die Wachtposten gehen allerdings davon aus, dass es sich um einen Coup der Staatssicherheit handelt, Agenten nach Westberlin zu schleusen, nicht um eine flüchtende Familie, die sich nach der Freiheit jenseits der Mauer sehnt. Darum und dank eingeweihter Helfer im Westen gelingt, was die Holzapfels so minutiös geplant haben auf dem TV-Bildschirm heute noch einmal.

Ich für meinen Teil, bin der Flucht- und weiterer Ost-Westgeschichten inzwischen überdrüssig. Wer dennoch nicht genug hat, kann sich ja mal umsehen, was sonst noch so in der Mache ist. Auf der Seite Friedliche Revolution.de, zum Beispiel, finden sich Termine, eine TV-Vorschau...

("Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" aus dem Gedicht "Stufen").



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