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Bajonette und Backöfen (Seite 2)

Ulrich Drees: "Warum versteht Christian kein Französisch?" Foto: Katja Reich
Ulrich Drees. Foto: Katja Reich

"Christian versteht hier kein Französisch." Ulrich Drees hält das Manuskript in der Hand, Seite 6. "Aber Französisch ist für ihn als Student, was heute für uns Englisch ist. Das war die Gelehrtensprache." Bernhard Weißbecker ist sich da nicht so sicher: "Mussten sie nicht eher Englisch lernen? Sie gehörten doch zum Königreich Hannover." Weitere Fragen kommen auf: Wie viel sind die sechs Groschen Wert, die Christian einem Bettler gibt? Wo standen 1760 auf den Göttinger Straßen Backöfen? Heißt es "Gärtnergeselle" oder "Gärtnerbursche"? Und wie sahen die französischen Besatzer aus? Ulrich Drees beschreibt sie für die Gruppe: "Weiße Uniformröcke, Dreispitzhüte, Säbel, Bajonette, jeder hat eine Tasche umhängen, in der er Munition transportiert…"

Auch wenn es um einen Roman mit Fantasy-Elementen geht: Die historischen Fakten müssen stimmen. "Wir recherchieren, welche Gebäude es gab, wie die Verfassung aussah, und so weiter", sagt Eiko Lajcsak. "Aber wir verwenden die heutigen Straßennamen. Sonst weiß keiner mehr, wo die Geschichte gerade spielt." Und: Die Handlung muss bis zu einem gewissen Grad glaubwürdig sein. Da wird es problematisch, wenn Hund Hektor den Mörder seines Herrchens wiedererkennen soll.

Hektor, der Superhund

"Mir klingt das zu sehr nach Lassie", kritisiert Lajcsak. "Sowas kann kein Hund. Für mich sind Hunde überzüchtet, wollen nur kläffen, fressen, sich vermehren. Ich stelle mir so einen kleinen, dummen Hund vor, wenn ich das lese." "Du musst dir einen großen, richtigen Hund vorstellen", meint Marianne Schmidt. "Aber was gab es damals überhaupt für Rassen?", fragt Textautor Weißbecker. "War das schon so wie heute? Oder hatte nur der Adel Rassehunde?" Journalist Ulrich Drees gefällt die Idee mit dem Hund, der den Mörder finden soll. "Das hat was: ‚Großspuriger Studentenführer sucht Mörder beim Gassigehen.’ Aber mich stört, dass das dann auch noch auf Anhieb funktioniert! Ich hätte von Alexander mehr detektivisches Geschick erwartet." Die Figur des Studentenführers Alexander gefällt der Gruppe. "Das ist eine coole Sau", sagt Lajcsak. "Und wie er redet. Das hat diesen Touch von 1700-noch-was."

Eiko Lajcsak über die Identifikation mit den Charakteren (28 Sek, 454 KB)

Gemeinsam über Texte diskutieren, sich austauschen: Die Idee zu einer Literaturgruppe kam Eiko Lajcsak vor ein paar Jahren. "In Amerika ist das sehr verbreitet", sagt er. Im Februar 2004 wurde die SciFan Writer’s Group im Göttinger Kulturzentrum KAZ gegründet. Sie hat sich auf Texte aus den Bereichen Fantasy und Science Fiction spezialisiert. Inzwischen hat sie sechs Mitglieder, vor kurzem kam Marianne Schmidt als erste Frau zur Writer’s Group hinzu. Erfahrung mit Texten hat sie reichlich. Sie ist Deutschlehrerin. Weiter

Veröffentlicht: 14.06.2008
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